Im Erdreich hinter unseren Schiessständen liegen gewaltige Mengen an Blei. Jede der zig Millionen von Gewehrpatronen, welche Schützen in mehr als 150 Jahren ausserdienstlichen Schiessens in der Schweiz abgefeuert haben, verfrachtete acht Gramm Blei in den Kugelfang (beim Sturmgewehr 90 sind es drei Gramm). Weil Blei ein giftiges Schwermetall ist, das in unser Trinkwasser oder über Pflanzen in unseren Ernährungskreislauf zu gelangen droht, hat der Bund verfügt, dass diese Altlasten aus den Böden müssen. Bis 2020 beteiligt er sich (wie auch der Kanton Aargau) an den Sanierungskosten.

«Im Aargau sind wir, ohne dass der Kanton Druck auf die Gemeinden ausübt, auf Kurs», sagt Ueli Aeschlimann, Fachspezialist Altlasten beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). Bereits jeder vierte Kugelfang sei saniert, womit auch ehemalige, längst geschlossene Schiessstände gemeint sind, wie jener in Uerkheim. Dort haben sich Gemeinderat und -versammlung entschlossen, die mit rund 300 000 Franken alles andere als günstige Altlastensanierung an die Hand zu nehmen. «Anreiz dafür ist, dass Bund und Kanton eine solche Sanierung zu 70 Prozent subventionieren», sagt Aeschlimann. Der Gemeinde verbleiben so Kosten in der Grössenordnung von 90 000 Franken.

Über die Sanierung des Schiessstandes in Uerkheim berichtete das Zofinger Tagblatt Mitte letzte Woche. Erwähnt wurde auch, dass das BVU inzwischen zu Sanierungsprojekten in den Gemeinden Kölliken und Uerkheim Stellung genommen habe. Notwendigkeit und Aufwand einer Bodensanierung richten sich nach den Schutzgütern Wasser und Boden. Gefahr droht, wenn Schwermetalle ins Grundwasser oder in einen Bach gelangen. Waldboden hingegen kennt keinen Sanierungsbedarf und -Wert.

Auf diesen Bericht hin meldete sich Margrit Liechti aus Uerkheim beim Zofinger Tagblatt. Die Leserin sagte, der ehemalige Uerkener Kugelfang liege in einem Waldgebiet und sollte somit nicht sanierungsbedürftig sein. Steuerzahlerin Liechti wunderte sich, dass trotz allem an einer Gemeindeversammlung über die Sanierungskosten in Höhe von 90 000 Franken abgestimmt worden war. Wo bleibe da die Kostensanierung der Gemeindekasse, fragte sie sich.

Fachspezialist Ueli Aeschlimann, präzisiert: Waldboden kennt zwar keinen Sanierungsbedarf. Aber nur dann, wenn die Altlasten beim Kugelfang keinen Bach und auch nicht das Grundwasser gefährden.

Ein eigenartiger Grenzverlauf

Im Fall des Kugelfangs der Gemeinde Uerkheim spielt es allerdings gar keine Rolle, ob Wald oder nicht, weil die Lage des Kugelfangs ein Spezialfall ist. Zwar wird der Kugelfang vom Spaziergänger durchaus als Teil des Waldes wahrgenommen – auch, weil ein Spazierweg das «Waldstück» von der angrenzenden Wiese trennen. Dieses «Waldstück» gehört aber zur Landwirtschaftszone und die Lage in dieser Zone verlangt zwingend nach einer Sanierung.

Immerhin darf man der aufmerksamen Beobachterin zugestehen, dass die Grenze zwischen Wald und Landwirtschaft sehr eigenartig verläuft: Der ehemalige Kugelfang ist ein kleiner Spickel Landwirtschaftsland, der in den Wald hineinragt.