Kölliken

Wird die Villa Breitenegg Alterswohnungen weichen müssen?

Die Villa Breitenegg beim Bahnhof Kölliken steht in einem grossen Park.

Die Villa Breitenegg beim Bahnhof Kölliken steht in einem grossen Park.

Die Entscheidung ist gefallen: Die Villa Breitenegg soll nicht unter kantonalen Denkmalschutz gestellt werden. Die Ortsbürgergemeinde will das Gebäude abreissen und an seiner Stelle Alterswohnungen erstellen.

Ein Jahr lang hat sich die Kommission für Denkmalschutz und Archäologie der Aargauer Denkmalpflege mit dem Antrag des Aargauer Heimatschutzes beschäftigt: Die Kölliker Fabrikantenvillen Clara und Breitenegg und ein privates Hochstudhaus sollten unter Denkmalschutz gestellt werden. Nun sind die ersten Entscheidungen gefallen: Die Villa Breitenegg und das Hochstudhaus werden nicht kantonal geschützt, allerdings wird für die «Breitenegg» kommunaler Schutz empfohlen. Bei der Villa Clara ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Denkmalpfleger Reto Nussbaumer rechnet damit, dass im Frühling auch für diese Villa ein Entscheid gefällt werden kann.

Erst Abriss, wenn Projekt steht

Die Ortsbürgergemeinde, der die Villa Breitenegg gehört, will das Gebäude abreissen und an ihrer Stelle Alterswohnungen erstellen. «Wir haben diesbezüglich einen Auftrag der Ortsbürger», sagt Gemeindeammann Roland Brauen. Er bezieht sich auf den Entscheid der Ortsbürgerversammlung von November 2011, als 116000 Franken für den Abriss der Villa gesprochen worden sind. «Wir werden aber sicher nicht auf Vorrat abreissen», sagt Brauen. Im Moment sei noch nicht klar, wie das Bauprojekt finanziert werden solle. Verschiedene Modelle stehen zur Diskussion. Beispielsweise könnte der zu einer AG umformierte Altersheimverein die Bauherrschaft übernehmen. Da aber eine Rechtsformänderung des Altersheimvereins noch nicht beschlossen ist, stehen nach wie vor alle Möglichkeiten offen.

Die «Breitenegg» habe auf der Traktandenliste der Sitzung der Ortsbürgerkommission von gestern Abend gestanden, sagt Gemeinderat Martin Bossard, Präsident der Ortsbürgerkommission. Das Ziel sei gewesen, die nächsten Schritte zu besprechen und diese dem Gemeinderat vorzuschlagen. «Entschieden ist im Moment aber noch gar nichts. Es sind sowohl organisatorische wie auch finanzielle Fragen offen», betont Bossard. Auch er wiederholt, dass die Villa Breitenegg nicht abgerissen werde, solange nicht klar sei, welches Projekt weiterverfolgt werde, und wie dieses Projekt finanziert werden soll.

Die Aargauer Denkmalpflege hat sich zwar gegen den kantonalen Schutz ausgesprochen, sie empfiehlt aber, die Villa Breitenegg unter kommunalen Schutz zu stellen. «Die Kommission für Denkmalpflege und Archäologie hat die Kölliker Villa mit anderen Gebäuden im Kanton Aargau verglichen und dabei festgestellt, dass es andernorts schützenswertere Bauten gibt», erklärt Denkmalpfleger Nussbaumer den Entscheid des Kantons. Für Kölliken habe die Villa Breitenegg aber durchaus eine historische Bedeutung, gibt er zu bedenken. Deshalb empfehle die Kommission für die «Breitenegg» den kommunalen Schutz im Rahmen des Ortsbildschutzes.

Ortsbildschutz wird revidiert

Das Thema Ortsbildschutz ist ein Kapitel, das die Gemeinde Kölliken im Rahmen der Revision der Bau- und Nutzungsordnung ausgeklammert hat. Die Revision dieses Kapitels wird nun vorbereitet – und dabei auch über die kommunale Schutzwürdigkeit gewisser Gebäude diskutiert. Dass dabei die Villa Breitenegg berücksichtigt wird, hofft der Aargauer Heimatschutz, der die kantonale Unterschutzstellung der Villen Clara und Breitenegg und des privaten Hochstudhauses angeregt hat. Trotzdem macht sich Henri Leuzinger, der Geschäftsführer des Aargauer Heimatschutzes, keine zu grossen Hoffnungen: «Mit dem nun vorliegenden Entscheid der Aargauer Denkmalpflege ist der Abriss der Villa Breitenegg wohl besiegelt.» Da der Abriss-Kredit bereits gesprochen worden ist, kann sich Leuzinger kaum vorstellen, dass die Gemeinde in die Bresche springen wird und die Villa wie von der kantonalen Denkmalpflege empfohlen, unter kommunalen Schutz stellen wird.

Ähnlich enttäuscht zeigt sich auch Daniel Leutwyler, der sich gemeinsam mit seiner Frau Sandra für den Erhalt der Villa Breitenegg ausspricht. «Die ‹Breitenegg› ist in Kölliken ein prägendes Gebäude. Da wäre es doch schade, wenn sie einfach verschwinden würde», meint er und wünscht sich, dass sich im Laufe der Zeit doch noch ein Hintertürchen öffnet und die 200-jährige Villa vor dem Abriss bewahrt werden kann. Der Aargauer Heimatschutz hofft, dass nun im Rahmen der Revision des Ortsbildschutzes die Villa erhalten werden kann. «Eigentlich ist es tragisch, dass der Ortsbildschutz und die Erhaltung der eigenen Geschichte einem Bauprojekt geopfert werden soll», so Leuzinger.

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