Jetzt ist es endgültig aus mit der Käsereigenossenschaft in Zetzwil. «In Liquidation», steht seit Kurzem im Handelsregister. Schon im März 2015 nahm die Käserei keine Milch mehr an. Die liefernden Milchbauern, zwei aus Zetzwil, zwei aus Oberkulm und einer aus Gontenschwil, mussten eine andere Lösung finden, um ihre Milch abnehmen zu lassen.

In die Liegenschaft der Käserei an der Hauptstrasse zog die Firma «Best Chef» ein, die Suppen und Saucen ohne Geschmacksverstärker herstellt. Auch die Dreizimmerwohnung im oberen Teil des Hauses wurde vermietet. Doch: Der Mietvertrag mit «Best Chef» war auf zwei Jahre befristet. Theo Mosimann, Präsident der Käsereigenossenschaft, sagte 2015: «Was nach Auslauf des Mietvertrags mit dem Gebäude passiert, steht in den Sternen.»

Käsereigebäude verkauft

Heute, vier Jahre danach, weiss Mosimann, was danach passierte. Auf Anfrage sagt er: «Die Käsereigenossenschaft bestand zuletzt noch aus fünf Mitgliedern. Da wir die Milchsammelstelle schliessen mussten, hatte das Käsereigebäude für uns keinen Zweck mehr», sagt der 68-Jährige. Also habe man versucht, die Liegenschaft zu verkaufen. «Erst an ‹Best Chef›, die hatten aber leider nicht die Mittel dazu. Auch andere lokale Gewerbe waren nicht interessiert.» Die Käsereigenossenschaft engagierte einen Makler, der das Gebäude im letzten August an die Firma Kamavill aus Beromünster vermitteln konnte. Kamavill berät Milch- und Landwirtschaftsbetriebe und handelt mit höhlengereiften Käseprodukten. «Best Chef» und die Dreizimmerwohnung sind weiterhin in der alten Käserei eingemietet.

«Ich bin froh»

Nach dem Verkauf wurde die Genossenschaft aufgelöst und die Anteile wurden an die fünf verbleibenden Mitglieder ausgezahlt. «Wir waren so wenige, weil Mitglieder, die die Käserei zwei Jahre nicht benutzen, automatisch aus der Genossenschaft ausgeschieden sind», sagt Ex-Präsident Mosimann. 50 Prozent der Verkaufssumme ging in gleichen Teilen an die Mitglieder. Die restlichen 50 Prozent wurden nach Milchmenge aufgeteilt. «Jeder Liter Milch war mit einem Genossenschaftsabzug besetzt», so Mosimann. «Dieser wurde je nach gebrachter Milch wieder ausgezahlt.»

Theo Mosimann war 40 Jahre lang Landwirt und seit 1992 Präsident der Käsereigenossenschaft, also fast 30 Jahre. Er sei nicht sehr wehmütig, dass diese aufgelöst wird. «Die Landwirtschaft verändert sich sehr», sagt er. «Mein Sohn hat nun meinen Betrieb übernommen und auf Mutterkuhhaltung umgestellt.» Eine Entscheidung, die Mosimann sehr gut findet. «Und ich bin froh, ein bisschen kürzertreten zu können.»

Milchunfall des Schwiegersohns

Die Zetzwiler Käsereigenossenschaft wurde 1884 gegründet (siehe Chronik). Theo Mosimann erzählt, dass er die Kameradschaft immer sehr geschätzt hat. «Bei meinem Amtsantritt gab es noch 20 Milchlieferanten», sagt er. «Wir haben bis 1998 einen hervorragenden Emmentaler produziert.» Danach sei der Käser weggezogen und die Ära nahm ein Ende.

Etwas, das Mosimann noch lange in Erinnerung bleiben wird, ist diese Geschichte: «An einem Samstagabend war ich verhindert und konnte die Milch nicht selbst in die Sammelstelle fahren.» Also habe sein Schwiegersohn ihm die Aufgabe abgenommen. «Jung, dynamisch und mit viel Schwung fuhr er mit den Milchkannen die steile Strasse ins Dorf hinunter.» Dann, beim Überqueren einer anderen Strasse, machten die vier vollen Kannen, rund 150 Liter Milch, einen «filmreifen Abgang vom Transportbrüggli». Die Milch, Mosimann nennt sie «weissen Segen», lief also fast von alleine hinunter in die Käserei. «Der Schwiegersohn ist trotzdem mein Schwiegersohn geblieben.»