Reitnau

Wo man bauen darf, soll auch gebaut werden

Die idyllisch gelegene Gemeinde im oberen Suhrental revidiert ihre Nutzungsplanung

Die idyllisch gelegene Gemeinde im oberen Suhrental revidiert ihre Nutzungsplanung

Es ist eine emotionale Sache, den Nutzungsplan zu revidieren. Genau das tut Reitnau. Noch bis zum 5. April läuft das öffentliche Mitwirkungsverfahren. Die Revision soll Pferde-Aussenanlagen legal und Bauland verfügbar machen.

Während das Interesse an der Informationsveranstaltung gering war, nutzten viele Reitnauer die Fragestunden, wo Raumplaner Werner Schibli und die Gemeinderäte Werner Hochuli und Hans Peter Bossard anwesend waren. Die beiden Gemeinderäte sind Mitglieder der Kommission für die Revision der Nutzungsplanung und haben mit vorgeschlagen, was neu Bauland werden und welche Parzelle bald wieder zur Landwirtschaftszone gehören solle.

Die geplanten Änderungen passen nicht allen. «Man kommt sich einfach ein bisschen gevogtet vor», sagt eine Reitnauerin den drei Herren. Raumplaner Schibli versteht ihr Empfinden, er höre das oft, meint er.

Wird Bauland in Landwirtschaftsland umgezont, ist das für die Betroffenen schwierig. Aber: «Bauland verpflichtet», erklärt Raumplaner Schibli. Denn Bauland sei keine Kapitalanlage. Eingezontes Land solle bebaut werden und nicht stets neues Land eingezont werden, erklärt der Planer. Das habe das Stimmvolk so beschlossen. «Zwingen kann die Gemeinde heute niemanden zum Bauen», erklärt Schibli aber auch. Der einzige Druck, den es gibt, ist Bauland auszuzonen, falls keine Bauabsichten bestehen, sagt er.

Bauland noch nicht verfügbar

Die Revision der Nutzungsplanung in Reitnau wird nicht gemacht, weil es an Bauland mangelt. «Land hat es genug», erklärt Raumplaner Schibli. Dumm sei nur, dass dieses Land nicht verfügbar sei. Wolle jemand in Reitnau bauen, sei es schwer, eine Parzelle finden. Warum? Gewisse Leute hätten Bauland, wollten es aber nicht überbauen oder verkaufen. Mit der Revision wird die Verfügbarkeit des Baulandes nun optimiert. Dafür führte die Gemeinde Gespräche mit den Eigentümern unbebauter Baulandparzellen. Der grösste Teil der Befragten äusserte sich positiv zu einer Erschliessung und Überbauung ihres Landes. Damit bleibt ihr Land in der Bauzone. Es muss aber laut Gesetz innerhalb von 15 Jahren erschlossen und bebaut werden.

Nur ein Grundstück im Hofacker wird in die Landwirtschaftszone überführt, weil diese Parzelle auch in den nächsten Jahren von einem Bauern genutzt wird und darum nicht überbaut werden kann. Im Gegenzug wird ein etwa gleich grosses Stück Land im Rüssli und Weinhalden, das inmitten von bestehendem Bauland liegt, der Bauzone hinzugefügt.

Illegale Pferde-Anlagen auszonen

In Reitnau gibt es ausserdem nicht zonenkonforme Pferde-Auslaufplätze. Diese sind illegal. In Planungsbericht ist jedoch festgehalten, dass der Rückbau der bestehenden Aussenanlagen unverhältnismässig sei. Darum soll das Problem zweckmässig gelöste werden. Und zwar durch eine spezielle Subzone mit «eng umgrenzter Nutzungsmöglichkeit», wie im Planungsbericht festgehalten wird. Planer Schibli hat das auch noch nie so gemacht. «Nach Angaben der zuständigen Stellen des Kantons sollte das aber gehen», meint er.

Ebenfalls positiv von der Revision betroffen ist die Firma Maroplastic. Die seit vielen Jahren in Reitnau ansässige Firma wird umgezont von Arbeits- und Wohnzone zu einer reinen Arbeitszone. Damit wird noch klarer definiert, dass diese Bauzone, die an isolierter Lage im Grünen liegt, nur wegen der Firma Maroplastic besteht. Ausserdem soll so das Weiterbestehen der Firma gesichert werden. In der Revision ist zudem vorgesehen, dass die Landwirtschaftszone im Talboden mit einer Landwirtschaftsschutzzone überlagert wird. So wird der Schutz des Talbodens nun verschärft, Gewächshäuser oder landwirtschaftliche Betriebe wären damit dort nicht mehr möglich.

Jetzt wird vorerst diskutiert


Der farbige Zonenplan zeigt auf, wo und wie Reitnau in Zukunft wachsen soll. Planer Werner Schibli stellt aber klar: «Wir machen uns nicht die Illusion, dass alles, was auf den Plänen farbig ist, auch überbaut wird.» Aber: Ist es in 15 Jahren nicht überbaut, muss neu beurteilt werden, ob es nicht ausgezont werden soll.

Jetzt beginnt die Diskussion

Auch wenn nicht alle Verständnis für die Änderungen im Nutzungsplan haben, Raumplaner Schibli gibt Entwarnung: Jetzt sei die Planung weich, Änderungen könnten noch gemacht werden. «Wir gehen nicht mit den Juristen aufeinander los», sagt Schibli. Nun werde diskutiert, und er erklärt einer betroffenen Person auch, dass sie bei Einwendungen ihre Vorschläge einfach und schnell aufs Papier bringen soll.

Diese Vorschläge werden dann geprüft und zusammen mit der kantonalen Vorprüfung wird der Nutzungsplan sinnvoll angepasst. Es folgt die öffentliche Auflage. Im Sommer 2013 kann voraussichtlich die Bevölkerung über die Revision befinden.

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