Schöftland
Zeitreise: Der «Ochsen» ist in Eleganz wieder auferstanden

Nach einem sanften Umbau steht der «Ochsen» komplett unter Denkmalschutz. Beim Rundgang fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt und trotzdem ist der «Ochsen» in der Gegenwart angekommen.

Heidi Hess (Text) und Mario Heller (Fotos)
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Die alte Küche im Design der 50er-Jahre.
12 Bilder
Die grosse Gaststube.
Der Gewölbekeller
Reto Nussbaumer, kantonaler Denkmalpfleger
Impressionen aus dem Ochsen

Die alte Küche im Design der 50er-Jahre.

Mario Heller

Ausladend behauptet sich der «Ochsen» mit den neuen Fensterscheiben mit barocker Einteilung mitten im Dorf. Und wirkt dabei überaus einladend. Jahrelang stand er leer. 2013 kauften Sandra Roth und Daniel Frey das Gasthaus, renovierten es und eröffneten das Restaurant letzten Sommer. Erst seit kurzem steht das Haus vollständig unter kantonalem Denkmalschutz. Die Fassaden sowie das Dach sind schon seit einem halben Jahrhundert geschützt.

Der kantonale Denkmalpfleger Reto Nussbaumer betrachtet vor der Eingangstüre das geschichtsträchtige Gasthaus. «Das Haus wurde aus dem Schneewittchenschlaf geweckt», sagt er. Mit dem sanften Umbau habe man dem Gasthof seine Eleganz zurückgegeben.
Die Eigentümer Sandra Roth und Daniel Frey wollten eigentlich nur eine «Pinselrenovation» ausführen, entschieden sich dann aber für eine umfassendere Renovation.

Das Paar konsultierte einen Architekten und liess sich von der Denkmalpflege beraten. «Dass es so gut lief», sagt Nussbaumer, sei dieser konstruktiven Zusammenarbeit zu verdanken.» Die Eigentümer waren interessiert, der Architekt geübt im Umgang mit historischen Gebäuden. Das wiederum führte dazu, dass der Denkmalpfleger, seiner Aufgabe nachgehen und die historische Substanz so weit wie möglich erhalten konnte.

Das zeigt sich dem Betrachter bereits von aussen. Nussbaumer steht vor dem modernen Anbau aus Holz, in welchem heute die Küche ist. Er zeigt auf den Holzbau, auf die barocke Fenstereinteilung und das Wirtshausschild, wo in weisser Schrift auf rotem Grund «Ochsen» steht. und sagt: «Als Ganzes ist das sehr gelungen.»

Den Rundgang durch das Haus beginnen wir im Gewölbekeller. So, wie er sich heute präsentiere, meint der Denkmalpfleger, sei dieser nicht gewesen. Hier sei der Verputz entfernt und schön gemauert worden, heute könne der Keller wieder atmen; für einen Apéro etwa biete er sich geradezu an. Man sieht in den beiden Kellergewölben, was über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg verändert wurde. Es dürfte hier einen Stampfboden gehabt haben, nun ist ein Kellerboden mit Holzriemen bedeckt, den Boden des anderen, kleineren und mit rund 500 Jahren älteren Kellers bedecken dagegen dunkelrote Tonplatten.

Im Parterre zeigt sich ein ähnliches Bild in der grossen Gaststube: Neben weissem Wandtäfer im Biedermeierstil finden sich aus der Nachkriegszeit ein Kachelofen und Holzbänke, die an der Wand entlanggezogen sind. Weniger eindeutig ist die Datierung des Fischgratparketts, das mit Linoleum überklebt worden war. Nussbaumer sagt: «Verwendet wurde es vor allem zwischen 1880 und 1950.»

Im ganzen Haus dominieren die Farben dunkelrot und mintgrün. Ein Kunstgriff der Besitzerin Sandra Roth, die Innenarchitektur studiert hat? In der Gaststube sind die Wände über dem weissen Täfer dunkelrot gestrichen, kombiniert mit mintgrünen Lampen. Denkmalpfleger Nussbaumer sagt: «Wir unterstützen eine gewisse Farbigkeit.» Weiss gehöre ins 20. Jahrhundert. An diesen Wänden hätten früher vermutlich Tapeten geklebt.

Der «frechste Teil» im Gasthaus
Neben der grossen Gaststube befand sich die ehemalige Küche – mit Plättliboden, Ofen und dem langen Tisch im Design der 50er-Jahre. Der Denkmalpfleger lobt den Mut des neuen Besitzerpaars, das an dieser Küche nichts verändert hat. Gekocht wird dort zwar nicht mehr, das geschieht im modernen Anbau – nicht zuletzt, um heutigen Hygiene- und Sicherheitsanforderungen zu genügen. Essen können Gäste am langen Tisch aber nach wie vor.

Durch die Wirtshausdiele, an deren Wand alte Familienfotos hängen, gelangen wir laut Reto Nussbaumer schliesslich zum «frechsten Teil» im «Ochsen». Bei den Toiletten wird offensichtlich, wie alter Baustil und moderne Architektur harmonieren. Es sei mit diesem architektonischen Eingriff gelungen, neuen Anforderungen gerecht zu werden, ohne an historischer Substanz zu verlieren.

Beendet wird der Rundgang im ersten Stock, vor dem Säli. Dort soll 1961, im Alter von 21 Jahren, schon Daniel Freys Vater getanzt haben. Jetzt wird auch klar, weshalb Sandra Roths Wahl auf Mintgrün fiel. Hier oben leuchtet das meiste in zartem Grün. Exakt dieses Grün soll schon geleuchtet haben, als Freys Vater seine Liebste vor über 50 Jahren zum Tanz geführt hatte.

Fest steht nach der Schöftler «Ochsen»-Tour: Viele Details erinnern hier an vergangene Zeiten. Aber stehen geblieben ist die Zeit im «Ochsen» nicht.

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