Essen

«Wir leben die Kunst oder anders gesagt: Die Kunst ist unser Leben»

Christa Hunziker und Roland Hächler spielen vor ihren Gästen Gitarre. Bütschi

Christa Hunziker und Roland Hächler spielen vor ihren Gästen Gitarre. Bütschi

Alles begann mit zwei Wetten – jetzt übernehmen Christa Hunziker und Roland Hächler aus Kölliken im Tessin eine Osteria. Das paar pendelt künftig zwischen der Sonnenstube und dem Aargau hin und her.

An einem wunderschönen Oktobertag fuhren Christa Hunziker (46) und Roland Hächler (54) in die Toskana. Beide lieben das südländische Ambiente, doch dieses Mal hatte ihre Reise einen anderen Grund: Weil sie eine Wette verloren hatte, schuldete sie ihm ein Nachtessen, und weil er eine Wette verloren hatte, schuldete er ihr eine Übernachtung im Süden. Um was sie gewettet haben, war bereits vergessen.

Das Paar, sie Musikerin, er Kunstschaffender, kehrte in der Osteria Grütli in Camedo ein. Ein Dorf zuhinterst im Centovalli, kaum eine Häuserzeile lang. Ist der Reisende zu schnell unterwegs, übersieht er den Gasthof und steht schon bald vor dem italienischen Zollamt.

«Entweder man macht es, oder lässt es bleiben»

Den beiden gefiel es im «Grütli», und als sie vom alten Pächterpaar Christine Berger und Hans Gloor erfuhren, dass die Osteria zu haben sei, wars um sie geschehen. Roland Hächler schaute seine Partnerin an, sein erster Gedanken: «Bitte denke es nicht». Doch ihre Augen leuchteten bereits: «Es war schon immer mein Traum, einmal eine Beiz zu führen», sagte Christa Hunziker.

Nach dem Besuch in der Osteria reiste das Paar für einige Tage in die Toskana. Natürlich sprachen sie die meiste Zeit über die Gaststätte. «Unsere Diskussionen drehten sich aber nicht um die Frage, ob wir die Osteria übernehmen wollen, sondern bereits, wie unser Betriebskonzept aussehen soll», erinnern sie sich lachend. Solche Entscheide schiebe man nicht lange heraus: «Entweder man macht es, oder lässt es bleiben.»

Beim Rückweg hielten sie wieder in Camedo an, um den Pächtern zu sagen, dass sie nun das «Grütli» übernehmen würden. Was diese natürlich freute, denn: Christine Berger und Hans Gloor sind ebenfalls Aargauer. Sie führten das Restaurant Halde in Aarau und wechselten später in die «Juraweid» in Biberstein. Ausserdem arbeitete er als Bühnenbildner in der Kunstszene.

Tipico italiano

Während sie diese Geschichte erzählen, sitzen Christa Hunziker und Roland Hächler in der gemütlichen Küche ihres Bauernhauses. Das Essen: tipico italiano – Salat, selbst gemachte Ravioli, Dolce, Käse, Rotwein. Nach den Grundsätzen von Slow Food bewirten sie ab April auch ihre Gäste im Centovalli. «Wir legen grossen Wert auf frische und biologische Produkte. Wann immer möglich berücksichtigen wir lokale Produzenten.»

Über Mittag bietet das Wirtepaar seinen Gästen, darunter einheimischen Arbeitern, ein währschaftes Menü an. Abends setzen sich die Gäste an den runden Nussbaumtisch und geniessen einen Fünfgänger. Die Osteria ist ein Ort, in dem «insieme», das Miteinander, gepflegt wird. Feuer und Kerzen werden entzündet und zum Abschluss des Abends greifen die Gastgeber zu ihren Musikinstrumenten. «Wir leben die Kunst oder anders gesagt, die Kunst ist unser Leben. Bei uns geht die Zeit anders.» Den Zimmern im «Grütli» haftet ein Hauch Kunst an: Ein Musik-, Theater-, Literaturzimmer soll es geben. Sie tragen die Handschrift nationaler Künstler wie Dimitri oder Marco Zappa.

Das paar pendelt künftig zwischen der Sonnenstube und Kölliken hin und her. Anfang Woche ist es hier, auch weil Christa Hunziker ein Pensum an der einheimischen Musikschule hat und Roland Hächler im Frühling im Dorfmuseum Kölliken zum Thema «Salz» ausstellt. Mitte Woche gehts ins wilde Centovalli. Gemeinsam. Auch in ihrer Beziehung leben die beiden «insieme» als wichtigen Grundsatz.

www.osteriagruetli.ch

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