Oberkulm

«Wir wollen keine Zustände wie in Rom»

Edmund Studiger putzt an der Hauptstrasse den Müll zusammen.  ba

Edmund Studiger putzt an der Hauptstrasse den Müll zusammen. ba

Gemeindeammann Edmund Studiger greift zu Besen und Schaufel, um dem Litteringproblem in seiner Gemeinde Herr zu werden.

Kürzlich, nach einer schönen Wanderung auf die Rigi, las Edmund Studiger von den Trottoirs um seine Liegenschaft Unrat zusammen. Der übliche Kram: Bierflaschen, Dosen, Mc-Donalds-Tüten, 106 Stück Zigarettenstummel. An diesem Abend nahm er sich die Mühe und zählte sie.

Aber anderntags ging das Spiel von neuem los. Studiger, gleichzeitig Gemeindeammann in Oberkulm, war dermassen erzürnt, dass er der az Aargauer Zeitung einen Leserbrief mailte: «Welche Kinderstube haben die Leute nur genossen?» Er kann es nicht verstehen, wenn Müll aus dem Autofenster fliegt, Aluminiumstücke in der Wyna herumschwimmen, volle Hundekotsäckchen nahe eines Robidogs liegen. Oder Kaugummis ausgespuckt werden. «Das ist entweder Gedankenlosigkeit oder Absicht», meint Studiger.

Bilder an die Öffentlichkeit

Stets Abfall zusammenzulesen, frustet den Gemeindeammann. Doch hat er es gerne sauber in der Gemeinde. «Wir wollen keine Zustände wie in Rom», sagt er. Natürlich sei er sich bewusst, dass Littering ein Gesellschaftsproblem sei und sich andere Gemeinden ebenfalls damit herumschlagen müssen.

Doch wie angehen? Studiger mag weder die Polizei noch das Bauamt «grossflächig» einsetzen. Dafür sei der Aufwand zu gross. Auch mag er die Sünder nicht büssen. Das sei nicht der Weg. Auch schon führte die Gemeinde einen Putztag oder Infoabend durch. «Das jedoch interessiert gerade jene, die sowieso Sorge zur Umwelt tragen.» Schon eher kann er sich mit dem Gedanken anfreunden, wenn sich die umliegenden Gemeinden zusammenschliessen und Lösungsansätze suchen würden.

Leute beginnen umzudenken

Momentan geht der Gemeindeammann das Problem auf eigene Faust an: Regelmässig publiziert er Bilder und Artikel in den Zeitungen und im Gemeindeblatt. «Damit wird den Leuten das Thema immer wieder vor Augen geführt und sie beginnen umzudenken.» Am sinnvollsten sei es, wenn man die «Sünder» gleich packt und sie zur Rede stellt. «Meistens sind es halt Jugendliche», so Studiger. «Nach einer Party im Freien bitte ich sie, ihren Müll aufzuräumen. Dann machen sie es meistens.» Da kommt er aufs Grundproblem zurück: «Sie verhalten sich, wie sie es zu Hause gelernt haben.»

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