Wynental

«Wir dürfen uns nicht verschliessen»

Martin Widmer an der Versammlung.

Martin Widmer an der Versammlung.

Gemeindeverband als Vermittler – aargauSüd impuls informierte Abgeordnete über kantonale Asylpläne.

Der Kanton will Grossunterkünfte für 3000 Asylsuchende einrichten – möglichst ohne Volksaufstand in den Standortgemeinden (die az berichtete). Unter anderem sollen die 12 Regionalplanungsverbände – neu organisiert in vier Asylregionen – dazu beitragen, dass es nicht so weit kommt. Von ihnen wird erwartet, dass sie ihre Verbindungen zu den Gemeinden spielen lassen und auch die Suche nach geeigneten Objekten koordinieren. Diese Asylregionen haben die Aufgabe, Ansprechpartner und Bindeglieder zu sein zwischen Kanton und Gemeinden.

Martin Widmer, Präsident des Gemeindeverbands aargauSüd Impuls, orientierte an der Abgeordnetenversammlung vom Donnerstagabend in Leimbach über die kantonale Asylpolitik und ihre Auswirkungen auf die Region.

Bereits über 200 Plätze gestellt

Widmer verglich die Soll- und Ist-Zahlen der Asylplätze gemäss Kanton in den einzelnen Regionen, was unter anderem bei einigen Abgeordneten zu Spontangelächter führte: Die Region AargauSüd müsste 116 Plätze zur Verfügung stellen, beherbergt aber bereits über 200. Andere Regionen haben da grössere Defizite: Lenzburg/Seetal (Soll 247 – Ist 87) erfüllt ein gutes Drittel des Solls. In der Region Mutschellen/Reusstal/Kelleramt müsste man 206 Plätze zur Verfügung stellen, habe aber keine.

Belastung verteilen

Neben AargauSüd erfüllten oder überträfen zur Zeit von 12 Regionalplanungsregionen nur Aarau, Zofingen und das Zurzibiet die Sollzahlen. Martin Widmer legt Wert auf eine Ausgewogenheit der Belastung, eine «regionale Ausgeglichenheit». Und er erwartet für die Arbeit der Regionalplanungsverbände in den Asylregionen finanzielle Unterstützung durch den Kanton, die, so Widmer, zugesagt sei.

Beschlossen ist die Schaffung von vier Asylregionen. AargauSüd gehört zusammen mit Aarau, Zofingen, Lenzburg/Seetal und Suhrental zur Region West. Die Region hat 1046 Plätze zur Verfügung zu stellen. Das heisst konkret: Zehn Grossunterkünfte. Im zweiten Quartal 2016 sollen in den Regionen Informationsveranstaltungen stattfinden. «Wir dürfen uns nicht verschliessen», sagte Martin Widmer, und ergänzte: «Wir müssen weiterhin das Undenkbare denken und leider auch das Unerwartete erwarten.» Er spielte damit auf die von der «Schweiz am Sonntag» publik gemachte «Eventualplanung für die ausserordentliche Notlage» an, was, so Widmer, zusätzliche 3000 Plätze erfordern würde.

Engagement gegen den chronischen Stau

«Früher war ich in 45 Minuten beim Flughafen; nun brauche ich gleich lange von Aarau bis Oberkulm», sagte Martin Widmer. Das Problem: In Suhr ist der Stau Alltag. Die Knoten «Rundhaus», «Bahnhof/Tramstrasse» und «Pfister» sind Knöpfe im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein Verein, die IG Ostumfahrung Suhr, will Abhilfe schaffen, indem er Druck auf den Kanton macht. Beat Rüetschi, Gemeindepräsident und Mitglied der IG, informierte die Abgeordneten und die sechs (von neun) anwesenden Grossräte des Bezirks. «Wir wollen die unerträgliche Verkehrssituation verbessern; das Wynental soll nicht abgeschnitten werden», sagte er. Bis zu 26 000 Fahrzeuge quälten sich täglich durch Suhr. Wenn die Barriere geschlossen sei, gebe es einen Rückstau bis nach Teufenthal. Und der Verkehr nehme jährlich zwei bis drei Prozent zu.

Hinter der IG Ostumfahrung Suhr stehen Firmen aus der Region, Arbeitgeber – auch für Arbeitnehmer aus dem Wynental. Zu den Gründungsmitgliedern aus dem Wynental gehören die Fischer AG Reinach und die Bandfabrik Huber & Co Oberkulm.

Beat Rüetschi warf einen Blick zurück. Die Ostumfahrung Suhr war um die Jahrtausendwende nach Staffelegg und Eigentrassierung WSB als weniger dringend eingestuft worden. «Jetzt müssen wir das in Angriff nehmen», sagte Rüetschi. «Wir sind froh um Mithilfe aus dem Wynental.» Er sprach damit nicht nur die Grossräte an, die auf politischer Ebene aktiv werden können, sondern auch Firmen und Privatpersonen als potenzielle Mitglieder. Privatpersonen sind mit einem Jahresbeitrag von 20 Franken dabei, während der Firmenbeitrag von der Zahl der Mitarbeiter abhängt. AargauSüd Impuls fungiert als Geschäftsstelle für die IG Ostumfahrung Suhr. (wpo)

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