Noseland? Was für einige, vor allem künstlerisch Tätige, bereits Kult ist, ist für andere ein rotes Tuch. Dabei ist’s schlicht eine grüne Wiese zwischen zwei Waldrändern am Eingang ins Ruedertal. Bruno Schlatter hat die gut 2100 Quadratmeter Land geerbt, zusammen mit der Hälfte des Hauses unten an der Ruederstrasse. Für ihn war klar: «Ich will etwas machen aus dem Erbe.»

2008 sei Bruno Schlatter nach der Jubiläumsausstellung in Aarau, die Blackbox für seine Kulturfirma Nosenoise veranstaltet hat, in ein Loch gefallen. Was tun? «Es gab neue Staaten, Kosovo zum Beispiel», sagt er, und die Idee war geboren: einen eigenen Staat gründen. Und zwar «einen wohl regierten Staat» zugunsten von Mensch und Natur, dem nur eines fehlt: die permanente Bevölkerung. Land hat er, und auch eine Staatsform. Noseland als «anarchistische Monarchie».

König Bruno der Erste und Letzte von Noseland, ein Anarchopunk? «Man hat mich auch schon Grauzonenkünstler genannt», schmunzelt er. Ein Spieler mit Fantasie, einerseits in den Wolken, anderseits ganz geerdet, wenn er mit dem Velo unterwegs ist oder an Anlässen auf Noseland den Gästen einen Käse kredenzt, den er selber auf der Alp Mastweid im Emmental hergestellt hat.

Bruno Schlatter bloggt

Auf noseland.ch sind die Dutzende von Veranstaltungen aufgelistet, die in den vergangenen zehn Jahren auf Noseland durchgeführt wurden. Filmisches, Landart, Musikalisches, Literarisches, Kulinarisches, Performances, Fotografie, Sportliches sogar, und das mit bekannteren und unbekannten Akteuren und Aktricen. Teils mit internationaler Beteiligung, denn König Bruno ist auch im Ausland, beispielsweise in Südtirol, wohl bekannt. Und in den sozialen Medien vor allem als Blogger sehr aktiv. Influencer? Er wills nicht leugnen.

«Noseland» ist ein Gesamtkunstwerk», sagt Bruno Schlatter. Ein Staat vereinige und ermögliche alles, auch dank seiner Permanenz. Für Aufsehen gesorgt hat das Projekt «Überleben» mit Martin Gut, der eine Novemberwoche mit nichts auf Noseland verbracht und es in die Boulevardmedien gebracht hat. Auch der Sieg vor Gericht jüngst wegen einer Nacktperformance brachte Noseland ins Gespräch.

«Eine Art Welttheater»

«Das Handeln und Wirken rund um Noseland ist für mich eine Art abstrakte Form – oder auch ganz konkrete – des Schreibens: es wird nicht geschrieben, sondern gespielt, eine Art Welttheater», sagt Bruno Schlatter. Das Schreiben tauche dann in einzelnen Schriftstücken, Fabeln, Märchen, was auch immer, auf.

Mit Überraschungen ist zu rechnen: Wann wird er uns aufzeigen, wie Bruno I. mit dem Habsburger Herzog Friedrich mit der leeren Tasche, dem Sohn Leopolds III., der bei der Schlacht bei Sempach gefallen ist, verbandelt ist?

Und wie steigt König Bruno I. in das zweite Dezennium? «Entschleunigen», meint er. Die Frequenz der Ausstellungen und Veranstaltungen etwas zurückfahren. Auch eine Frage der Finanzen. Weiterhin verleiht er jährlich einen Kunstpreis aus der eigenen Tasche und lädt Kunstschaffende seiner Wahl zu einem wöchigen Staatsbesuch nach Noseland, um «mit mir zu arbeiten». Ein Privatmäzen ermöglicht dies.

Tinu Heiniger mit 1.-April-Rede

Am 1. April, das ist ein Montag, lädt König Bruno zu «10 Jahre Noseland» in sein Reich. Der Musiker Tinu Heiniger wird ab 19 Uhr nicht nur Lieder zum Besten geben, sondern auch eine 1.-April-Rede halten.

Vor kurzem gab eine Nackt-Performance in Noseland zu reden:

«Nudeland»-Prozess: Die Beteiligten treffen am Bezirksgericht Kulm ein

«Nudeland»-Prozess: Die Beteiligten treffen am Bezirksgericht Kulm ein (Beitrag vom 14.1.2019)

Das Bezirksgericht Unterkulm entscheidet heute Freitag über eine Nackt-Performance im Aargauer «Königreich Noseland»: War der Auftritt Kunst oder Erregung öffentlichen Ärgernisses?