Eigentlich verlief das vergangene Geschäftsjahr der Wynental- und Suhrentalbahn AG (WSB) in vielen Bereichen sehr erfolgreich, doch Verwaltungsratspräsident Kaspar Hemmeler legte an der Aktionärsversammlung in Gontenschwil den Finger auch auf den wunden Punkt: Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, insbesondere der Lokführer, hat abgenommen. Dies war deutlich geworden, als Anfang Juni ein Lokführer sich krank meldete und deswegen zwei Züge ausfielen: Die WSB leidet unter Personalmangel, der Sollbestand der Lokführer ist nicht erfüllt.

«Das ist uns nicht gleichgültig», sagte Kaspar Hemmeler und betonte: Nach dem Vorfall sei von Seiten der Kunden keine einzige Reklamation eingegangen. Allerdings hat der Schweizerische Eisenbahn- und Verkehrspersonalverband (SEV) Kritik geübt. Im ersten Anlauf sei es nicht gelungen, den Firmenarbeitsvertrag (FAV) anzupassen, sagte Hemmeler. Der überarbeitete und verbesserte Vertrag ist nun aber seit dem 1. Januar 2015 in Kraft. «Auch im Branchenvergleich bieten wir nun gute Arbeitsbedingungen an.» Zudem werde die Ausbildung verstärkt. Hemmeler stellte klar: «Die WSB befindet sich in Konkurrenz zu besser zahlenden Bahnen und anderen Branchen.» Die berufliche Situation der Lokführer sei insgesamt angespannt.

«Die WSB will ein guter und verlässlicher Arbeitgeber sein», sagte der VR-Präsident. Um dies zu unterstreichen, fügte er hinzu: «Den Erlös von 790 000 Franken aus einem Aktienverkauf haben wir für Rückstellungen in der Pensionskasse verwendet.» Seit dem Jahr 2006 habe die WSB 9 Millionen Franken in die Pensionskasse investiert. Der Deckungsgrad der Pensionskasse sei auf 99,75 Prozent verbessert worden.

Fast sechs Millionen Fahrgäste

Die WSB hat im vergangenen Jahr 5,8 Millionen Fahrgäste befördert. Wegen des kürzeren Fahrplanjahres sind das insgesamt etwas weniger als im Vorjahr. Pro Tag hatte die WSB durchschnittlich 16 000 Passagiere. «Langfristig rechnen wir im Grossraum Aarau mit weiteren Verdichtungen im Fernverkehr», sagte Hemmeler. «Das hat auch Auswirkungen auf die WSB. Das Angebot wird weiter wachsen müssen.»

«Der Personalbestand hat in den letzten 15 Jahren um 30 Prozent zugenommen», erklärte Mathias Grünenfelder. Umsatz und Angebot hätten sogar um 50 Prozent zugelegt. Und überproportional, so Grünenfelder, war die Fahrgastentwicklung mit einem Plus von 75 Prozent. «Wir sind effizienter unterwegs als noch vor 15 Jahren», sagte der WSB-Direktor.

Bei der Sanierung der Bahnübergänge hält die WSB den Fahrplan ein. «Die Plangenehmigungsverfahren für die Bahnübergänge sind fristgerecht eingereicht worden», erklärte Grünenfelder. Die Verbesserung der Abschnitte ohne eigenes Trassee in Unterkulm, Oberentfelden und Teufenthal würden zusammen mit dem Kanton konsequent weiterverfolgt.» Weitere Projekte betreffen den Ausbau des Bahnhofs Zetzwil, den Ausbau des WSB-Bahnhofs Aarau sowie Investitionen in neues Rollmaterial. Ein Indiz dafür, dass die Investitionen in die Sicherheit etwas bringen, ist die Zahl der Unfälle. Mit 12 Kollisionen waren es nur noch halb so viele wie im Vorjahr.

Ausserordentlicher Gewinn

Das Geschäftsjahr 2014 weist einen ausserordentlichen Gewinn von 3,3 Millionen Franken aus. Dieser müsse aber relativiert werden, sagte Kaspar Hemmeler. Er ist nicht so sehr operativ, sondern buchhalterisch bedingt, indem Reserven für nicht aktivierbare Investitionen aufgelöst wurden.

Die Generalversammlung im Löwen Gontenschwil beschloss alle Anträge einstimmig. Darunter auch die Statutenänderung, mit der die Public Corporate Governance-Richtlinien des Kantons nachvollzogen werden. «Die Aktionärsdemokratie wird ausgebaut», sagte Hemmeler. Die Kompetenzen der Generalversammlung würden gestärkt. Das Aktionariat der Wynental- und Suhrentalbahn AG verteilt sich wie folgt: Kanton Aargau 43 Prozent, Bund 35, Gemeinden 20, Private 2 Prozent.