Schöftland

«Züchter sind nicht wie Fussballfans»

Anton Meier ist Richter fürs Geflügel an der kommenden Talschaftsausstellung.

Anton Meier ist Richter fürs Geflügel an der kommenden Talschaftsausstellung.

Anton Meier ist Richter fürs Geflügel an der kommenden Talschaftsausstellung. Dabei gewährt er Einblick in das Psychogramm der Züchter.

Die Hühner draussen auf der Wiese in Sursee tönen ein bisschen wie beleidigte Kinder. Aber so tönen alle Hühner. Nicht nur diese hier, preisgekrönte Zuchttiere der alten Wyandotten-Rasse aus den USA.

Anton Meier hat seine 12 Tiere für die kommende Ausstellung zurechtgemacht: Er hat die Läufe gewaschen und das Gefieder von Staub und Schmutz befreit. Denn morgen Samstag sollen sie die Richter mit ihrer Schönheit beeindrucken.

Anton Meier ist Präsident des Schweizerischen Wyandotten-Züchterklubs, der dieses Jahr zu Gast ist an der Talschaftsausstellung der regionalen Kleintierzüchtervereine in Schöftland.

Augenfarbe, Brustbein, Federfarbe

Anton Meier ist nicht nur Präsident und seit 35 Jahren Wyandotten-Züchter – er ist seit 10 Jahren auch einer der nur 45 Schweizer Geflügel-Richter.

Er wird am Samstag an der Talschaftsausstellung seinen weissen Mantel anziehen und ausgerüstet mit Stift und Formular von Box zu Box schreiten, die Hühner herausnehmen und «Vorzüge», «Wünsche» und «Mängel» notieren.

Hat der Schwanz die ideale Länge?

Er wird sie auf Brustbeinform und Federfarbe prüfen, ob die Augenfarbe richtig ist, der Schwanz die ideale Länge hat, keine Feder am Flügel fehlt und sie keine krummen Zehen haben. Dies wären allesamt grobe Fehler und das Huhn würde vom Wettbewerb ausgeschlossen.

Ist die Hennen- und Hahnschönheit hingegen vollkommen, notiert er ein HV, für «hervorragend». Zwischen 90 und 97 Punkten kann ein Tier machen. Warum die Skala von 90 bis 97 geht, weiss niemand mehr.

Präsentiert wird immer ein Hahn zusammen mit zwei Hennen – ein so genannter Stamm. Anton Meier muss aus 70 Hühnern die schönsten Stämme auswählen. HV bedeutet 96 Punkte und nur ein oder zwei Stämme kriegen am Ende 97 Punkte.

«Manchmal flucht einer ein wenig»

Die Wyandotten wird Meier nicht beurteilen, da er selbst ausstellt. Eine Aufnahmeprüfung und eine fast vierjährige Ausbildung musste Meier bestehen, um Richter zu werden. «Am Morgen vor einer Show bin ich schon etwas aufgeregt», sagt er, «ich muss es ja richtig machen.»

Dennoch gebe es wenig Reklamationen. «Das Urteil wird meist akzeptiert, manchmal flucht einer ein wenig. Kleintierzüchter sind nicht wie Fussballfans, die einander nach einem Schiri-Entscheid verprügeln.»

Seine Wyandotten, die sonst täglich auf der Wiese scharren, dürfen heute nicht raus in den Dreck. Und der Hahn darf nicht mehr zu seinen Damen, weil seine Annäherungsversuche die Hühnerrücken zerzausen.

Dafür betupft Meier seinen Tieren das Gefieder und die Füsse ein bisschen mit Öl, damit sie schön glänzen. Vielleicht rufen sie dann wieder leise – und ein bisschen beleidigt.

Die Talschaftsausstellung findet am 27. und 28. November in der alten Turnhalle in Schöftland statt. Es sind 500 Hühner und Kaninchen zu sehen.

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