Vielleicht schlummern sie in einer Ecke im Dachstock, vielleicht sind sie in alten, staubigen Kisten versteckt, vielleicht aber sind sie auch nur noch in Erinnerungen präsent: Geschichten aus dem Dorf Bottenwil. Geschichten, welche vielleicht bald in Vergessenheit geraten würden, will Beat Hügli jetzt sammeln. Den Bottenwiler kennt man im Dorf, ist er doch in fünf örtlichen Vereinen dabei und hat sein Büro im Gemeindehaus. Er ist gelernter Lithograf und besitzt seit 1998 seine eigene Medienagentur. Vor zwei Jahren hat er zudem Wanderrouten im Uerkental virtuell zugänglich gemacht. Und jetzt hat Beat Hügli ein neues Projekt, das er ebenfalls online umsetzen will. Zwar sitzt er schon seit einigen Jahren dran, aber er wollte sich Zeit nehmen für die Planung, Zeit nehmen für die Information an die Bevölkerung.

Am Anfang war das Haus

Angefangen hat alles mit dem Haus der Familie Hügli im Gebiet Schäfern. Vor rund zehn Jahren hat es die Familie zum ersten Mal gesehen. Es war heruntergekommen, Wäsche hing noch an der Leine, das Bad war eingelassen, offene Briefe lagen auf dem Tisch. Es sah aus, als wäre es erst gerade verlassen worden – nur, dass sich bereits eine Staubschicht angesammelt hatte. Das Haus gehörte einer alten Frau, die offenbar ins Altersheim gehen musste.

Die Hüglis wollten das Haus kaufen und liessen sich dafür auf ein Hin und Her mit dem Kanton ein. Denn dieser sagte, dass das Haus mit Baujahr 1807 kaum mehr zu retten sei, vielmehr sei es reif für den Abbruch. Hüglis konnten den Kanton überzeugen, dass dem nicht so ist. Ein Jahr lang wurde das Haus umgebaut und entstanden ist eine kleine Oase mit viel Platz für Hüglis vier Kinder, für zwei Esel, Hund und die seltenen Hühner der Rasse Appenzeller Spitzhauben.

Dieses Haus brachte Beat Hügli auf eine neue Idee: Er will die Bottenwiler Dorfchronik erweitern. «Das alte Haus brachte mich auf den Gedanken, wie es in Bottenwil vor 800 Jahren ausgesehen hat.» Im Jahr 1189 wird das Dorf zum ersten Mal erwähnt, das zeigen Quellen aus dem Kloster Muri. Hügli will wissen, wie es damals ausgesehen hat im Dorf, wo welche Häuser standen.

Ein dickes Buch sei geplant, könnte man meinen, doch dem ist nicht so: «Dass ein Buch daraus entsteht, ist nicht auszuschliessen. Aber es geht mir nicht um Ruhm oder Ehre oder darum, ein Buch zu schreiben», sagt Beat Hügli. Denn eigentlich will er eine Karte erarbeiten, auf der man anhand eines Zeitbalkens online bis ins Jahr 1189 zurückfahren kann. Dabei wäre dann ersichtlich, wie sich das Dorf über all die Jahrhunderte verändert hat. Und man kann mit einer Bewegung zurück auf Feld eins, zurück in die Zeit, in der Bottenwils erste Stunde geschlagen hatte.

Bis vor 200 Jahren wäre auch Beat Hüglis Haus in der Schäfern auf dieser Karte. Es ist eines der älteren Häuser in Bottenwil. Noch älter ist der ehemalige Gasthof Bären, der das Baujahr 1792 schreibt. «Ich mache das aus eigenem Antrieb, denn ich finde es wichtig, dass man seine eigenen Wurzeln kennt», sagt Beat Hügli. Manchmal wisse man mehr über Amerika als über das eigene Dorf.

Aufruf: Dachstöcke durchwühlen

Beat Hügli will nun an einem Informationsabend die Bevölkerung über sein Vorhaben aufklären. Er ist auf der Suche nach alten Dokumenten, Postkarten, Zeitungsausschnitten, Büchern oder mündlich überlieferten Geschichten, mit denen er den Zeitbalken erarbeiten kann. Einiges hat er schon bekommen. Er ruft die Bevölkerung auf, die Dachstöcke zu durchwühlen und alte Kisten zu durchforsten und geschichtliche Dokumente an ihn zu übergeben. «Alles wird digitalisiert und damit auch unseren Nachfolgern zur Verfügung gestellt», sagt er.

Bekommen hat er auch schon rund 30 Postkarten aus Bottenwil aus der Sammlung seines Vaters. Diese zeigen die letzten rund 100 Jahre der Dorfgeschichte. Doch Beat Hügli will noch weiter zurück in die Geschichte, aber er will es gemächlich angehen: Für das Projekt hat er sich eine Zeitspanne von zehn Jahren gesetzt.

Informationsabend: 25. April um 20 Uhr im Gemeindesaal in Bottenwil. Wer bereits Unterlagen oder Informationen zur Dorfgeschichte von Bottenwil hat, kann sich bei Beat Hügli melden:
062 797 97 97 oder info@webpark.ch