Der Gemeinderat von Leutwil ist wieder komplett, und die Gmeind hat beim zweiten Anlauf das Budget 2019 angenommen. Für weiteren frischen Wind soll jetzt auch der Einwohnerverein «Lüpu Plus» sorgen. «Wir wollen das Dorf verbinden, zusammen etwas erreichen», sagt der künftige Präsident des Vereins, Matias Baumann. Der 27-jährige Landwirt ist im Dorf kein Unbekannter: Er befreit im Winter jeweils die Strassen von Schnee und Eis.

Leutwil hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Nach den Gesamterneuerungswahlen 2017 sind sämtliche Gemeinderäte zurückgetreten – abgesehen von Frau Gemeindeammann Monika Müller (parteilos). Zudem reichten auch drei Angestellte der Verwaltung ihre Kündigung ein, unter anderem die langjährige Gemeindeschreiberin.

Die Vorwürfe an die Frau Gemeindeammann waren happig. Sie würde Leute vergraulen, die Zusammenarbeit mit ihr sei schwierig. Müller ihrerseits sprach von Mobbing gegen ihre Person. Zudem lehnte die Gmeind im November das Budget 2019 mit einer Erhöhung des Steuerfusses um vier Prozentpunkte auf 121 Prozent und einem Verlust von 313 000 Franken ab.

Vor zehn Tagen ist nun wieder etwas Ruhe eingekehrt im Dorf: Die Leutwiler wählten am 10. Februar vier neue Gemeinderäte. Und vergangene Woche segnete der Souverän die Steuererhöhung mit einem etwas reduzierten Minus von 235 350 Franken ab.

«Zeit für positive Nachrichten»

Der neue Einwohnerverein «Lüpu Plus» möchte diesen Schwung jetzt nutzen. «Es ist Zeit für positive Nachrichten aus unserem Dorf», sagt Mitinitiator und neu gewählter Vize-Ammann Rudolf Sturzenegger (parteilos). Er gehört zusammen mit Markus Haller und Philippe Bujard zum Gründungskomitee des Vereins.

Schon im August 2018 sei die Idee entstanden, den in den 90er-Jahren aufgelösten Einwohnerverein wiederzubeleben, sagt Sturzenegger. Also vor den Wirren um die Exekutive und das Budget. Aber: «Jetzt ist sicherlich ein guter Zeitpunkt für die Vereinsgründung.»

«Für das Dorf schaufle ich mir gerne Zeit frei»: Matias Baumann (rechts) ist der zukünftige Präsident des Einwohnervereins «Lüpu Plus»

«Für das Dorf schaufle ich mir gerne Zeit frei»: Matias Baumann (rechts) ist der zukünftige Präsident des Einwohnervereins «Lüpu Plus»

Zwar habe das Dorf ein reiches Angebot an Vereinen, sagt Sturzenegger. «Aber wir spannen den Bogen über alles – sei es Kultur, Politik oder gesellschaftliche Themen.» So ist im April, sobald der Entwurf für die revidierte Bau- und Nutzungsordnung (BNO) spruchreif ist, ein Infoanlass über die für gewöhnlich komplizierte Vorlage geplant.

Aber auch kulturell möchte der Verein etwas bieten: So findet Ende Juli eine Jugenddisco statt oder im November eine Multimedia-Show über die Kanada-Reise vom Egliswiler Weltenbummler Edi Aschwanden. Und im Januar 2020 können sich die Leutwiler im Weihnachtsbaum-Werfen messen. «Wir organisieren für alle etwas», sagt Sturzenegger. Er stellt aber klar: «Die anderen Vereine im Dorf wollen wir nicht konkurrenzieren, sondern mit ihnen zusammenarbeiten.»

Junge Leute am Ruder

Dass weder Sturzenegger noch die zwei anderen Initiatoren die Führung des Einwohnervereins übernehmen, sei von Anfang an klar gewesen. «Wir suchten explizit nach jungen Leuten für den Vorstand, was uns glücklicherweise auch gelungen ist.» Neben dem Präsidenten Matias Baumann sind auch Aktuar Patrick Suter und Kassier Chris Müller unter dreissig Jahre alt.

Revisor ist Claude Spirgi, der Bruder des frischgebackenen Gemeinderatsmitgliedes Lukas Spirgi. Am Donnerstag findet die Gründungsversammlung statt. Matias Baumann freut sich auf das Amt, auch wenn er schon viel um die Ohren habe. «Aber für das Dorf schaufle ich mir gerne Zeit frei.»