Gross waren die Hoffnungen in die neue Technologie, als 2010 das Wasserwirbelkraftwerk in Schöftland eingeweiht wurde. Mittlerweile ist der Traum bachab, die Genossenschaft dahinter hat Konkurs angemeldet (die az berichtete). Jetzt kommt es noch schlimmer: Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat sich eingeschaltet.

Sie lässt die Geschäftstätigkeit von drei Gesellschaften genau untersuchen: die Genossenschaft Wasserwirbel Konzepte, die DST Group AG (Cleantech-Unternehmungsberatung) und die Firma Green-Cube AG (erneuerbare Energieprojekte). Mehr noch – mit einer superprovisorischen Massnahme wurde allen Geschäftsleitungsmitgliedern die Handlungskompetenz entzogen, sie obliegt nun den von der Finma eingesetzten Untersuchungsbeauftragten. Nur bei der konkursiten Wasserwirbel-Genossenschaft bleibt der Konkursverwalter zuständig.

Gröber wirkt sich die Massnahme auf die beiden Aktiengesellschaften aus. Sie gehören Daniel Styger, der bis vor kurzem Präsident der Wasserwirbel-Genossenschaft war. Was ist da passiert – und wieso interessiert sich die Finma, die man doch eher als Aufsichtsorgan für Banken, Versicherung oder Börse kennt, für drei in Aarau ansässige Gesellschaften?

Vorwurf Schneeballsystem

Styger vermutet, jemand schwärze ihn und seine Firmen an. Das schreibt er jedenfalls in einem internen Mail an Mitarbeiter und Geschäftspartner, das der az vorliegt. Gänzlich unwahrscheinlich ist das nicht. Denn dass insbesondere Geldgeber der konkursiten Genossenschaft nicht gut auf Styger zu sprechen sind, zeigt sich daran, dass mehrere von ihnen gegenüber der az von einem «Schneeballsystem» sprechen. Styger dementierte das in einem Interview vom 29. Juni vehement. Zum neu laufenden Finma-Verfahren dürfe er sich nicht äussern, sagt er jetzt. Auch die Finanzmarktaufsicht selber äussert sich nicht zum konkreten Fall.

Der Finma obliegt nicht nur die Aufsicht über Banken und Co. – sie passt auch auf, dass niemand ohne Bewilligung Bank spielt. Denn: Wer normal Aktien kauft, wird Miteigentümer einer Firma und trägt auch deren Risiken mit. Man gewinnt – oder man verliert. Das ist legal.

Ganz anders liegt der Fall, wenn jemand Geld von mehr als 20 Personen entgegennimmt und ein Rückzahlungs- oder Renditeversprechen abgibt. Dann gilt das rechtlich als sogenannt «gewerbsmässige Entgegennahme von Publikumseinlagen». Diese ist primär Banken vorbehalten – und vor allem ist sie bewilligungspflichtig.

Es ist gut möglich, dass diese Regelung Styger zum Verhängnis wird. In einem seiner Werbeschreiben für Darlehen an die Green Cube ist von einem «Fix-Zins 2,5 %» die Rede. Im Interview mit der az sagte er kürzlich: «Es besteht kein Risiko, das investierte Geld zu verlieren, wir werden auch eine angemessene Rendite erzielen.»

Noch laufen die Untersuchungen. Für Styger und seine Firmen gilt die Unschuldsvermutung. Styger sagt, er hoffe, das Ganze werde in ein paar Wochen erledigt sein. Einen Konkurs für seine beiden Aktiengesellschaften befürchtet er nicht: «Ich gehe davon aus, dass die Untersuchung der Finma zu einem positiven Ergebnis gelangt und wir bald wieder operativ tätig sind.»

Finma wird auf Hinweise aktiv

Wie genau die Finma auf den möglichen Verstoss gegen Finanzmarktgesetze aufmerksam wurde, ist unklar. Sie prüft Firmen nicht automatisch, sondern erst, wenn sie auf ein mögliches Problem aufmerksam gemacht wird, etwa von Kunden oder von Strafbehörden. Mehrere hundert solcher Hinweise gehen jährlich ein. Die Finma macht zunächst Voruntersuchungen. Findet sie dabei konkrete Hinweise auf eine schwere Verletzung von Finanzmarktrecht, ergreift sie Massnahmen, um eine weitere potenzielle Schädigung der Investoren zu verhindern.

Nicht immer steckt böse Absicht dahinter, wenn jemand ohne Bewilligung Publikumseinlagen entgegennimmt. Insider sprechen von einem Spektrum «von hellgrau bis dunkelschwarz» – es kann also sein, dass jemand aus Naivität nicht auf den Gedanken kommt, dass er etwas Ungesetzliches tut. Fakt ist: Wenn die Finma nach umfangreichen Vorabklärungen Massnahmen verfügt, wird sie meist fündig. Im Jahr 2014 erwischte sie 22 unerlaubt tätige Finanzdienstleister.