Einige Teilnehmer sind sich ihrer Sache noch nicht ganz sicher. Mit kräftigen Armbewegungen stemmen die Yoga-Schüler ihr Paddel ins Wasser und ziehen. Gleichzeitig versuchen sie, in der Balance zu bleiben.

Yoga-Schüler auf dem Wasser? Ja, das gibt es, und zwar auf dem Hallwilersee. Es ist eine Kombination aus der trendigen Wassersportart Stand-up-Paddling (SUP), bei der man auf einem Board im Wasser steht und mit einem Paddel rudert, und Yoga. Das Ganze nennt sich SUP Yoga.

Die Yoga-Schülerinnen und -Schüler stehen auf ihrem Board und paddeln an diesem schönen Sommermorgen auf den Hallwilersee hinaus. Gestartet sind sie beim Strandbad Seerose in Meisterschwanden, einige hundert Meter geht es in Richtung Seengen.

Was zu Beginn noch locker aussieht, wird mit der Zeit anstrengend. Das Gleichgewicht zu halten und dazu gegen den bissigen Wind anzukämpfen, ist nicht ganz einfach – und fordert die Muskeln.

Chantal Hängglis Yoga-Lektion auf dem Hallwilersee.

Yoga-Lehrerin Chantal Hänggli nimmts gelassen. «Habt einfach Spass an der Sache und geniesst die Natur», ruft sie den Teilnehmern zu. Die Gränicherin jedenfalls geniesst es und lacht übers ganze Gesicht.

Seit rund sieben Jahren bietet sie Yoga-Kurse an, zum ersten Mal aber auf dem Wasser. «Ich bin Surferin und Yoga tut mir einfach gut. Yoga auf dem Board ist die Kombination von allem, was ich gerne mache», sagt sie.

Mit dabei ist auch ihr Partner, ein ausgebildeter Rettungsschwimmer. Die Sonne scheint kräftig und die Wolken haben sich alle verzogen, das Seewasser ist rund 22 Grad warm. Perfekte Bedingungen.

Yogamatte auf dem See

Die Teilnehmer kommen gut und schnell voran. Einige sind schon Yoga-erfahren, andere kennen das Stand-up-Paddling, doch die Kombination ist für die meisten neu. Nach einigen hundert Metern paddeln ordnen sich die Yogis um Chantal Hänggli an.

Kein leichtes Unterfangen: Boards werden langsam gekehrt, behutsam angeordnet. Wer zu schnell unterwegs ist, riskiert einen Zusammenstoss. Niemand will kentern, bevor die eigentliche Yoga-Stunde überhaupt begonnen hat.

Mit dem Sonnengruss wird gestartet. Die Yogis sitzen auf dem Board, die Hände vor der Brust gefaltet. «Konzentriert euch auf die Atmung, nehmt die Natur wahr, spürt die feinen Wellen, entspannt euch», sagt Chantal Hänggli. «Das Board wird zur Yogamatte auf dem See und eurer kleinen Insel.» Es ist ruhig, nur das leise Plätschern der Wellen ist zu hören.

Die ersten Übungen schaffen die Teilnehmer mit Bravour, niemand fällt ins Wasser. Kritisch wird es erst, als das Kursschiff Brestenberg an der Gruppe vorbeituckert. Die Passagiere applaudieren und die Yogis müssen sich wegen der stärker werdenden Wellen noch mehr konzentrieren.

Figuren wie die Kobra, der herabschauende Hund und gar der dreibeinige Hund entstehen mitten auf dem Hallwilersee. «Wenn man diese Übungen macht, muss man sehr fein arbeiten und ruhig sein, wenn man juflet, geht es nicht», sagt Chantal Hänggli. «Wasser ist ein beruhigendes Element und hilft, einfach mal runterzufahren.»

Als jedoch Chantal Hänggli den Kopf aufs Board legt, die Unterarme daneben aufstützt und die Beine langsam über den Kopf bringt, ist es vorbei mit der Ruhe. Die erste mutige Teilnehmerin probiert den Kopfstand aus – und planscht ins Wasser.

«Genau das gehört auch dazu, probiert einfach aus und schaut, was möglich ist», animiert Chantal Hänggli weiter. «Der Spassfaktor soll im Vordergrund stehen.» Die Yogis gehen in Position, versuchen, die Beine in die Höhe zu bringen, ein richtiger Kopfstand gelingt den wenigsten. Ein weiterer Teilnehmer fällt ins Wasser, lässt sich aber durch den kurzen Taucher nicht beirren, klettert aufs Board und macht weiter.

Die eineinhalb Stunden auf dem See gehen schnell vorbei – zu schnell. Die Strömung hat die See-Yogis wieder zurück zum Standbad gebracht. Jetzt können sie in den Tag starten, ruhig und gelassen.