Reitnau/Attelwil

Zwei Dörfer lassen sich neu durchnummerieren

Aus der Kirchgasse 100 im Bild soll bald die Adresse Kratz 1 werden.

Aus der Kirchgasse 100 im Bild soll bald die Adresse Kratz 1 werden.

Aus 107 mach 14: Auch in Reitnau und Attelwil lösen Hausnummern die schwer verständlich geordneten Versicherungsnummern an den Hausfassaden ab.

Das Phänomen ist kantonsweit nur noch selten anzutreffen: Die dreistelligen Hausnummern, die in Attelwil und Reitnau die Hauswände zieren und den ländlichen Dörfern einen Hauch Grossstadtflair verleihen. Dabei haben die bald fusionierenden Gemeinden zusammengenommen nur gut 1500 Einwohner. Der Grund für die hohen Nummern: Die Liegenschaften wurden nie systematisch durchnummeriert. Als Hausnummern hängen die Versicherungsnummern der Aargauischen Gebäudeversicherung über den Eingängen. Die Nummernfolge stellt die Reihenfolge dar, in der die Häuser erstellt und die Versicherungsnummern vergeben wurden.

So kommt es, dass das Haus der künftigen Frau Ammann von Reitnau, Katrin Burgherr, die Nummer 107 trägt, obwohl es erst am Beginn der Strasse steht. Wenige Schritte weiter trifft man auf die Nummer 530, danach kommt die 490. Nicht leicht, sich so als Ortsunkundiger zurechtzufinden. Dass verschiedene Strassen denselben Namen tragen, erschwert die Orientierung ausserdem zusätzlich. Der Weg, der von der Strasse namens Rüssli abbiegt, heisst ebenfalls Rüssli, und der Strassenname Möösli tritt in Attelwil und in Reitnau auf, kaum einen Kilometer entfernt. Bedingungen, die schon zahlreiche Besucher und Lieferanten verzweifelt an Türen klingeln liessen, um nach dem Weg zu fragen.

Neue Nummerierung kommt

Was schon lange geplant war, wird im neuen Jahr deshalb endlich umgesetzt: Die Häuser erhalten aufeinanderfolgende Nummern. Aus der 107 der Frau Ammann wird die 14. Zudem ersetzen neue Strassennamen die doppelt vorhandenen. So halten neu etwa der Fichtenweg und der Schmittenrain Einzug in Reitnau.

Immer wieder wurde das Projekt in der Vergangenheit verschoben. 2016 gingen die Gemeinden die Sache ernsthaft an und setzten eine Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung ein. «Eine logische Hausnummerierung drängte sich schon lange auf», sagt der Reitnauer Gemeindeschreiber Heinz Wölfli. Dies vor allem für Situationen, in denen jede Sekunde zählt. «Es wäre verheerend, wenn Ambulanz oder Feuerwehr zu spät zum Einsatzort kämen, weil sie die Adresse nicht finden.» Zwar zeigten Google und Navigationsgeräte die Adressen exakt an. Doch die Orientierung an aufsteigenden Hausnummern sei ebenfalls ein entscheidender Faktor, um schnell eine Adresse zu finden.

Auch auf das Gewerbe wirkt sich die Desorientierung negativ aus: «Lieferanten und Kunden können unsere vielen kleineren Gewerbebetriebe nicht finden, deshalb sind schon Schwierigkeiten bei der Zulieferung entstanden», erklärt Heinz Wölfli. Private werden vom Pizzakurier nicht gefunden oder vom Fotografen, der eigentlich das Familienfest verewigen sollte.

Auch die Pöstlerin freut sich auf das neue System: Wenn jemand neu zugezogen sei und sie nicht aufs Navigationsgerät zugreifen könne, habe selbst sie als ortskundige Pöstlerin kaum eine Chance, das Haus zu finden.

Finden neue Namen Anklang?

Vom 3. bis 25. Januar liegt der neue Plan Hausnummerierung auf der gemeinsamen Gemeindekanzlei von Reitnau und Attelwil auf. Dass es Änderungswünsche geben wird, schliesst der Gemeindeschreiber nicht aus. «Bewohner könnten uns fragen, warum man bei doppelten Strassennamen gerade ihre Strasse umbenannt hat und nicht die andere, oder können einen anderen Namen vorschlagen als den gewählten.» Diesbezüglich sei man offen. «Einen konkreten, schriftlichen Vorschlag müsste man uns aber schon vorlegen.»

Eine Informationsveranstaltung für die Einwohner findet am 15. Januar um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle statt.

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