Beinwil am See

Zwei Dealer-Touristen verkauften Koks an einen Aargauer Polizisten

Nachdem zwei Dealer-Touristen Koks an einen Aargauer Polizisten verkauften, droht ihnen nun Gefängnis wegen Drogenhandels und rechtswidriger Einreisen. (Symbolbild)

Nachdem zwei Dealer-Touristen Koks an einen Aargauer Polizisten verkauften, droht ihnen nun Gefängnis wegen Drogenhandels und rechtswidriger Einreisen. (Symbolbild)

Die beiden Männer wurden vom Bezirksgericht Kulm wegen Drogenhandels verurteilt.

Albion (alle Namen geändert) wollte aus seinem neuen Kunden maximalen Profit herausholen. Der Herr, in dessen Auto der Verkauf abgewickelt wurde, mochte Albions Kokain. Umgehend bot ihm Albion Mengenrabatt an. Und Heroin, so sagte er dem Kunden, könne er auch besorgen. Tatsächlich meldete sich der Käufer kurz darauf erneut, interessiert am Kauf von fünf Gramm Kokain.

Doch war dieser Erfolg nicht Albions Verkaufstalent geschuldet. Der Mann, den Albion am nächsten Tag erneut auf einem Parkplatz in Beinwil am See traf, war ein verdeckter Fahnder der Kantonspolizei. Ein seltener Erfolg: Es ist sehr ungewöhnlich, dass Dealer einem verdeckten Polizisten Drogen verkaufen.

Weil er sich den falschen Kunden ausgesucht hatte, sitzt Albion derzeit in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg, zusammen mit seinem Kollegen Dejan, der ihn zu seinen Deals mit dem Polizisten nach Böju gefahren hatte. Jetzt stand ihr Prozess am Bezirksgericht Kulm an. Zusammen sassen die Mittzwanziger im Gerichtssaal, beide in Fussfesseln. Ein Dolmetscher übersetzte für sie.

Aus dem Autokauf wurde Kokainhandel

Er sei damals in die Schweiz gekommen, um ein Auto für seine Familie in Albanien zu kaufen, sagte Albion gegenüber Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny Fäs. Er habe einen gebrauchten Mercedes gefunden, 13 Jahre alt, 160'000 Kilometer, für 9500 Franken. Auch eine Unterkunft fand er für seinen Aufenthalt in der Schweiz: Dejan, sein Kumpan aus Kindertagen in Albanien, wohnte im Leutwiler Gasthof Linde.

«Aber dann hat es ein Problem gegeben», sagte Albion. «Meine Eltern entschieden, sich scheiden zu lassen, und schickten mir kein Geld für das Auto. Ich war ohne Geld in der Schweiz und wusste nicht, wie ich meine Rückreise nach Albanien bezahlen soll.» Dann sei dieser Rumäne auf ihn zugekommen. In einer der Nächte, die er habe am Bahnhof verbringen müssen, weil Dejan nicht im Hotel gewesen sei. «Erst gab er mir gratis Kokain. Das nächste Mal schlug er vor, ich solle als Gegenleistung einen seiner Kunden beliefern.»

Welche Aussagen sind genügend glaubhaft?

Eine Reise, die mit guter Absicht beginnt und eine dramatische Wendung nimmt – die Gerichtspräsidentin und die vier Bezirksrichter schienen nicht richtig zu wissen, wie viel von Albions Geschichte sie glauben sollten. Warum er, der zu Hause als Chauffeur nur 300 Euro monatlich verdiente, eine so teuere Reise angetreten habe, nur, um ein Auto zu kaufen, fragte ihn Richterin Regula Kiechle.

«In der Schweiz kauft man gebrauchte Autos von guter Qualität», sagte er. Warum er nicht seine Familie um das Reisegeld gebeten habe, fragte Richterin Martina Hämmerli nach. «Wegen der Scheidung konnte ich das nicht», war die Antwort. «Sogar mein Bruder stand deswegen unter Schock.»

Gefängnis wegen Drogenhandels und rechtswidriger Einreise

Auch manche Aussagen von Dejan, der von Verwandten ins Gericht begleitet wurde, liessen den Zuhörer stutzig werden. In Italien, wo er wohnt, hat er nur in der Touristensaison Arbeit als Kellner. Also sei er im Winter in die Schweiz gekommen, um gebrauchte Autos zu kaufen und in Italien zu verkaufen.

Ja, er habe Drogen gekauft. Für einen albanischen Bekannten, der Dejan im Gegenzug das Auto auslieh. Aber als er Albion an die zwei Treffen mit dem verdeckten Fahnder gefahren habe, habe er nicht gewusst, dass Albion mit Kokain dealen wollte. «Er sagte mir, er wolle schnell aussteigen, um etwas zu trinken zu besorgen.»

Das (noch nicht rechtskräftige) Urteil heisst für beide Beschuldigte: Gefängnis wegen Drogenhandels und rechtswidriger Einreise. Albion muss zwei Jahre und einen Monat, Dejan zweieinhalb Jahre absitzen. Danach werden beide während zehn Jahre des Landes verwiesen.

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