Menziken
Zwei junge Frauen mit körperlichem Handicap in Rita Schärers Malatelier

Kurz vor Silvester haben Laura Ming und Nicole Roth ins Malatelier von Rita Schärer in Menziken eingeladen. «Nimmt es euch auch Wunder, was wir im Atelier von Rita machen? Kommt einfach vorbei», steht auf der Einladungskarte.

Peter Siegrist
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Rita Schärer (links) mit Laura Ming, die unter anderem Memorys gestaltet. Im Hintergrund ein Blumenbild von Nicole Roth, die krankheitshalber den Fototermin absagen musste.

Rita Schärer (links) mit Laura Ming, die unter anderem Memorys gestaltet. Im Hintergrund ein Blumenbild von Nicole Roth, die krankheitshalber den Fototermin absagen musste.

Peter Siegrist

Die Raumgestalterin Rita Schärer erteilt in ihrem Atelier auch Malkurse. So gehören Laura (19) und Nicole (31) zu ihren regelmässigen Schülerinnen. Beide leben mit körperlichen Beeinträchtigungen, Laura ist praktisch erblindet und Nicole wegen Lähmungen körperlich eingeschränkt und im Rollstuhl.

Laura malt unter der Hand-Führung von Rita Schärer Memorys. Mit grosser Geduld und Ausdauer hat sie bis heute ein Dutzend Spiele mit 20 Paarkarten gestaltet. «Die Idee ist bei Rita entstanden», erklärt Laura, «dann haben wir uns ans Werk gemacht.» Jetzt hängen die Spiele als Geschenke schön verpackt an einem Birkenast im Laden. Laura freut sich sehr, hat sie doch bereits einige der Spielsets verkauft.

In einer Schale liegen weisse Papierrollen. «Meine Geschichten», sagt Laura. Mit einem besonders ausgerüsteten Computer kann sie nicht nur Texte einscannen und sich vorlesen lassen, nein, sie kann auch schreiben. So sind mehrere Sprachminiaturen entstanden, etwa die Geschichte von einem schwarzen Hund.

Nicole, die leider krankheitshalber an der Ausstellung fehlen musste, stellt ihre Blumenbilder aus. Sie hat nach der Bezirksschule eine KV-Lehre absolviert, aber ihre Beeinträchtigung lässt die Berufsausübung nicht mehr zu. Im Malen findet sie jedoch die Herausforderung und Befriedigung, die sie suchte.

Assistiertes Leben und Wohnen

Letztes Jahr wohnten die beiden jungen Frauen betreut im Haus Turmalin, nach dessen Schliessung ist Laura wieder nach Hause zu ihren Eltern gezogen, Nicole wohnt selbstständig. Beide Frauen nützen das Angebot des Assistenzbeitrages von der IV, der es ihnen ermöglicht, für eine bestimmte Anzahl Stunden jemanden anzustellen, der sie im Alltag unterstützt. Das System der persönlichen Assistenz ist so gestaltet, dass die behinderten Menschen selber entscheiden, wann und in welcher Form sie Unterstützung brauchen.

Rita Schärer sagt, sie habe mit den beiden schon gemalt, als sie im Haus Turmalin wohnten. «Jetzt kommen sie auf eigene Initiative zu mir.» Mit grosser Freude arbeite sie mit den beiden, und sie staune immer, mit wie viel Elan und Motivation Laura und Nicole ihre zusätzlichen Schwierigkeiten überwinden würden. Rita Schärer scherzt mit Laura, die beiden mögen, und kennen sich gut, und sie geniessen die gemeinsame Zeit.

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