Erdwärme

Zukunfts-Energie aus Geothermie im Aargau schon im Jahr 2020?

Eine Geothermie-Erkundungsbohrung

Eine Geothermie-Erkundungsbohrung

Erdwärme bietet saubere Energie und dies rund um die Uhr. Der Aargau eignet sich bestens, diese Energieressource für die Stromproduktion zu nutzen. Bereits in wenigen Jahren sollen Bohrungen durchgeführt werden. 2020 soll der Strom ins Netz fliessen.

Tatsächlich, es gibt sie doch, die unerschöpfliche Energiequelle, deren Potenzial das Paul-Scherrer-Institut auf tausendmal grösser einschätzt, als den heutigen Stromverbrauch in der Schweiz. Zudem ist die neue Energie nachhaltig, sauber, verursache kein CO und steht das ganze Jahr über während 12 Monaten Tag und Nacht zur Verfügung. Diese Bandenergie, für stabile Stromnetze besonders wichtig, unterliegt keinem Handel, benötigt keine Transportwege und funktioniert losgelöst von politischen Krisen, Knappheit und Preisaufschlägen.

Das Wundermedium heisst Geothermie oder Erdwärme, denn 99 Prozent unsere Planeten sind nun einmal über 1000 Grad heiss. Im Innern erreicht die durch natürliche radioaktive Zerfallsprozesse erzeugte Wärme 7000 Grad, bei den Kontinenten ist die Erdkruste 60 Kilometer mächtig, unter den Ozeanen sind es nur 10 Kilometer.

Führende Rolle des Aargaus

Der Aargau ist nicht nur das Land der Atomkraftwerke, sondern wie kein anderer Kanton prädestiniert für die Nutzung der Geothermie. Begründung: Es braucht im Untergrund tektonische Strukturen, wie sie im Rheingraben vorkommen. Entlang der Klüfte bewegt sich heisses Wasser, die grösste Wärmedichte reicht vom Jura-Südfuss ab dem Raum Zofingen bis ins untere Aaretal.

Das Dreieck von Baden über Schinznach Bad bis Bad Zurzach ist nicht zufällig Zentrum der Thermalbäder, es ist eine der bedeutendsten Wärmeflusszonen Mitteleuropas. Den «vorhandenen Schatz zu heben», das hat sich der letztes Jahr gegründete «Verein geothermische Kraftwerke Aargau (VGKA)» mit Sitz in Aarau auf die Fahne geschrieben. «Wir sind als Katalysator tätig, wollen alle Kräfte bündeln, um einer Expolorations-Gesellschaft den Weg zu ebnen», sagt Präsident Mark Eberhard vom Büro Eberhard und Partner, Aarau.

Weil der Verein engagierte, aktive Mitglieder will, ist der Beitrag mit 512 Franken («es ist 5 vor 12») horrend, wird aber noch diskutiert. Der VGKB steht erst im Aufbau, Axpo, ABB, Nagra sind an Bord, Stromverteiler wie IBA und IBB oder Wärmenetze wie Buchs, Oftringen und die Refuna ebenfalls.

Konflikte mit anderen Nutzungen

Heute wird die Erdwärme bis in Tiefen von rund 400 Meter genutzt, die Bohrung in Oftringen ist mit 719 Metern die tiefste Erdwärmesonde dieses Typs (Doppel-U-Rohr) weltweit. Für direktes Heizen braucht es 3000, für die Stromerzeugung 5000 Meter Tiefe, denn dafür ist sehr heisses Wasser über 100 Grad nötig. Problemlos geht es nicht, bei Nutzungskonflikten «muss der Kanton die Prioritäten setzen», betont Eberhard. Zum Gesetz über die Nutzung des tiefen Untergrunds hat sein Verein eine lange Mängelliste eingereicht, weil die Vorlage eine Nutzung massiv erschwere oder verunmögliche.

Die Liste potenzieller Konflikte ist lang, es geht um Trinkwasser, Tunnels, Stollen, Bodenschätze wie Salz, Kohle, Erdöl, Erdgas und Leitungen dafür. Künftig auch um unterirdische Höchstspannungsleitungen und natürlich um ein mögliches Endlager. Zudem «wollen wir den Thermalbädern das Wasser nicht abgraben», meint Eberhard – was hier im Sinne des Worte gemeint ist. Übrigens: Die Therme in Baden kommt direkt aus dem Boden, in Schinznach Bad geht die alte Bohrung 400 und die neue 900 Meter in die Tiefe, in Bad Zurzach wurde die erste Bohrung 430, die zweite 460 Meter abgetieft.

Bohrbeginn in 4 bis 5 Jahren

Der Aargauer Verein will alles vorbereiten, damit «schon in zwei bis drei Jahren eine Explorations-Gesellschaft gegründet werden kann und in vier bis fünf Jahren ein Bohrbeginn möglich ist». Eine Bohrung in diese unbekannten Tiefen kostet 150 bis 200 Millionen Franken, das können dann Stromkonzerne oder andere Interessierte übernehmen. Ein Pilotkraftwerk hat vorerst ein paar Megawatt Leistung und liesse sich auf 20 bis 30 Megawatt ausbauen.

Das Ziel ist es keineswegs, die Atomkraftwerke (KKL 1200 Megawatt) zu ersetzen – aber die Katastrophe in Japan gibt der Geothermie zweifellos viel Auftrieb. Der oberirdische Teil des Kraftwerks benötigt nicht allzu viel Platz und kostet etwa einen Viertel der Bohrung. Gemäss einer PSI-Studie belaufen sich die Produktionskosten auf 7 bis 15 Rappen je Kilowattstunde (kWh), «die Axpo aber rechnet deutlich höher mit 18 bis 22 Rappen», fügt Eberhard bei.

Keine Bedenken wegen Erdbeben

Angst vor einem Erdbeben nach dem Stopp des Projektes in Basel hat Mark Eberhard keine. Beim angestrebten System werde nur heisses Wasser an die Oberfläche geholt, das seismische Risiko sei darum bedeutungslos. Grösser ist das finanzielle, also das unternehmerische Risiko.

Genau deshalb will der Verein zu den vorhandenen Daten den Untergrund noch präziser abtasten lassen, mit dreidimensionaler Seismik und Erschütterungen. Das erhöht die Chancen für Bohrungen an den optimalen Standorten – , damit der erste Geothermie-Strom aus dem Aargau schon 2020 ins Netz fliessen kann.

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