Oberkulm

Zwei ehemalige Lehrer fahren in ihrem Faltboot bis nach Basel

Für die Flusstour holen Markus Kirchhofer (vorne) und Beat Röthlisberger das Faltkajak aus dem Birrwiler Bootshaus am Hallwilersee.

Für die Flusstour holen Markus Kirchhofer (vorne) und Beat Röthlisberger das Faltkajak aus dem Birrwiler Bootshaus am Hallwilersee.

Wasserwandern nennen Markus Kirchhofer aus Oberkulm und Beat Röthlisberger aus Küttigen ihre fünftägige Reise auf der Limmat, der Aare und dem Rhein. Langweiligen wird es den beiden Lehrerkollegen nicht in ihrem Boot: «Es gibt immer viel zu entdecken.»

Rund 100 Kilometer sind es von Zürich nach Basel, je nach Weg etwas mehr oder weniger. Wer ist die Strecke nicht schon gefahren, ob mit Zug oder Auto? Länger als 75 Minuten dauert die Reise nicht. Bahnhöfe, Orte, Bäume, Flüsse und Menschen – die Bilder hinterm Fensterglas jagen nur so vorbei.

Weitaus gemächlicher sind seit Montag die Freunde Markus Kirchhofer und Beat Röthlisberger unterwegs. Fünf Tage nehmen sich die ehemaligen Othmarsinger Lehrerkollegen für die Reise Zeit. Strassen und Schienen brauchen sie keine, ihr Weg führt sie im Faltkajak mit etwa sechs Stundenkilometern über Limmat, Aare und Rhein ans Dreiländereck.

«Es ist nicht sonderlich sportlich oder schwierig, ich nenne es Wasserwandern», sagt Markus Kirchhofer. Der 50-jährige gebürtige Ruedertaler lebt in Oberkulm und entdeckte vor 20 Jahren am Hallwilersee das Faltbootfahren für sich.

Während der Expo 02 machten er und sein damaliger Lehrerkollege Beat Röthlisberger ihre erste grosse Tour. An der Schule Othmarsingen sind sie heute beide nicht mehr, Kirchhofer arbeitet in der Lehrerweiterbildung an der Fachhochschule Nordwestschweiz, Röthlisberger studiert angewandte Psychologie.

Aber ihr gemeinsames Hobby blieb; noch immer befahren sie regelmässig Reuss, Aare, Rhein oder zuletzt die Rhone, welche sie von Genf bis Lyon trug.

Ungewohnte Perspektive

«Die ungewohnte Perspektive vom Wasser aus hat es mir angetan», sagt Markus Kirchhofer. Es sei quasi das Gegenteil vom Fliegen, denn man befinde sich ganz unten in der Landschaft. «Mich fasziniert auch die Langsamkeit», ergänzt Beat Röthlisberger.

Langweilig wird es dem 43-jährigen Küttiger nicht: «Man hat viel Zeit, um zu beobachten.» Trotz der eingeschränkten Sicht von knapp oberhalb des Wasserspiegels gebe es einiges zu sehen, das man so noch nicht wahrgenommen habe, sagt Kirchhofer.

«Bäume, Auen, Brücken oder Industriegebäude.» Man habe aber auch einen etwas anderen Blick auf nicht so malerische Orte wie die Autobahn. Obwohl alles so nahe scheine, sei es doch oft unbekannt.

Sechs Stunden etwa werden die beiden täglich auf dem Wasser sein. «Dann ist man abends froh, wenn man wieder aus dem Boot steigen kann», sagt Röthlisberger. Im Kajak nehmen sie auf einer harten Sitzschale Platz. Kirchhofers Faltboot besteht lediglich aus einem Holzgerüst und einer Bootshaut.

Es lässt sich komplett auseinandernehmen, zusammenklappen und mit einem Wägelchen transportieren. Das ist auch nötig, sechsmal müssen die Wasserwanderer nur schon zwischen Zürich und Baden wegen Schwellen oder Wehren den Landweg einschlagen.

Hotel statt Zelt

Nachts geht es ins Hotel. «Zelten liegt nicht drin», erklären die Wasserfahrer. Da das Gepäck im Heck und Bug des Bootes verstaut werden muss, nehmen sie nur das Nötigste mit. «Eine warme Dusche am Abend schadet zudem nicht», sagt Röthlisberger, «ob nach Hitze oder Regen.»

Für die az berichtet das Duo in einem Blog täglich von seinen Erlebnissen auf dem Fluss. «Schreiben wird Markus», sagt Röthlisberger lachend, schliesslich sei er ja auch noch Autor von Bildgeschichten, Lyrik oder Theaterstücken.

Auch im Boot sind die Rollen während der Fahrt klar verteilt. «Ich bin der Steuermann», sagt Röthlisberger, der hinten sitzt. Kirchhofer nimmt mit seiner Fotokamera vorne Platz, um die Eindrücke aus der speziellen Perspektive festzuhalten.

Die erste Etappe beginnt heute gegen 9 Uhr beim Zürcher Opernhaus und führt über 27 Kilometer Limmat bis ins Badener Bäderquartier. Am Freitag, nach gut 125 Kilometer und rund 30 Studen auf dem Wasser werden die beiden Aargauer am Basler Rheinhafen auswassern.

Die nächste Tour ist noch nicht geplant, aber es gibt eine Idee, sagt Kirchhofer: «Wir würden gerne auf der Dordogne bis zum Meer fahren.»

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