Ein eingeschäumtes Auto auf der Hauptstrasse in Reinach, der verkohlte Gontenschwiler Schuppen, die rabenschwarze Wolke über der Alu Reinach, der verirrte Spatz aus dem Unterkulmer Ofenrohr – die Facebook-Auftritte der Feuerwehren Oberwynental, Gontenschwil-Zetzwil und Mittleres Wynental lassen nichts aus. Jeder Einsatz, jede Übung wird hier dokumentiert, brandaktuell – noch bevor das Löschwasser versickert und die verrauchte Uniformjacke gelüftet ist.

Es gehört längst dazu, dass Vereine auf Facebook aktiv sind. Doch sind Feuerwehren da doch eher die Ausnahme, erst recht die regionalen. Die meisten beschränken sich auf die herkömmlichen Homepages, die sie mit Berichten zu Übungen und Einsätzen füttern – meist erst Tage später. Ganz anders die Wynentaler Feuerwehren: «Bei uns herrscht ein regelrechter Wettstreit, wo die Meldung zuerst erscheint – auf der Website oder auf Facebook», sagt Reto Fuchs, der als Ausbildungsoffizier die Website der Feuerwehr Mittleres Wynental (Oberkulm, Unterkulm und Teufenthal) betreut.

Das Feuerwehrtagebuch kommt an, die Beiträge werden teilweise dutzendfach geliked, geteilt und kommentiert, da gibt es viel Lob und Dank. «Wir sind stolz auf unseren Job», sagt Reto Eichenberger, Kommandant der Feuerwehr Oberwynental, seit der Fusion zuständig für die Gemeinden Menziken, Burg, Pfeffikon, Reinach und Leimbach. «Und weil wir so stolz darauf sind, zeigen wir auch gern, was wir bei der Feuerwehr tun.» Der Aufwand dafür halte sich in Grenzen, Fotos werden für die Ausbildung beziehungsweise die Nachbearbeitung der Einsätze sowieso gemacht. Eine Auswahl der Aufnahmen werde auf Facebook gepostet, so Eichenberger.

Keine Sensationsgier befriedigen

Auch wenn die Fotos teilweise spektakulär sind, so sollen sie doch nicht die Sensationsgier befriedigen. «Da haben wir Feuerwehrmitglieder einen Ehrenkodex: Die Privatsphäre ist uns heilig», sagt Reto Eichenberger. «Die Posts auf Facebook dienen einzig der Dokumentation.» Auf den Fotos sind deshalb nur höchst selten und nur nach Rücksprache Privatpersonen zu sehen, und Verletzte schon gar nicht. Ausserdem veröffentlichen die Feuerwehren keine genauen Adressen, oftmals verzichten sie sogar auf die Nennung des Dorfes. «Da sind wir extrem vorsichtig, erst recht mit heiklen Bildern», sagt auch Reto Fuchs. Schliesslich sei ja hinlänglich bekannt, dass was einmal im Internet hochgeladen wurde, nie mehr verschwindet.

Ein Mittel gegen Gerüchte

Die Absicht hinter der starken Facebook-Präsenz ist klar: Nachwuchs generieren. «Wir gehen mit der Zeit, also sind wir auch auf Facebook aktiv», sagt Roman Soland, Kommandant der Feuerwehr Gontenschwil-Zetzwil. Gleich tönt es auch bei den anderen beiden Feuerwehren: «Wir haben uns im Frühling ganz bewusst dafür entschieden, diesen Kanal intensiv zu füttern, um neue Leute zu generieren», sagt Reto Fuchs. Und selbst Reto Eichenberger, der sich eigentlich nicht über mangelnden Nachwuchs beklagen kann, setzt auf den Marketing-Zweck: «Wenn die Leute unsere Arbeit regelmässig vor Augen haben, lassen sie sich vielleicht eher dafür begeistern, bei uns mitzumachen.»

Die Rechnung geht tatsächlich auf: Früher hat Roman Soland jedes Jahr 300 Briefe verschickt, um neue Mitglieder anzuwerben. Mit Ach und Krach habe er so eine Handvoll Leute an den Informationsabend locken und dann einen oder zwei Neue generieren können. «Letztes Jahr haben wir auf einen Schlag zehn neue Mitglieder aufgenommen», sagt er. Die Präsenz auf Facebook habe da sicher ihren Teil dazu beigetragen.

Die Rekrutierung von neuen Mitgliedern ist aber nicht der einzige Punkt. «Indem wir die Leute über Facebook informieren, können wir Gerüchten vorbeugen», sagt Roman Soland. Schliesslich werde in den Medien meist nur über Grossereignisse berichtet, über kleine Einsätze oder Fehlalarme werde die Bevölkerung nicht informiert. «In solchen Fällen melde ich gerne via Facebook, weshalb die Sirenen heulten.»