Seit Montag ist die Nationalbahnstrecke zwischen Zofingen und Suhr vorübergehend stillgelegt. Bis zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember verkehren hier keine Personenzüge mehr.

Trotzdem ist es alles andere als still. Auf und neben den Gleisen herrscht ein emsiges Treiben in Orange. Die Bauarbeiten sind in vollem Gange, die Zeit drängt. Während der sechs Monate Bauzeit werden nicht nur Fahrleitungen und Geleise ersetzt, es müssen auch Perrons und zusätzliche Ausweichgeleise neu gebaut, Unterführungen saniert sowie Stellwerke und Signale angepasst werden.

Die neue Infrastruktur ist nötig, damit die S28 zwischen Lenzburg und Zofingen ab Fahrplanwechsel durchgehend bis 20 Uhr im Halbstundentakt verkehren kann. Denn die Strecke wird nicht nur von Personenzügen befahren, sie ist auch wichtiger Durchgangsweg für Güter. «Da muss man aneinander vorbeikommen, deshalb die neuen Kreuzungsgleise wie hier in Kölliken oder in Hunzenschwil», sagt Roger Zeier, Leiter Intervalle Region Mitte bei den SBB, anlässlich einer Medieninformation.

Bessere Zugverbindungen ab Zofingen

Bessere Zugverbindungen ab Zofingen

Die SBB baut fleissig ihre Infrastruktur aus. Im Dezember sollen Züge von Zofingen nach Suhr im Halbstunden-Takt verkehren.

Während der Bauzeit werden die Passagiere zwischen Zofingen und Suhr in Bussen befördert. Das ist zwar umständlicher, dafür können die Reisenden schon mal den Halbstundentakt ausprobieren. Für die SBB hingegen ergeben sich aus der Sperrung eine Menge Vorteile: «So können wir die Arbeiten sehr konzentriert und ohne Unterbruch ausführen», sagt Zeier. Eine Gegenüberstellung machts deutlich: Wenn die Gleisbauer nur nachts arbeiten könnten, würde der ganze Umbau zwölf statt nur sechs Monate in Anspruch nehmen. «Auch das Betriebsrisiko, etwa dass die Züge wegen eines Zwischenfalls am Morgen nicht wieder fahrplanmässig verkehren können, ist viel geringer», so Zeier. Zudem würden die Anwohner auf diese Weise weniger durch Lärm belastet. Zwar sind die Maschinen tagsüber nicht leiser, der Lärm geht aber in den Alltagsgeräuschen eher unter und wird deshalb als weniger störend empfunden. Unter dem Strich bedeute die Sperrung auch eine Kosteneinsparung von rund 1,6 Millionen Franken. «Steuergelder», sagt Zeier, «die woanders eingesetzt werden können.»

Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 68 Millionen Franken, davon bezahlen der Kanton Aargau rund 19 und die Gemeinden 7 Millionen Franken. «Die entsprechenden Budgets sind an den Gemeinde-, respektive Einwohnerratsversammlungen alle gut durchgegangen», sagte Maurus Büsser, Generalsekretär des Departements Bau, Verkehr und Umwelt, und macht aus seiner Freude keinen Hehl.

Etwas verhalten dürfte die Freude bei den Bauarbeitern sein – zumindest was den Zeitpunkt des Baubeginns betrifft. Die Männer in Orange müssen heuer nämlich auf ihre Sommerferien verzichten. Doch ist der Start der Arbeiten weder zufällig gewählt noch steckt böser Wille dahinter. «Wir haben die Sperrung so gelegt, dass die Leerung der Sondermülldeponie Kölliken noch abgeschlossen werden konnte», erklärt Zeier. «Das Auffüllen der Deponie beginnt, wenn wir hier fertig sind.»

Ein Extrazügli im wahrsten Sinne des Wortes fahren die Autozüge der Emil Frey AG Safenwil: Vier mal pro Woche verkehren sie nach 19 Uhr zwischen Zofingen und Safenwil – im Schneckentempo und mit örtlicher Bewachung der Bahnübergänge in Küngoldingen und Safenwil durch Angestellte einer Sicherheitsfirma.