Die Sonne brennt heiss vom Mittagshimmel. Die wenigen Regentropfen vom Morgen sind bereits verdampft. Das kommt den Zofinger Oberstufenschülern von der SeReal entgegen.

Bei Nässe müssten die Papiersammler die doppelte Last schleppen. «Es ist auch so eine anstrengende Arbeit», sagt die bei diesem Wetter gut gelaunte Siebtklässlerin Fitore Jumeri.

Sie ist zum vierten Mal mit dabei, hat schon manches zusammengetragen – und dabei schon viel gesehen.

Zu ihrem Leidwesen auch Ekliges mitsamt Geruchsemissionen. «Unappetitlich sind vor allem Pizzakartons, die angegammelte Pizzareste enthalten», weist sie auf einen wiederholt auftretenden Missstand hin.

Um 13.30 Uhr ist sie beim Bezirksschulhaus mit ihrem Wagen und einer Handvoll Klassenkameraden, zwei davon in Schutzwesten, gestartet.

Soeben hat sie den Wagen auf ihrer Altstadttour wieder bis oben hin gefüllt und macht sich auf dem Alten Postplatz ans Abladen der Fracht.

«Papier oder Karton?», fragt sie den Sekundarschullehrer Daniel Hürzeler und zeigt ihm einen schmalen Bund mit einem Kunterbuntgemisch. «Karton, der Mehranteil bestimmt», macht dieser eine klare Ansage.

Mehr Aufwand, weniger Ertrag

Solche Mogelpackungen müssen die Schüler derzeit oft einsammeln. Das ist schlecht für die Klassenkasse.

Denn mit Karton versetztes Papier verletzt nicht nur die Vorschriften. Es lässt sich damit auch weniger Geld erwirtschaften.

Im letzten Jahr haben die Zofinger Bezirksschüler und SeReal-Schüler insgesamt 24 000 Franken mit Papiersammeln eingenommen.

Realschullehrer Peter Diriwächter, der mit seiner Klasse ebenfalls in der Altstadt unterwegs ist, betont: «Das sind die einzigen nicht budgetgebundenen Mittel, die wir als freie Manövriermasse zur Verfügung haben.»

Mit «wir» meint er alle Zofinger Schüler, denn die Gelder werden auf sämtliche Klassen inklusive Kindergarten verteilt. «So können wir auch kurzfristige Projekte realisieren. Alles lässt sich ja nicht voraussehen.»

Aber eben. Die Einnahmen nehmen derzeit eher ab. Auch wegen der rückläufigen Abfallentgelte, die aktuell bei rund 45 Franken pro Tonne reinem Papierabfall liegen.

Zugleich ist die Arbeit aufwendiger geworden, die Disziplin bei der Zofinger Bevölkerung lässt zu wünschen übrig.

Urs Baumgartner, Sekundarschullehrer und Verantwortlicher der Papiersammlung, hat deshalb selber ein Päckli an die Adresse der Abfallsünder geschnürt.

Er und seine Kolleginnen und Kollegen verteilen an diesem Sammeltag rote Karten respektive rote Kleber. «Was gegen die Regeln verstösst, lassen wir stehen und kreuzen auf dem Kleber an, weshalb», sagt er.

«Zu schwere Bündel, leicht reissende Papiersäcke mit losem Papier, nicht gebündelter Karton: Das geht einfach nicht. Wenn erst noch Milchtüten, Plastik und anderer Abfall hineingeschmuggelt ist, hört jedes Verständnis auf.»

Korrektes und Himmelschreiendes

Der Rundgang in der Stadt mit Peter Diriwächter und Daniel Hürzeler lässt tief blicken.

Auf der einen Strassenseite ist das Altpapier vorbildlich in tragbare Packen gebündelt, die Kartonschachteln sind zerlegt und kompakt gebunden.

Gleich gegenüber steht eine Schachtel an der Hauswand, die Styropor enthält. Der Sünder weiss genau, weshalb er diesen Stoff mit anderem Material kaschiert. «Aus den Augen aus dem Sinn, das ist pure Bequemlichkeit», bedauert Peter Diriwächter.

Auf seiner Tour stellt er oft mehrere schlechte Beispiele zusammen. «Ansonsten würden uns die Kleber zu rasch ausgehen», meint er.

In der Fegergasse zeigt Daniel Hürzeler auf Berge von Karton. «Die Geschäfte haben ein enormes Kartonaufkommen, da hilft uns glücklicherweise Gloor Transporte, sonst würden wir mit den unzähligen Fuhren kaum fertig.»

Es ist inzwischen nach drei Uhr. Die Schüler kehren zurück. Urs Baumgartner ist gespannt auf die Rotkleber-Reaktionen. «Aufruhr wird es geben. Hauptsache, wir können Verhaltensänderungen herbeiführen.»