Zetzwil

«Zwölf Jahre sind das höchste der Gefühle»: Gemeindeammann macht Platz frei

«Zwölf Jahre sind das höchste der Gefühle.» Thomas Brändle findet, es brauche eine Blutauffrischung im Rat.

«Zwölf Jahre sind das höchste der Gefühle.» Thomas Brändle findet, es brauche eine Blutauffrischung im Rat.

Zwölf Jahre sind genug: Thomas Brändle, der Gemeindeammann von Zetzwil, tritt zu den Gemeinderatswahlen nicht mehr an.

«Ich bin ein Verfechter der Amtszeitbeschränkung», sagt er, und dies, obwohl er erst nächstes Jahr 50 Jahre alt wird. Zwölf Jahre sei «das höchste der Gefühle», sagt er. Etwas Neues müsse kommen, Blutauffrischung: Eine neue Person habe die Chance, andere Fehler, anderes aber auch besser zu machen. «Etwas Wehmut ist schon auch dabei», sagt Thomas Brändle, doch das Amt sei primär zulasten der Familie gegangen. Auch stellt er fest, dass viele Gremien überaltert seien.

Im Jahr 2000 ist Thomas Brändle, der bei einer Grossbank in einer Kaderposition arbeitet, nach Zetzwil gekommen. Ohne politische Ambitionen, obwohl sein Vater im bernischen Grafenried, wo Brändle aufgewachsen ist, im Gemeinderat sass und die Schulpflege präsidierte. Ein Anruf von Vizeammann Beat Heinzer hat ihn, den Fachmann, dazu bewogen, in die Finanzkommission zu kommen. Er sei «schon kurz ins Schwitzen gekommen», als er an seiner ersten Gemeindeversammlung in Zetzwil gleich den Prüfungsbericht der Kommission zu präsentieren gehabt habe.

Von Anfang an Ammann

Und zweieinhalb Jahre später, 2006, klingelte das Telefon ein zweites Mal: gleicher Anrufer – neue Anfrage. Hinüberrutschen von der Finanzkommission ins Amt des Gemeindeammanns, das die telefonische Offerte. Als Parteiloser («Freie Wähler») liess er sich wählen. Warum parteilos? In Zetzwil gehören die wenigsten Gemeinderäte einer Partei an. Müsste man nicht Flagge zeigen, der Wählerschaft kundtun, zu welchen Grundwerten man steht? Thomas Brändle: «Mir war immer klar, dass ich mich nie einer Parteidoktrin unterordnen würde, mich nicht erdrücken lassen möchte.» Also ein Liberaler. Warum nicht zur FDP stehen? «Parteipolitik ist in einer kleinen Gemeinde wie Zetzwil sekundär», sagt der abtretende Ammann. Auch die SVP, die SP oder die Grünen hätten manchmal Ideen, die ihm zusagten.

Moderator, nicht Dominator

Auf Gemeindeebene gehe es darum, Probleme zu lösen und nicht ideologische Kämpfe zu veranstalten. Das schätzt Thomas Brändle an Zetzwil: «Man geht immer fair und respektvoll miteinander um.» Mangels Interesse ist sogar die Information der Parteien vor den Gemeindeversammlungen eingeschlafen. Wäre er auf der Ochsentour, hätte er also Ambitionen auf einen Umstieg in die kantonale Legislative, den Grossen Rat, hätte er sicher Farbe bekennen müssen. Aber das sei nicht sein Ding.

«Dass ich in keinem Dorfverein bin, hat man mir auch schon vorgeworfen», sagt Thomas Brändle. Er siehts als Vorteil: keine Interessenskonflikte, keine ungesunden Verbandelungen, auch keine der verwandtschaftlichen Art. Als Gemeindeammann hat er sich als Moderator verstanden. Die Ressortvertreter sollen aus ihrer Dossierkenntnis heraus argumentieren. Dann wird im Rat diskutiert. «Ich habe solche Diskussionen bewusst angekurbelt», sagt Brändle. Moderator eben, nicht Dominator oder gar Dorfkönig. Schliesslich, wenn kein Konsens erzielt wird, kommts zur Abstimmung. «Wir halten hier das Kollegialitätsprinzip hoch», sagt er. Geduld – politische Prozesse dauern länger als solche in der Privatwirtschaft – Konsensfähigkeit, Beharrlichkeit: Das hat er als Mitglied der Gemeinde-Exekutive gelernt. Und die Bereitschaft, für Sachen hinzustehen, die man selber nicht gewollt hat.

Harley oder Vespa?

Thomas Brändle sieht sich als Teamplayer: So sind denn die Spuren, die er in der Dorfpolitik hinterlassen hat, nicht seine Spuren, sondern jene des Gemeinderats. «Ich bin stolz darauf, wie der Gemeinderat und die Bevölkerung in kurzer Frist das Projekt Alterswohnungen angestossen haben», sagt er. Ein Thema, das auch seinen Nachfolger Daniel Heggli begleiten wird, ist die Raumplanung. Das Raumplanungsgesetz schlägt auf die Gemeinden durch: Der Kampf gegen die Zersiedelung kann zu Auszonungen von Baulandreserven führen.

Fällt Thomas Brändle am 1. Januar in ein Loch, wenn die Sitzungstermine im Dorf, aber auch beim Kanton wegfallen? «Fragen Sie mich im März», sagt der Vater von Nico (14), der die Bezirksschule in Unterkulm besucht, scherzhaft. Mehr Freizeit, mehr Zeit für Familie, Haus und Garten, für sportliche Aktivitäten wie Biken, das erhofft er sich schon. Und mehr Zeit fürs Töfffahren, seis mit der Harley, der Suzuki oder der Vespa.

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