Ausgangspunkt des rund ein Kilometer langen Skulpturenwegs Aare-Surb ist der Bahnhof Döttingen. Dort werden Besucherinnen und Besucher von Jürg Altherrs 5-Tonnen-Koloss mit dem verspielten Namen «Zorn und Zärtlichkeit» begrüsst. Das zweiteilige Werk ist massig und wirkt doch filigran mit seinen zackenförmigen, scharfkantigen Elementen, die im Boden zu versinken scheinen.

Wenige Schritte weiter fällt der Blick auf Etienne Krähenbühls zerklüfteten Eisenbrocken, der ein ausgebranntes Auto unter sich zerquetscht, als ob ein Meteorit eingeschlagen wäre. Vor dem Café Frei zieht den Betrachter das riesige, architektonische Gebilde von James Licini in Bann. Er kreiert aus genormten Stahlbauprofilen seine eigene geometrische Welt und zählt zu den bedeutendsten Stahlbauern der Schweiz.

Mit Tieflader und Kran wurden die 20 schweren Gebilde an ihre Bestimmungsorte gebracht und machen aus Döttingen eine riesige Freiluft-Galerie, die rund um die Uhr besichtigt werden kann. Einen spielerisch leichten Zugang zur Kunst soll der Skulpturenweg der Bevölkerung bieten – eben «Metall för all».

Die Objekte dürfen berührt werden, sind manchmal beweglich oder klingen sanft bei jedem Luftzug. Der rund 20-minütige Spaziergang ist ein Erlebnis für alle Sinne. Ein Grossteil der Plastiken bettet sich idyllisch in die Uferlandschaft entlang des Aaredamms ein.

Zum Beispiel Behrouz Varghaiyans Knäuel aus Armierungseisen, das auf einer Stange in den Himmel ragt und wie ein Storchennest wirkt. Oder Roman Sondereggers wuchtiger Steinblock, der auf zwei beweglichen Federstahlelementen balanciert und entfernt an einen Rodeosattel erinnert.

Für Gillian Whites Figur «Die Badenden» musste der Weg verbreitert werden. Auch diese Skulptur aus Cortenstahl strahlt trotz ihrem tonnenschweren Gewicht eine spielerische Leichtigkeit aus. Die sich windenden und ineinander verschlungenen Stahlrohre von Martina Lauinger sind genauso ein Hingucker wie Rolf Tschudins auf dem Kopf stehendes fischartiges Gebilde. Oder die an einem Stab aufgefädelten Federstahlplättchen von Bruno Lötscher und Daniel Meili, die im Wind hin und her schaukeln.

Bis im Oktober 2016 soll der Skulpturenweg Aare-Surb die Besucher erfreuen, überraschen und anregen. Was danach geschieht, ist offen. Eine Option wäre, die Open-Air-Kunstwerke für längere Zeit stehen zu lassen. «Das muss die öffentliche Hand entscheiden», meint Kulturtankstellen-Leiter Ruedi Neff. In und um die Kulturtankstelle selber sind rund 80 weitere Eisenplastiken ausgestellt.

An drei besonders geschichtsträchtigen Orten verweisen zudem Bildtafeln auf die Vergangenheit. Neffs Fazit nach 10-jähriger Leitung der Kulturtankstelle Döttingen: «Ich bin nicht reich an Geld geworden, dafür umso reicher an Erfahrungen, was die Kunst anbelangt.» Und er wirkt glücklich, wenn er das sagt. Erwähnt haben will er zum Schluss vor allem Eins: «Nur dank unseres Fördervereins sowie Sponsoren können wir mit einem so attraktiven Jubiläumsprogramm aufwarten.»