Oberkulm
WSB ohne Rollböcke freut die Bahnanwohner

Der WSB-Entscheid, den Güterverkehr einzustellen, wird von vielen begrüsst – vor allem von den Anwohnern. Ein Oberkulmer erzählt von der Belastung und von der Freude über weniger Güterverkehr.

Peter Siegrist
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Jürg Berger zeigt Verständnis für den WSB-Entscheid.

Jürg Berger zeigt Verständnis für den WSB-Entscheid.

Peter Siegrist

Jürg Berger ist vom Güterbetrieb Wynental- und Suhrentalbahn direkt betroffen. Nicht etwa als Zuckerrübenpflanzer oder Metallverarbeiter, sondern als Bahnanwohner in Oberkulm. «Wenn ein WSB-Güterzug über die Mittagszeit durchs Dorf fährt», sagt Berger, «dann klirrt bei mir Geschirr auf dem Tisch.» Der Lärm und die Vibrationen, welche die alten mit Güterwagen beladenen Rollböcke verursachten, sei enorm, sagt Berger. Da freue er sich darauf, wenn der Güterverkehr eingestellt werde.

Berger schiebt klärend nach, es sei natürlich so, dass die WSB schon längst durchs Dorf gefahren, bevor er das Haus an der Hauptstrasse gekauft habe. Nachdem ihm vom Kanton eine private Lärmschutzwand nicht bewilligt worden sei, wäre ihm jetzt aber jede Lärmverminderung recht.

Der Oberkulmer kennt Abläufe und Denkmodelle in Unternehmen. Er, der lange Zeit im Marketing und Verkauf tätig war, und heute selbstständig als Unternehmensberater arbeitet, sagt: «Wenn sich etwas nicht mehr rechnet, wenn eine Geschäftstätigkeit die Kosten nicht deckt, muss das Unternehmen handeln.»

Handeln, wenn Nachfrage sinkt

So werde es auch bei der WSB sein. Gehe Nachfrage beim Güterverkehr so zurück, wie von der Bahn kommuniziert, brauche es Änderungen. «Wenn in einem Unternehmen das Geld für Investitionen knapp wird, dann kann man etwas Unrentables nicht aufrechterhalten», meint Berger. So habe er Verständnis für den Entscheid. Klar, die Tradition, des Wynentaler Herbstes mit den Zuckerrübentransporten ab den Bahnhöfen Reinach und Gontenschwil sei für die Produzenten komfortabel und ökologisch sinnvoll. «Aber die Kosten müssen gedeckt sein».

Wie die WSB mitteilte, werden jährlich zwischen 6500 bis 8800 Tonnen Zuckerrüben aus dem Wynental nach Frauenfeld transportiert. Und «für den Transport der Zuckerrüben vom Feldrand bis zum Verladebahnhof erhält der Produzent eine Entschädigung», schreibt die WSB. Die gilt auch für andere Verladeorte.

Für Berger kommt die Reaktion der Politiker aus der Region spät. Die gute Anbindung des Tals an die Hauptverkehrsachse wäre von grösserer Bedeutung. Nachteile hätten Gemeinden kaum, werde der Güterverkehr eingestellt , so Berger.

Die Vorstellung von Güterzügen in den Nachtstunden – wie von Grossrat Beat Leuenberger in einer Interpellation vorgeschlagen – löst bei Berger ein Kopfschütteln aus. «Ich wäre froh, wenn sich die WSB auf den gut ausgebauten Personenverkehr fokussiert und die Dorfbewohner vom Geratter der Güter-Rollböcke verschont, mit dem Viertelstundentakt fährt bereits heute alle siebeneinhalb Minuten ein Zug durchs Dorf.»

Überlastete Hauptstrasse

Der Gemeindeverband Aargau Süd impuls wehrt sich gegen die Einstellung des Bahngüterverkehrs, mit der Begründung, die Hauptstrasse sei bereits heute überlastet und nicht ausgelegt für zusätzlichen Schwerverkehr. Ende Oktober werden sich Vertreter von Aargau Süd und der WSB zu einem Gespräch treffen und die Sachlage aus der Sicht des Unternehmens und der Gemeinden erörtern.