Unwetter im Aargau
Zivilschützer schuften für Unwetteropfer - wir geben sechs der Helfer ein Gesicht

Tag 3 nach dem verheerenden Unwetter: Es gibt noch immer viel zu tun. An vorderster Front mit dabei: die Zivilschützer. So hat etwa die Zivilschutzorganisation Wettingen-Limmattal 20 Personen ins Uerkental geschickt. Sie unterstützten die 35 Angehörigen des Bevölkerungsschutzes Suhrental-Uerkental. Was den Zivilschützern an ihrem Notfalleinsatz gefällt, was sie stresst – unsere grosse Umfrage zeigt es. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie.

Larissa Hunziker
Merken
Drucken
Teilen

AZ
Ronald Rickenbacher, 32, Brunnen SZ, Kommandant ZSO Wettingen-Limmattal Wir von der Zivilschutzorganisation Wettingen-Limmattal wurden zur Unterstützung der ZSO Suhrental-Uerkental aufgeboten, da zu wenige Leute auf Platz sind. Unsere Leute haben wir gestern aufgeboten, heute um 7:45 Uhr waren sie da. Sie leisten immer 48 Stunden-Schichten. Vermutlich sind wir bis Freitag hier. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man weiss, dass man den Leuten hier helfen kann. Ich habe als Berufsmilitär schon solche Einsätze erlebt, beim Zivilschutz aber noch nie. Meine Aufgabe ist es auch, die Chefs der Aufgebotenen etwas zu beruhigen. Als Chef kann man eigentlich nichts gegen das Aufgebot des Angestellten machen. Wir sind zuversichtlich, dass wir alles schaffen werden.
6 Bilder
Fabian Frey, 21, Würenlos, Automatiker Ich gehöre zum ZSO Wettingen-Limmattal. Heute Morgen bin ich angerückt. Mein Chef nahm es zur Kenntnis, dass ich vermutlich die ganze Woche fehlen werde. Was morgen genau ist, weiss ich aber noch nicht. Es ist mein erster derartiger Einsatz und momentan ist es recht ruhig, ich bin für das Material zuständig. Ich habe nicht mit einem Einsatz gerechnet, weil es bei uns zuhause schon auch geregnet hat, aber nicht in diesem Ausmass.
André Vogel, 34, Fulenbach, Storenmonteur im Familienbetrieb Am Sonntagnachmittag wurde ich aufgeboten, seit Montag bin ich hier. Ich arbeite in unserem Familienbetrieb, mein Vater hat aber vollstes Verständnis für meine Abwesenheit. Bei solchen Einsätzen gibt es keine Diskussion. Einen vergleichbaren Einsatz habe ich noch nicht erlebt. Schon Kleinigkeiten sind eindrücklich, etwa der Schlamm, der überall in den Häusern ist. Dieses Hochwasser schweisst aber auch alle zusammen, man hilft, wo man kann. Die Leute sind sehr dankbar und es kann auch mal gelächelt werden. Wir vom Zivilschutz sind auch sehr gut ausgerüstet und kommen deswegen gut voran.
Manuele Peter, 23, Safenwil, Logistiker Auch ich wurde am Sonntag aufgeboten und bin seit Montag hier. Ich werde wohl die ganze Woche noch hier bleiben. Ich habe erst vor kurzem meine Stelle angetreten und nun fehle ich schon. Mein Chef ist nicht begeistert, aber er akzeptiert es. Ich würde einerseits gerne arbeiten, andererseits finde ich unseren Einsatz hier sehr sinnvoll, da wir anderen Menschen helfen können. Das ist mein erster Einsatz in dieser Art. Ich war auswärts, als das Unwetter kam und habe deswegen nicht viel davon mitbekommen. Ich habe mir alles harmloser vorgestellt und bin erschrocken, als ich hier ankam. Man sieht, was Wasser alles anrichten kann.
Tobias Bertschi, 33, Kölliken, Landschaftsgärnter Ich bin Zugführer und seit Sonntagnachmittag im Einsatz. Ich feierte am Samstag gerade meinen Geburtstag, als ich aufgeboten wurde. Das Fest fiel dann schliesslich auch ins Wasser. Mein Chef ist auch nicht erfreut, dass ich mehrere Tage nicht zur Arbeit erscheine, aber das ist eine Verpflichtung, die zwingend ist. So einen Einsatz habe ich noch nie gehabt, man sieht, zu was die Natur fähig ist. Schön ist es aber zu sehen, wie bereitwillig alle helfen. Unter uns Zivilschützern herrscht absolut kein Motivationsproblem, alle wissen, wie sinnvoll ihr Einsatz ist. Die Bevölkerung ist uns dankbar, wo wir helfen, werden uns Kaffee und Süssigkeiten angeboten. Was mir sicher in Erinnerung bleibt, ist das Haus, welchem es die ganze Fassade abgerissen hat. Wir werden hier noch die ganze Woche im Einsatz sein.
Albin Seiler, 62, Küttigen, vollamtlicher Kommandant ZSO Suhrental-Uerkental Ich bin seit 20 Jahren Kommandant, aber so etwas habe ich noch nie erlebt, nicht einmal, als ich noch bei der Feuerwehr war. Seit Samstagabend bin ich im Einsatz und habe seither etwa insgesamt acht Stunden geschlafen. Die Bereitschaft aller ist unglaublich, auch als wir Freiwillige suchten, waren diese kurze Zeit später da. Am emotionalsten war sich der Einsatz, als wir Leute aus ihren Häusern in der Gefahrenzone evakuieren mussten. Die Leute waren froh, dass sie nicht mehr alleine waren und dass ihnen geholfen wurde. Ich brauche sicher ein paar Wochen zum Runterfahren nach diesem Einsatz.

Ronald Rickenbacher, 32, Brunnen SZ, Kommandant ZSO Wettingen-Limmattal Wir von der Zivilschutzorganisation Wettingen-Limmattal wurden zur Unterstützung der ZSO Suhrental-Uerkental aufgeboten, da zu wenige Leute auf Platz sind. Unsere Leute haben wir gestern aufgeboten, heute um 7:45 Uhr waren sie da. Sie leisten immer 48 Stunden-Schichten. Vermutlich sind wir bis Freitag hier. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man weiss, dass man den Leuten hier helfen kann. Ich habe als Berufsmilitär schon solche Einsätze erlebt, beim Zivilschutz aber noch nie. Meine Aufgabe ist es auch, die Chefs der Aufgebotenen etwas zu beruhigen. Als Chef kann man eigentlich nichts gegen das Aufgebot des Angestellten machen. Wir sind zuversichtlich, dass wir alles schaffen werden.

Larissa Hunziker