Zetzwil
«Viele haben keine Angehörigen mehr»: Stiftung Schürmatt will Freiwilligenarbeit ausbauen – weil Klienten der Kontakt fehlt

Zwischen 25 und 30 Personen engagieren sich derzeit freiwillig in der Stiftung Schürmatt. Das reicht aber nicht. Deshalb hofft die Stiftung auf mehr Helferinnen und Helfer.

Larissa Gassmann
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Nicht nur hier fehlen Helferinnen und Helfer: In 19 Gebäuden am Dorfeingang von Zetzwil betreut die Stiftung Schürmatt beeinträchtigte Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Nicht nur hier fehlen Helferinnen und Helfer: In 19 Gebäuden am Dorfeingang von Zetzwil betreut die Stiftung Schürmatt beeinträchtigte Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Michael Küng

Egal ob es sich um einen Ausflug mit einer Schulklasse, einen Atelierbesuch oder sportliche Anlässe handelt: Um die 25 bis 30 Personen engagieren sich derzeit freiwillig in der Stiftung Schürmatt. Nun soll das Angebot ausgebaut werden, wie es im Kommunikationsorgan «Schürmatt inklusiv» heisst.

Grund dafür sei unter anderem das steigende Alter der Klientinnen und Klienten. «Viele haben mittlerweile keine Angehörigen mehr und dadurch wenige Aussenkontakt», sagt Mediensprecherin Anja Schenk auf Anfrage. Dabei sei gerade dieser wichtig: «Wir sehen deswegen viel Potenzial in der Freiwilligenarbeit.» Derzeit bietet die Stiftung Ausbildungs-, Wohn-, Schul- und Arbeitsplätze für rund 580 kognitiv- und mehrfachbehinderte sowie entwicklungsverzögerte Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Im Einsatz stehen um die 480 Mitarbeitende. Selbst wenn diese ihre Sache gut machen, freuen sich die Klienten aufgrund der steten Routine über neue Gesichter und Ideen, so Schenk. Helfen könne hier etwa schon der gemeinsame Besuch in einem neuen Restaurant.

Erschwerend wirkt, dass während Corona keine Freiwilligenarbeit mehr möglich war. Dies sei für alle nicht leicht gewesen, zumal vereinzelte Helferinnen und Helfer nach dieser Zeit gleich ganz abgesprungen sind. «Jetzt erst recht», meint Schenk denn auch mit Blick auf den geplanten Ausbau. Möglich ist ein Engagement an fast allen 15 Standorten. Das grösste Ausbaupotenzial gebe es aber in Zetzwil, wo sich die meisten Wohnungen, die Heilpädagogische Schule und die Beschäftigung befinden. Dort könne man aus einem vielfältigen Angebot die Freiwilligenarbeit aussuchen, welche am besten zu einem passt, so Schenk. So oder so gibt es aber überall diverse Themengebiete. Diese reichen von Kunst, Sport oder Transport bis hin zu Administration.

«Uns ist es wichtiger, dass die Menschen mit Herzblut dabei sind»

Genaue Vorstellungen, wie viele Freiwillige sich dereinst engagieren sollen, habe man von Seiten Stiftung nicht. So steht Qualität vor Quantität. «Uns ist es wichtiger, dass die Menschen mit Herzblut dabei sind», so Schenk. Denn selbst wenn das Aufnahmeprozedere an sich nicht kompliziert sei, ist die Ausarbeitung des Vertrages mit Aufwand verbunden. So werden die verschiedenen Arbeitsmodelle auf die Freiwilligen zugeschnitten. Einige darunter würden wöchentlich vorbeischauen, andere sporadisch und wieder andere seien flexibel auf Abruf bereit.

Um das gesamte Angebot bekannter zu machen, arbeitet die Stiftung mit benevol, der Dachorganisation für freiwilliges Engagement, zusammen. So startet am 5. November bis 5. Dezember die Aktion «generation-f». Denn: «In jeder Generation hat es Menschen, die sich freiwillig betätigen können», so Schenk. Geplant sind etwa Flyeraktionen und ein Stand am Weihnachtsmarkt vom 24. bis 26. November. «Ziel ist es, die Freiwilligen mehr einzubinden und ihre Arbeit sichtbarer zu machen», so Schenk.

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