Leimbach

«Wir sind Leimbacher, nicht bloss Einwohner»

Janine Murer ist seit sieben Jahren Gemeindeammann in Leimbach. PSI

Janine Murer ist seit sieben Jahren Gemeindeammann in Leimbach. PSI

Gemeindeammann Janine Murer erklärt, warum die Eigenständigkeit für ihr Dorf Leimbach die richtige Wahl ist. Ein Zusammenschluss mit den Nachbarn brächte keine finanziellen Vorteile.

Leimbach plant die Zukunft. In seiner Entwicklungsstrategie erklärt das Dorf klipp und klar: Leimbach wolle seine Eigenständigkeit bewahren, sei aber je nach Situation zur Zusammenarbeit mit den Nachbarn bereit.

Auf der Website von Leimbach steht: 445 Einwohner, 47 Hunde, drei Fussgängerstreifen. Damit wollen Sie eigenständig bleiben?

Janine Murer: Ja, die Fussgängerstreifen reichen (lacht). Im Ernst, es geht, weil Leimbach 445 engagierte Einwohner hat.

In welchen Bereichen engagiert?

Zum Beispiel bei den Beteiligungen an den Gemeindeversammlungen. Wir erreichen regelmässig das Quorum und können an der Gmeind definitiv beschliessen. Auch bei den Weihnachtsfenstern hatten wir innert Tagen genügend Anmeldungen von Leuten, die sich beteiligen.

Wo zeigt sich das Engagement sonst?

Zum Beispiel wenn wir Helfer bei Dorffesten suchen oder Leute, die in Kommissionen oder Behörden mitarbeiten. Wir finden immer jemanden, der mitziehen will.

Also geht es letztlich um ein Gemeinschaftsgefühl, das die Bewohner empfinden?

In einem kleinen Dorf fühlen sich die Menschen eher verpflichtet auch eine Aufgabe für die Gemeinschaft zu übernehmen. Genau das funktioniert bei uns. Leimbach ist ein Dorf und nicht bloss ein Wohnort.

Viele kleine Gemeinden setzen heute auf Partnerschaften. Leimbach setzt auf den Alleingang. Warum?

Wenn wir unsere Nachbarn im Norden, Westen oder Süden betrachten, zeigt sich, dass es uns bei den Finanzen nicht besser erginge mit einem Zusammenschluss. Uns geht es am besten, wenn wir allein bleiben.

Sie sagen also, dass die Finanzen entscheidend sind?

Ganz wichtig ist für uns die Souveränität. Wir können mit sehr kurzen Entscheidungswegen unser Handeln im Dorf organisieren. Zum Beispiel welche Strasse wir wann und wie sanieren wollen. Ich bin nicht sicher, ob unsere Anliegen als Ortsteil einer grossen Gemeinde gleich prioritär behandelt würden.

Und die Finanzen?

Gegenwärtig ist es finanziell noch machbar. Klar heisst es, sag niemals nie. Die heutige Entwicklung mit den vom Kanton übertragenen Kosten engen uns aber wie alle Gemeinden zunehmend ein. Wir müssen wachsam bleiben. Heute überwiegen allerdings die Vorteile, allein zu bleiben.

Sie sagten kürzlich: Der Beweis für den Selbstständigkeitswillen von Leimbach sei, dass an der Gemeindeversammlung eine Steuererhöhung von 10 Prozent bewilligt wurde. Aber sie konnten ja gar nicht anders, als die Steuern zu erhöhen.

Wir sind aktuell nicht verschuldet. Wir hätten aber eine Verschuldung zulassen können. Das wollten wir nicht und die Bürger sind da mit uns einig, und bereit mehr beizusteuern.

Leimbach hat keine Wohnungen anzubieten für Einwohner, die im Alter ihr Einfamilienhaus aufgeben möchten. Die Rentner müssen auswandern. Gibt es da keine Lösung?

Das ist ein Thema im Zusammenhang mit dem Masterplan für den Ortskern. Dort sollten Wohnungen entstehen. Und zwar nicht nur für Senioren. Auch junge Leimbacher, die hier bleiben möchten, finden in unserem Dorf keine Wohnung.

Soll die Gemeinde Wohnungen bauen, damit die Leimbacher da bleiben?

Diese Möglichkeit haben wir als Gemeinde nicht. Aber wir können mit einer geschickten Zonenplanung mithelfen, für Investoren gute Bedingungen und Grundlagen zu schaffen. Das ist das Ziel der Revision des Zonenplans. Auch die Gemeinde verfügt noch über Landreserven im Zentrum.

Leimbach will die Steuerkraft verbessern, steht im Konzept. Wie soll das geschehen?

Die Bau- und Nutzungsordnung soll gute Möglichkeiten schaffen für Leute, die hier bauen möchten. Wichtig ist, dass wir unsere Schule im Dorf behalten können. Daneben wollen wir die KMU unterstützen, damit auch die Arbeitsplätze im Dorf erhalten bleiben. Dabei helfen alle mit, weil wir alle Leimbacher sind.

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