Menziken
Wird Badi-Kunstwerk des grossen Adolf Weber zerstört?

Das Hallenbad in Menziken wird saniert. Unklar ist, ob das Badi-Kunstwerk des grossen Adolf Weber den Umbau überlebt. Der Gemeinderat hat eine Informationssperre verhängt. Die AZ wirft einen Blick auf Webers Schaffen.

Melanie Eichenberger
Merken
Drucken
Teilen
Fotos von Adolf Weber
3 Bilder
Adolf Weber in den Neunzigerjahren in seinem Garten.
Exotische Fische, gemalt von Adolf Weber.

Fotos von Adolf Weber

Rahel Plüss

Dunkelblau, grün, braun und orange. Fische in verschiedensten Farben tummeln sich auf dem grossen Wandbild im Hallenbad Menziken. Gemalt wurde es vom Menziker Künstler Adolf «Dolfi» Weber (1925–1996). Seit über 40 Jahren ziert dieses Bild die westliche Wand des Hallenbads. Ob es nach den laufenden Sanierungsarbeiten – das Bad wird für fünf Millionen Franken erneuert – noch immer dort hängen wird, entscheidet sich Ende April.

In der Aargauer Kunstszene ist Adolf Weber ein Begriff. Zu Lebzeiten traf man ihn regelmässig mit der Staffelei unter dem Arm in Menziken an. Auf dem Weg an die Wyna, um die Natur auf Leinwand zu bringen. Es gab eine Generation Menziker, die einen Weber in der Stube hängen hatten oder sich zumindest gewünscht haben, sich ein Kunstwerk vom Maler leisten zu können. Man war stolz auf den hiesigen Kunstmaler. In den letzten Jahren scheint er jedoch ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein.

Vom Bauernleben geprägt

Maler war Webers Beruf. Er konnte von seiner Kunst leben. Schon in der Reinacher Bezirksschule zeichnete und malte Weber leidenschaftlich. Die Lehrer förderten ihn. Nach seiner Lehrzeit bei Kunstmaler Eugen Maurer studierte er an der Kunstgewerbeschule in Zürich und später an der École des Beaux-Arts in Genf. Nach dem Zweiten Weltkrieg liess er sich an seinem Heimatort Menziken nieder und gründete eine Familie. Über 50 Jahre lang widmete er sich unablässig der Malerei. «Seine Herkunft aus bäuerlichen Verhältnissen prägte ihm eine treue Verbundenheit mit der natürlichen Umgebung und eine Selbstverständlichkeit der eigenen Tätigkeit ein», schrieb Sohn Claudius Weber 2005 über seinen Vater. Der Vater sei früh aufgestanden und habe sich auf ein tägliches Malen vorbereitet, wie einer, der in die Werkstatt oder ins Büro gehe oder genauer: das Feld bestellen oder das Vieh versorgen müsse.

Ein Wandbild für die Badi

Webers Bilder fanden ihren Platz meist in privaten Räumen. Werke im öffentlichen Raum gab es nur vereinzelte. So hatte er ein Wandbild in der Menziker Schule gestaltet. Ein Pendant dazu gab es in Entfelden und auf der Menziker Post findet man noch heute ein Kunstwerk von «Dolfi» Weber.

Badi-Fotos gesucht

Haben Sie Fotos vom Hallenbad und seinen Benutzern? Sie dürfen auch älter sein – und toll wäre es, wenn das Bild von Weber zu sehen wäre.

Mailen Sie die Fotos an:

- wysu@aargauerzeitung.ch

Oder schicken Sie sie an:

- Redaktion Aargauer Zeitung, Ressort Wynental, Neumattstrasse 1, 5001 Aarau

Das Bild in der Badi Menziken sei für Weber noch eine Nummer grösser gewesen – wortwörtlich. «Er war ein Leinwand-Maler. Seine grössten Bilder waren nicht riesig», sagt Claudius Weber. Nachdem Weber den Auftrag erhalten hatte, das Wandbild im 1971 eröffneten Hallenbad zu gestalten, ist er mehrmals nach Basel in den Zoo gefahren. Dort hat er die exotischen Fische im Aquarium studiert und abgezeichnet. Die grösste Herausforderung beim Badi-Bild war jedoch die Unterlage und die Farben, die im feuchten Klima und der chlorgeschwängerten Luft eines Hallenbads bestehen mussten. Weber hat sich für Aluminium entschieden. Gemalt habe er in der Reinacher Alu-Halle. «Wir haben immer gefunden, dass es das beste Wandbild war, das er je gemalt hat», sagt seine Familie heute.

Zukunft ist ungewiss

Die Sanierung des Hallenbads ist in vollem Gang (AZ vom 15. März). Das Projekt kostet die Menziker fünf Millionen Franken. Neben spielerischen Elementen für Familien stehen viele grundlegende Sanierungsarbeiten an: trittsichere Böden, neue Beleuchtung und eine WC-Anlage mit behindertengerechtem WC. Es gibt ein modernes Bad. So modern, dass das Weber-Bild nicht mehr in das Farbkonzept passen würde, wie Gemeinderat Hans-Heinrich Leuzinger (SVP) anlässlich des Spatenstichs im März sagte. Abschliessend entschieden sei die Zukunft des Bildes noch nicht, sagt Leuzinger heute. Bis zur Sitzung Ende April will er sich dazu jedoch nicht mehr äussern. Und auch ein aktuelles Foto des Weber-Bildes, das im Moment noch immer im Hallenbad hängt, durfte die AZ nicht machen.