Entspannt sitzt David Bolliger mit seiner Frau Conni auf der Terrasse ihrer Wohnung in Moosleerau. Zwischen ihren Füssen flitzt Hund Vilson herum. Der Kriminalpolizist feiert dieses Jahr sein Comeback im Seitenwagen-Motocross. 

Der 31-Jährige fuhr 2011 seine erste offizielle Saison, damals noch mit einem anderen Teamkollegen. Drei Saisons absolvierte er unfallfrei und erfolgreich mit diversen nationalen Podestplatzierungen.

In den darauffolgenden zwei Jahren verliess ihn das Glück ein wenig, er verletzte sich zweimal an der Hand und konnte die Saisons nicht wie gewünscht beenden. Der 31-Jährige verabschiedete sich 2015 vom Motocross und wandte sich zwei Jahre lang dem Gokartfahren zu.

«Fast wie eine Sucht»

Doch wieso die Rückkehr zum Motocross? «Man kann sicherlich sagen, dass ich das Fahren vermisst habe. Motocross ist fast schon eine Sucht. Es ist schön, schnell und dreckig.» Bolliger fährt mit einem Beifahrer, in der Szene auch «Plampi» genannt.

Der Team-Kollege von früher, ist nicht mehr aktiv. Deswegen musste er sich auf die Suche nach einem neuen Kollegen machen. Zu Meinrad «Meiri» Schelbert als neuen Beifahrer kam er zufällig.

«Man kennt sich in der Szene und ich wusste, dass er als Aushilfsfahrer unterwegs war. Also habe ich ihn letztes Jahr angefragt, ob er Lust hätte, mit mir das Rasenrennen in Walde zu fahren.»

Die beiden traten ohne grosses Training an und konnten den Gesamtsieg nach Hause fahren. «Dann haben wir uns entschieden, dass wir es zusammen wissen wollen», erklärt Bolliger grinsend.

Doch wieso gerade Motocross mit Beiwagen? «Ich komme aus Schmiedrued, das ist fast schon eine Hochburg für Seitenwagen.» Ein weiterer Punkt sei der Teamgedanke. «Ich muss mich zu 100 Prozent auf Meiri verlassen können und er sich auf mich. Ohne den jeweils anderen könnten wir das Rennen nicht bestreiten. Wir haben eigentlich fast schon eine zweite Beziehung.»

Erstes Rennen in Frauenfeld

Das erste Rennen der Saison haben sie schon zusammen in Frauenfeld bestritten. Als nächstes steht dieses Wochenende Wohlen an. Das Team möchte sich bei der Schweizer Meisterschaft in den Top 3 platzieren. Zudem haben sie sich die Qualifikation für einige Weltmeisterschaftsrennen als Ziel gesteckt.

Der Sport ist für Bolliger und Schelbert zeitlich und finanziell sehr aufwendig. «Von Februar bis April trainieren wir eigentlich jedes Wochenende in Italien oder Frankreich. Dann heisst es für uns: Montag bis Freitag arbeiten. Wohnmobil und Anhänger beladen und am Wochenende trainieren.»

Die Fahrt ins Ausland ist nötig, da es in der Schweiz fast keine Trainingsstrecken gibt. Immer mit dabei, ein bis zwei Mechaniker und die Frauen der Fahrer, wenn es zeitlich machbar ist.

Frau fiebert mit

Bolligers Frau Conni unterstützt ihn voll: «Durch ihn ist Motocross auch für mich zum Hobby geworden, ich bin gerne überall dabei, wenn ich kann.»

Immer möglich ist das für Conni Bolliger leider nicht, denn als Krankenschwester arbeitet sie im Schichtbetrieb. «Wenn ich bei einem seiner Rennen nicht dabei sein kann, bin ich immer froh über Updates, ich sitze dann wie auf Nadeln.»

Motocross als Ausdauersport

Wenn das Team nicht gerade im Ausland auf der Rennstrecke trainiert, steht für Bolliger und Schelbert Konditionstraining auf dem Plan. «Viele wissen nicht, dass Motocross zu den anstrengendsten Ausdauersportarten gehört. Nur weil es motorisiert ist, heisst das nicht, dass wir auf der Maschine nicht fit sein müssen.»

Auch finanziell legen die Fahrer bei ihrem Hobby viel drauf. «Eine Saison kostet uns 30 000 bis 50 000 Franken. In der Schweiz kann man von diesem Sport leider nicht leben.»

Dank Sponsorenbeiträgen und Mechanikern, die unentgeltlich arbeiten, sei es für sie überhaupt möglich, ihr Hobby zu betreiben. «Wir sind sehr dankbar für Unterstützung, auch an den Rennen. Die Leute feuern uns dabei an, wenn wir einfach nur unserem Hobby nachgehen.»