Wenn man heute alles, auch Lebensmittel, nach Hause bestellen kann, warum nicht den ofenfrischen Sonntagszopf? Das hat sich der 27-jährige Schöftler Luca Baumgartner gefragt. Zumal er ein Liebhaber des Sonntagszopfs ist. «Ich mag vor allem den Speckzopf», sagt er, «habe aber oft keine Lust, am Sonntagmorgen aus dem Pyjama zu steigen und in die Bäckerei zu gehen.»

Als der junge Marketingmanager auf der Suche nach einem einschlägigen Lieferdienst nicht fündig wurde, abgesehen von «Brunchbutler», der ganze Frühstücke liefert und vorab im Grossraum Zürich und Zug aktiv ist, war ihm klar: «Ich muss es selber versuchen.» Dass er nicht der Einzige ist, der einen solchen Service schätzen würde, hat er bei seinen Marktabklärungen, da ist er Marketingfachmanns genug, gemerkt. «Ich habe einige 100 Flyer verteilt», sagt er. Darin hat er ein Begrüssungsgeschenk versprochen. Gut 60 Personen werden an den nächsten Sonntagen überrascht.

Ab heute Sonntag ist auch die Website www.zopfpost.ch aktiv. Man kann da bis Samstagmittag Zöpfe diverser Machart und Grösse bestellen: Butterzopf, Speckzopf, Dinkelzopf. Die Bequemlichkeit hat natürlich ihren Preis, dafür wird ein klassischer Butterzopf von 500 Gramm Gewicht für 11.90 Franken direkt vor die Haustüre geliefert, und zwar zwischen acht und zehn Uhr: «Wir klingeln kurz und sind wieder weg.» Beliefert werden Kunden aus den Gemeinden Schöftland, Holziken, Muhen, Hirschthal und Staffelbach.

Sonntagszopf-Lieferservice

Sonntagszopf-Lieferservice

Ein Aargauer Jungunternehmer bringt den Zopf zu all jenen, die an den Wochenend-Morgen am liebsten in den eigenen vier Wänden bleiben.

Drei Bäckereien aus der Region hat der Jungunternehmer genauer angeschaut. Nun arbeitet er mit der Schöftler Bäckerei Mathys zusammen. Dass er die entsprechenden Kapazitäten hat, bewies Jürg Mathys, als er vor einer guten Woche für die Bankversammlung 650 Zöpfe backte und verpackte. «Es mussten alle arbeiten, und zwar in zwei Schichten», erklärt Mathys. Natürlich zählt er weiterhin auf die Leute, die am Sonntagmorgen in den Laden kommen, mit der Zopfpost kann er sich vielleicht eine weitere Kundschaft erschliessen. «Ich finde auch die Idee des Jungunternehmers unterstützenswert», meint Jürg Mathys. Zusammen mit der Bäcker-Fachschule setzt er sich bereits damit auseinander, wie man einen glutenfreien Zopf herstellen kann.

Für Luca Baumgartner ist die Zopfpost vorderhand Hobby. «Niemand hat eine Ahnung, obs hinhaut», sagt er. Die einen fänden es eine Superidee; andere sagten, er spinne doch: Wer bezahle schon fünf Franken mehr als im Laden? «Ich ziele genau auf die Kundschaft, die diesen Mehrpreis zu bezahlen bereit ist, wenn sie dafür nicht aus dem Pyjama steigen muss», sagt er.

Auf der Website können Interessierte die Postleitzahl ihres Wohnorts eingeben. Existiert ausserhalb von Schöftland und Umgebung ein genügend grosses Interesse ist an eine Expansion zu denken – dies die Vision Baumgartners. Das würde heissen, dass andere Bäckereien zum Zuge kämen und auch die Verteilung neu organisiert werden müsste. «Brugg beispielsweise könnte nicht von Schöftland aus bedient werden», sagt er. Noch ist es nicht so weit. Der Name «Zopfpost» jedenfalls liegt beim Institut für Geistiges Eigentum; Baumgartner will ihn für sich sichern. Und die Domaine «gipfelipost.ch» hat er vorsorglich reserviert.