Holziken

Wird das «Im Labi» nun zum Schlafquartier?

Die Abbrucharbeiten waren vergangene Woche im Gang: Hier sollen 6 Häuser mit gegen 100 Wohnungen entstehen. HHS

Die Abbrucharbeiten waren vergangene Woche im Gang: Hier sollen 6 Häuser mit gegen 100 Wohnungen entstehen. HHS

Das Dorf HOlziken wächst massiv an Bewohnern. Diese Zunahme verunsichert spürbar. Was kommt da auf das Dorf zu?

Das Dorf wird wachsen. Nicht nur ein bisschen, sondern auf einen Schlag um fast einen Sechstel der bisherigen Bevölkerung. Um rund 200 Menschen wird die Gemeinde Holziken reicher und damit schon bald über 1500 Einwohnerinnen und Einwohner zählen. Nötig ist in Holziken dafür keine Fusion mit einer winzigen Nachbargemeinde. Die Ursache ist naheliegender: Für den massiven Bevölkerungszuwachs in der kleinen Gemeinde genügt eine grössere Überbauung. Auf dem Areal der ehemaligen Gärtnerei Graber an der Mattenstrasse plant Artemis Immobilien aus Aarburg sechs Mehrfamilienhäuser mit gegen 100 Mietwohnungen. Die
geplante Überbauung «Im Labi» umfasst 20 4,5-Zimmer-Wohnungen,
48 3,5-Zimmer-Wohnungen und 30
2,5-Zimmer-Wohnungen im mittleren Preissegment.

Baugesuch wird erneut aufgelegt

Die entsprechenden Baugesuche konnten bis gestern bei der Gemeinde eingesehen werden. Eingegangen war eine einzige Einsprache. Sie richtete sich gegen das Aufstellen der Profile. Tatsächlich waren nicht alle Profile ordnungsgemäss gesteckt worden, weil die Abbrucharbeiten auf dem Areal der einstigen Gärtnerei bereits im Gange waren. Vergangene Woche hatten Bagger bei frühlingshaften Temperaturen die Treibhäuser abgerissen. Überall waren Haufen von Schutt zu sehen, neben blühendem Gebüsch stapelten sich zerbrochene Glasscheiben. Inzwischen hat der Schnee Schutthaufen und Glas zugedeckt.

Der Baubeginn würde sich aber auch ohne Schnee verzögern. Auf dem gesamten Baugelände müssen die Profile nun nämlich neu ausgesteckt und von der Gemeinde und einem externen Ingenieurbüro überprüft werden. Erst danach kann das Baugesuch für einen weiteren Monat aufgelegt werden.

«Das Thema ist in allen Köpfen»

Holziken wehrt sich nicht gegen das ausserordentliche Bevölkerungswachstum. Aber jetzt, wo sich das Projekt konkretisiert, wird die Unsicherheit doch spürbar. Gemeindeschreiber Michael Urben sagt, man frage sich schon, was da auf das Dorf zukomme. Wie wird sich die grosse Zahl an zusätzlichen Einwohnerinnen und Einwohnern auf den Verkehr auswirken? Ist die Schule betroffen? Wird es Folgen haben für die Arbeit auf der Gemeindeverwaltung? Der Gemeindeschreiber sagt: «Das Thema ist in allen Köpfen.»

Die Bevölkerung von Holziken konnte zum Erschliessungsplan bereits vor einem Jahr Stellung nehmen. Widerstand habe es keinen gegeben, so Urben. Der Erschliessungsplan war angenommen worden. Gemeindeammann Peter Lüscher sagt, dass den Einwohnern oft erst mit der Aufstellung der Profile bewusst werde, dass sich im Dorfbild einiges ändern werde. Die künftige Entwicklung des Dorfes habe sich mit dem Erschliessungsplan aber schon früher abgezeichnet.

Speziell an diesem Projekt sei, dass das Dorf auf einen Schlag enorm wachse, statt dass die Bevölkerungszahl kontinuierlich zunehmen könne. Gemeindeschreiber Urben sagt aber auch: «Das weiss man und plant daher im Voraus.»

Gärtnerei fehlte der Nachfolger

Keine Wehmut verspürt Gärtnermeister Bruno Graber, dessen Treibhäuser abgerissen wurden. «Das Kapitel ist abgeschlossen.» Ihm gefalle das Projekt. Sein Vater hatte die Gärtnerei 1941 gegründet, er habe sie in den 70er-Jahren übernommen und bis Ende 2014 betrieben. Gegen Ende habe die Gärtnerei kaum noch rentiert. Als er einen Nachfolger suchte, weil er altershalber aufhören wollte, fand sich niemand. Schliesslich verkaufte Graber das Land an die Franke Immobilien AG, zu welcher die Artemis Immobilien in Aarburg gehört.

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