Reinach

Wird aus dem «@Vizeammann» bald ein «@Nationalrat»? Dieser SVP-Politiker hat Bern als Ziel

Nationalratskandidat Bruno Rudolf mit Hund Aimy im Garten. Colin Frei

Nationalratskandidat Bruno Rudolf mit Hund Aimy im Garten. Colin Frei

Manta-Fahrer Bruno Rudolf (52) möchte für die SVP in den Nationalrat. Ein logischer Schritt, denn eine grosse Auswahl an anzustrebenden Politämtern hat er nicht mehr.

Vizeammänner gibt es zahlreiche im Aargau. Aber nur einer kann «@Vizeammann» als Twitter-Namen tragen. Denn einmal gewählt, ist der Nutzername vergeben. Dieser Vize ist Bruno Rudolf, SVP-Vizeammann von Reinach. Als gelernter Techniker mit Fachgebiet Informationstechnik findet sich der 52-Jährige in den sozialen Medien problemlos zurecht.

Ob daraus bald ein «@Nationalrat» wird? Rudolf kandidiert diesen Herbst zum ersten Mal für die grosse Kammer. Ein logischer Schritt, denn eine grosse Auswahl an anzustrebenden Politämtern hat er nicht mehr. Er ist bereits Grossrat (seit 2013) und SVP-Ortspräsident.

Wird er seine Affinität für die sozialen Medien für seine Wahlkampagne nutzen? «Das habe ich mir vorgenommen», sagt Rudolf, der sich bereits eine Politiker-Seite auf Facebook und einen Kanal auf Youtube eingerichtet hat. Die sozialen Netzwerke seien eine gute Wahlkampfplattform, doch er sei sich auch der Gefahren bewusst, sagt er. «Ich poste nur, was ich verantworten kann.»

Per Express zum Gemeinderat

Im wahren Leben trägt er den Titel Vizeammann seit 2010. In den Reinacher Gemeinderat eingetreten war er 2002. «Ich beschloss damals, der SVP-Ortspartei beizutreten und bot ihnen an, Flyer zu verteilen.» Die Partei hatte eine bessere Idee. Sie schickte das Neumitglied ins Gemeinderatsrennen und holte sich einen zweiten Sitz im Gremium.

Wie viel Zeit seither vergangen ist, macht Sohn Florian Rudolf sichtbar. Als der Papa in die Gemeindepolitik einstieg, war er ein Säugling. Inzwischen ist er ein junger Mann, der die Lehre zum ICT-Fachmann absolviert.

Auf der SVP-Liste ist Rudolf der einzige Kandidat aus dem Bezirk Kulm, die Schöftler Nationalrätin Sylvia Flückiger-Bäni (67) tritt für die nächste Amtsperiode nicht mehr an. Die Chance, ihren Platz als Kulmer Vertreter einzunehmen, ist mit seinem 16. Listenplatz zwar klein, «aber ich wäre bestimmt nicht auf der Liste, hielte ich meine Kandidatur für chancenlos.»

Seinen Rucksack als Bildungspolitiker – er hat Erfahrung aus seinem Gemeinderatsressort, als Präsident der Kreisschule Homberg, als Schulvorstandsmitglied des KV Lenzburg-Reinach und als Informatik-Lehrlingsausbildner bei Haworth in Menziken – würde er auch nach Bern tragen.

Konkret will er sich für eine leistungsorientierte Bildung, also eine Schule mit Noten einsetzen, «die dem Schüler, der Schülerin auch zeigen, was sie können.» Thema Nummer zwei für Bern: eine starke Schweizer Armee. «Stark», das heisst für Rudolf, «dass vom Bund genügend Mittel für die nötigen Ressourcen gesprochen werden», personelle und finanzielle.

Erfolg bei Böhlerkreuzung

«Ich weiss, dass ich, käme ich nach Bern, die Schweiz nicht verändern kann», sagt Rudolf. Als Grossrat kriege man etliche Lektionen in diesem Kapitel. Handkehrum verändern sich Dinge in der Schweiz, obwohl Rudolf es nicht will: Als Mitglied der Schützengesellschaft Reinach hatte er sich im Vorfeld der Waffenrechts-Abstimmung gegen eine Anpassung an die EU-Richtlinien eingesetzt.

Dafür ist eine andere, für die Wynentaler Verkehrsführung einschneidende Veränderung, unter anderem dank ihm vom Kanton überdacht worden. Im Dezember 2018 reichte er mit Grossratskollegen eine Interpellation ein, in der er den Regierungsrat fragte, wie sehr die Unterkulmer Bevölkerung bei der Ausarbeitung des Böhlerkreisels involviert war. Mittlerweile hat der Kanton das Projekt umgestaltet – in eine T-Kreuzung, die weniger Verkehrsrückstau verheisst.

Pflegt ein Mann mit solch vielen Verwaltungsrats- und politischen Ämtern überhaupt noch Freizeitaktivitäten? Ja, mindestens deren zwei. Die eine heisst Aimy, die andere Manta. Aimy ist die einjährige Hündin der Rudolfs, die vor Energie nur so sprüht. Der Opel Manta ist das 80er-Jahre-Kultgefährt, das neben dem «normalen» Auto in der Garage steht. Und mit dem sein Besitzer vielleicht eines Tages in Bern einfährt.

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