Gontenschwil
Wo Graupapagei Rocco den Ton angibt

An der Ausstellung exotischer Vögel in Gontenschwil suchte ein Kongo-Graupapagei verzweifelt sein Hündchen. Rocco und Co. zeigten, wie gut sie reden können.

Peter Weingartner
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Exotische Tiere Ausstellung Gontenschwil
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Dagmar Jung (51), Burg "Ich bin Hobbyzüchterin, Kanarienvögel. Spannend finde ich, wie unterschiedlich Vögel sein können in den Farben, aber auch im Gesang. Ich bin erstmals hier. Zu Hause habe ich fünf Tiere, vier Buben und ein Mädchen. Man hat mir auch schon Mädchen für Buben verkauft."
Ruedi Riesen (22), Oberkulm "Die Zucht ist fast eine Sucht. Ich habe verschiedene Sittiche, aber auch Wachteln. Zu Hause sitzen die handzahmen Tiere auf die Schulter, warten auf einen, lassen sich sogar streicheln. Ich mag den Gesang und die Farbenvielfalt. Vögel haben einen emotionalen Wert."
Ursula Büsser (64), Rottenschwil "Ich habe südamerikanische Vögel, Amazonen und Rotbauchsittiche. Mit Wellensittichen hats in der Kindheit angefangen und es hat mich nicht mehr losgelassen. Drei Jahre hatte ich keine Vögel; ich hab sie grausam vermisst. Sie sind eigensinnig und trotzdem zutraulich."
Jan Leu (27), Muhen "Ich züchte selber, bin Mitglied des Vereins, stelle aber hier keine Vögel aus. Wir hatten als Kinder Wellensittiche; mit 12 hatte ich meine eigenen. Mich interessiert die Genetik, und ich lerne aus Büchern, durch Erfahrung und im Austausch mit anderen Züchtern."

Exotische Tiere Ausstellung Gontenschwil

Peter Weingartner

Ist das ein Gekreische und Gefiepe in der Mehrzweckhalle Gontenschwil! Aber hallo? Das ist Musik! Zum 63. Mal zeigte der Verein Exotis Sektion Wynental exotische Vögel in natürlich dekorierten Volieren und Käfigen. Da wird nicht nur das Auge bedient, auch das Ohr muss nicht darben.

«Frölein, hend Sie mis Hündli gseh?», fragt in erstaunlicher Deutlichkeit Kongo-Graupapagei Rocco aus der hinteren Ecke. Die Besucher haben ihren Spass daran, wenn Rocco den letzten Ton nicht optimal trifft. So deutlich freilich äussern sich die wenigsten Vögel. Die Jendenga-Sittiche scheinen zu keifen wie ein unglückliches Paar, derweil zwei Mönchssittiche – ausgerechnet – Interesse an ihren Nachbarn im Käfig zur Linken, den Goldstirnsittichen, zu haben scheinen.

Grösse ist nicht alles

«Elf Aussteller zeigen 72 Vogelarten, meist in zwei oder drei Exemplaren», sagt Vereinspräsident Alex Wiederkehr aus Schongau. Vögel sind soziale Wesen. «Die wenigsten Tiere hier sind handzahm gemacht, was möglich wäre, wenn man die Jungtiere nach dem Schlüpfen von Hand aufzieht, sozusagen auf sich prägt.» Auch geht es dem Verein, im Gegensatz zu anderen Gruppen, nicht um die Prämierung der schönsten Exemplare.

Zwei Augenringsperlingspapageien haben ihren Kletterbaum umgestossen. Nun sitzen sie einträchtig auf der Schaukel und blicken keck ins Publikum. Grösse ist nicht alles. Die kleinen Orangebäckchen, Goldbrüstchen und Schmetterlingsfinken aus Afrika bekennen Farbe. Das tun auch die Papageiamadinen von den Südseeinseln und erinnern in ihrer Farbintensität an Bilder von Paul Gauguin.

Nicht allen Vögeln ist es so wohl wie Rocco, der immer wieder nach seinem Hündchen pfeift und zwischendurch ein annähernd menschliches Husten produziert, aber auch Sheila, die ein Telefonklingeln drauf hat. Den Kapuzenzeisigen scheint der Käfig etwas eng. Sie flattern nervös.

«Wie der Hund zu Hause, wenn er winselt», sagt ein Besucher: Auch Goldsittiche können Laut geben. Und was essen die Vögel? Viel Hirse sei im Futter, sagt Alex Wiederkehr. Die einen Züchter bereiteten es selber zu, andere kauften es in Läden. Einige Vögel brauchen Lebendfutter. «Was wir auch bald essen: Mehlwürmer», sagt er und lacht.

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