Böttstein

105000 statt 51000 Franken: Böttsteins Ammann Gosteli verteidigt die Lohnerhöhung

Böttsteins Ammann Patrick Gosteli will mehr Lohn, aber auch mehr Aufgaben übernehmen.

Böttsteins Ammann Patrick Gosteli will mehr Lohn, aber auch mehr Aufgaben übernehmen.

Ammann Patrick Gosteli äussert sich zur Kritik an seinem geplanten Salär. Gemäss Antrag erhöhe sich sein Pensum um 233 Prozent – der Lohn aber um 76 Prozent. Zudem seien im Lohn 14000 Franken Spesen inbegriffen, die er bisher zusätzlich erhält.

Als «gierigster Politiker der Schweiz» wird er in den Medien bezeichnet, von der «Schweizer Illustrierten» erhält er gar den «Kaktus der Woche» – der Böttstemer Gemeindeammann und SVP-Grossrat Patrick Gosteli ist ins Kreuzfeuer der Kritiker geraten.

Grund dafür ist eine Lohnerhöhung über 54 000 Franken auf neu 105 000 Franken, die der Gemeinderat für Gosteli beantragt. Die übrigen Ratsmitglieder sollen 7000 Franken mehr erhalten.

Böttstein und Döttingen (oberhalb der Aare) zahlen dem Gemeinderat derzeit noch gleich viel – das soll sich bald ändern.

Böttstein und Döttingen (oberhalb der Aare) zahlen dem Gemeinderat derzeit noch gleich viel – das soll sich bald ändern.

Besoldungsreglement veraltet

Gosteli arbeite bereits heute 70 bis 80 Prozent, argumentiert der Gemeinderat. Das bestehende Besoldungsreglement aus dem Jahr 1993 gehe noch von einem 30-Prozent-Pensum aus.

Ein Blick über die Aare zeigt: Der Ammann in der Nachbargemeinde Döttingen, die wie Böttstein rund 3700 Einwohner hat, kommt auf lediglich 40 Stellenprozente. «Ich übernehme als Ammann Aufgaben, welche in umliegenden Gemeinden durch die anderen Ratsmitglieder wahrgenommen werden», sagt Gosteli auf Anfrage der az.

Seine Ratskollegen könnten sich «aus beruflichen Gründen nicht noch mehr aufbürden». Den grossen Zeitaufwand begründet der Ammann mit «laufenden und zukünftigen gemeindeinternen und regionalen Projekten».

Es ist also primär die Arbeitsverteilung innerhalb der Exekutive, die in Böttstein anders ist als in Nachbargemeinden. Dies hiesse, dass die Besoldung für den Gesamtgemeinderat ähnlich sein müsste, wie zum Beispiel in Döttingen. Nur: Döttingen gibt für seine Exekutive 130 000 Franken aus. Der Böttstemer Gemeinderat will insgesamt 203 000 Franken.

Ähnlich viel verdient der Gemeinderat in Buchs oder Muri – Zentrumsgemeinden mit knapp doppelt so vielen Einwohnern wie Böttstein. Gosteli erklärt dies so: «Böttstein ist die drittgrösste Gemeinde im Bezirk und hat Leadfunktion bei verschiedenen Projekten.»

Es handle sich bei der Vorlage nicht um eine Lohnerhöhung, sondern um eine Anpassung des Pensums, betont der Ammann. Das alte Reglement gehe von 51 000 Franken für 30 Prozent aus, das neue von 105 000 Franken für 70 Prozent.

«Das Pensum erhöht sich gemäss Antrag um 233 Prozent – der Lohn um 76 Prozent», rechnet Gosteli vor. Zudem seien im neuen Lohn Spesen im Wert von 14 000 Franken inbegriffen, die er bisher zusätzlich erhalten habe.

Die Gerüchteküche brodelt

Im Dorf munkelt man indes, der Ammann wolle sich auf Kosten der Gemeinde ein Loch im privaten Finanzstrumpf stopfen – Anfang Jahr habe er seinen Job verloren.

Was ist an diesem Gerücht dran? Fakt ist: Gosteli arbeitet nicht mehr als kaufmännischer Leiter bei der Vögeli Holzbau AG in Kleindöttingen und ist auch als Mitglied des Verwaltungsrats ausgestiegen.

Es bestehe kein Zusammenhang zwischen seinem Abgang bei Vögeli und dem Antrag des Gemeinderats, sagt Gosteli. Zudem sei es kein Jobverlust gewesen, «sondern eine Konzentration meiner Aktivitäten».

«Die Mehrfachbelastung von 180 Prozent war ganz einfach zu viel», sagt Gosteli, der in diversen Stiftungsräten sitzt sowie als Vizepräsident der SVP-Grossratsfraktion amtet.

Dort stehen Gostelis Fraktionskollegen in der Lohnfrage keinesfalls hinter ihrem Vizeoberhaupt, wie eine Umfrage von Tele M1 zeigte: Wolfgang Schibler, Ammann von Bettwil, bezeichnet die Forderung des Gemeinderats nach 54 000 Franken mehr Lohn für Gosteli als «überrissen».

Die Reitnauer Frau Gemeindeammann Regina Lehmann «würde sich das nicht erlauben». Fraktionspräsident Andreas Glarner, Ammann von Oberwil-Lieli, sprach von einem «stolzen Lohn».

Er selber verdiene nur 24 000 Franken – «Ich sehe das Amt aber als Dienst an der Gemeinde und der Bevölkerung», sagte er.

Auch für ihn sei das Amt zum Teil Erwerbseinkommen, zum Teil Ehrenamt, verteidigt sich Patrick Gosteli. Wie kann er bei einem geforderten Lohn von 105 000 Franken für 70 Stellenprozente – 8750 Franken pro Monat – noch von einem Ehrenamt sprechen? «Der effektive Zeitaufwand mit über 80 Prozent ist grösser als das vom Gemeinderat beantragte 70-Prozent-Pensum», erklärt Gosteli.

Die Vorlage wird am kommenden Mittwoch an der Gmeind behandelt. «Der Souverän hat über die Pensen zu entscheiden. Der Gemeinderat wird den Beschluss selbstverständlich akzeptieren», sagt Gosteli.

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