«Das sieht doch gut aus», meint der Mann mit der Sicherheitsweste und dem Helm und blickt auf die Schäkel, mit denen die Traggurten an der Holzkonstruktion befestigt sind. Der Motor des 300-Tonnen-Pneukrans brummt etwas lauter. Und schon beginnt das gut 24 Meter lange und 3,5 Meter breite Teil emporzuschweben. Der Ausleger dreht sich, und das Brückenteil wird sorgfältig zwischen die bereits montierten Bogenträger abgesenkt.

Auen-Renaturierung Rietheim: Die erste der beiden Holzbrücken über den Chly Rhy wird eingesetzt.

Millimeter-Arbeit: Die erste der beiden Holzbrücken über den Chly Rhy wird eingesetzt.

Am Montagnachmittag ist die erste der beiden Brücken geschlagen worden, die künftig über den Chly Rhy führen und die Verbindung ins Gebiet zwischen dem «neuen» Seitenarm und dem Hauptarm des Rheins sicherstellen. «Uns war es wichtig, dass diese Brücken ins Auengebiet passen, daher haben wir eine Holzkonstruktion gewählt», erklärt Projektleiter Erik Olbrecht von der Abteilung Landschaft und Gewässer im Departement Bau, Verkehr und Umwelt, der Leiter des Auen-Redynamisierungsprojektes Chly Rhy.

«Die beiden Brücken weisen einige Besonderheiten auf», sagt Walter Bieler vom Planungsbüro Walter Bieler AG im bündnerischen Bonaduz, der die beiden Brücken konstruiert hat und der den Einbau vor Ort verfolgt. «Es sind Bogenbrücken mit einer unterliegenden Fahrbahn. Die Fahrbahn bildet zusammen mit den Längsträgern ein U-Profil, einen Trog, der an den Bögen mit zwei Stahlbügeln unterstützt wird.

Die Bögen sind flach gehalten, damit sich das Bauwerk harmonisch in die Auenlandschaft einfügt.» Brückenbau in einem sensiblen Gebiet ist für Walter Bieler nichts Neues: Letztes Jahr ist er für seine Hängebrücke in der Ruinaulta, der Vorderrhein-Schlucht zwischen Ilanz und Reichenau, mit dem Europäischen Holzbrücken-Baupreis ausgezeichnet worden.

Während die aus Fichtenholz-Lagen bestehenden Bögen für die Brücken über den Chly Rhy in der Innerschweiz gefertigt worden sind, haben die Zimmerleute der Husner AG (Frick) den Trog mit der Fahrbahn vor Ort aus angelieferten Teilen montiert. Die Kosten für den Holzbau beider Brücken belaufen sich auf rund 850'000 Franken.

Passt – nicht nur in die Umgebung

In kurzer Zeit ist das gewichtige Bauteil millimetergenau zwischen den Bogenträgern platziert. In einem nächsten Schritt wird die Fahrbahn mit einer Gussasphaltschicht versehen, und die Bögen erhalten zum Schutz vor Witterungseinflüssen eine Fichtenholz-Verschalung.

Bereits in den nächsten Tagen wird die zweite Brücke über den Chly Rhy geschlagen. Sie ist mit 17,5 Metern etwas kürzer, dafür aber 5 Meter breit. Und mit 40 gegenüber den 18 Tonnen der ersten Brücke ist sie auf eine höhere Tragfähigkeit ausgelegt.

Noch nicht definitiv fest steht der Moment, in dem der Chly Rhy geflutet wird. «Das dürfte Anfang Mai der Fall sein», versichert aber Projektleiter Erik Olbrecht.