Reinach
«Wir müssen der Gesellschaft den Wald verkaufen, nicht nur das Holz»

Ein Spaziergang durch den Wald auf dem Sonnenberg zeigte das Zusammenspiel von Ökonomie und Ökologie.

Sibylle Haltiner
Merken
Drucken
Teilen
Förster Ueli Wanderon zeigt die Standortkarte für Bäume, Fabian Dietiker hat das entsprechende Handbuch dazu.

Förster Ueli Wanderon zeigt die Standortkarte für Bäume, Fabian Dietiker hat das entsprechende Handbuch dazu.

Sibylle Haltiner

«Erholungsraum, Naturgebiet, Holznutzung.» Diese Schlagwörter nannten einige Teilnehmer der Naturama-Exkursion auf die Frage von Fabian Dietiker, was sie vom Wald erwarteten. Die kurze Umfrage zeigte gleich zu Beginn, welchen vielschichtigen Anforderungen der Wald gerecht werden muss, und führte direkt zum Thema der Veranstaltung: «Naturnaher Waldbau: Balance zwischen tun und lassen».

«Der naturnahe Waldbau versucht, verschiedene Bedürfnisse abzudecken», erklärte Dietiker, Leiter der Sektion Waldbewirtschaftung des Kantons. «Der Förster muss einen Mittelweg finden.»

Grosses Interesse

Die Exkursion des Naturamas, die im Rahmen der Sonderausstellung «Wild auf Wald» stattfand, stiess auf grosses Interesse. Rund 80 Teilnehmer folgten den Ausführungen von Fabian Dietiker und Ueli Wanderon, dem Leiter des Forstbetriebs aargauSüd, dem neben Reinach und Menziken auch Beinwil am See, Birrwil, Leimbach und Burg angehören.

Auf einem Spaziergang durch den Wald erklärten Dietiker und Wanderon, wie im Gebiet Sonnenberg der naturnahe Waldbau umgesetzt wird.

Auch im Forstgebiet aargauSüd hat im Jahr 1999 der Sturm Lothar zugeschlagen. «24 Monate lang haben wir jeden Tag hier geholzt», erklärte Ueli Wanderon. Anschliessend wurde vor allem der Natur ihren Lauf gelassen.

«20 verschiedene Baumarten haben auf diesem Gebiet auf ihre Chance, zu wachsen, gewartet», berichtete der Förster. Der Standort ist vor allem für Laubbäume geeignet. Nur wenige Eingriffe, auch zum Nutzen der Waldbesitzer, haben die Mitarbeiter des Forstbetriebs vorgenommen, zum Beispiel Lärchen in vorhandene Lücken gesetzt. Auch auf die Eiben wird besonders gut geschaut.

«Die Natur arbeitet selbst», erklärte Fabian Dietiker. «Man muss nur mit minimalem Aufwand die Arten fördern, die man im Bestand haben möchte. Dadurch ist der Arbeitsaufwand viel geringer und die Pflege günstiger.»

Doch auch ökonomisch unrentable Baumarten wie die Salweide haben ihren Platz auf dem Sonnenberg. «Dieser Baum hat einen hohen ökologischen Wert und bietet vielen Insekten Lebensraum», erklärte Ueli Wanderon.

Sensibler Waldboden

Dass die Forstwirtschaft immer eine Gratwanderung zwischen Ökonomie und Umweltschutz ist, zeigten Dietiker und Wanderon am Beispiel der Bodenverdichtung auf. Wie soll der Wald bewirtschaftet werden?

Welche Maschinen kommen zum Einsatz und welchen Einfluss haben sie auf die Bodenbeschaffenheit? «Ist der Waldboden kaputt, dauert es mehrere 100 Jahre, bis er sich wieder erholt hat», erklärte Fabian Dietiker und lobte das Konzept des Forstbetriebs aargauSüd.

Dort wird konsequent nicht mehr mit Maschinen in den Wald hineingefahren. Die Holzerarbeiten erfolgen alle von den befestigten Strassen aus, gefällte Bäume werden mit Seilwinden herausgezogen.

«Die Leute sehen, dass es keine Traktorspuren mehr hat im Wald, und loben uns dafür», erzählte Wanderon. «Aber oft muss man sie trotzdem darauf hinweisen, wie schön der Wald ist.»

Holznutzung und Naherholung

Hier sieht Ueli Wanderon auch die zukünftigen Aufgaben der Forstbetriebe. «Die Holznutzung ist wichtig, aber unsere Stärke ist die Ökologie. Hier sollten wir das Beste geben, vermitteln und das Verständnis fördern», meinte er und fasste zusammen: «Wir müssen der Gesellschaft den Wald verkaufen und nicht nur Holz an die Sägerei liefern.»