Bottenwil
Winterbild aus der Versenkung geholt

Canova passt sein Panorama der Jahreszeit an – das Winterbild wird am Samstag enthüllt.

barbara vogt
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Giuseppe und Heidi Canova posieren vor dem Panoramabild «Winter im Uerkental», das zehn Meter lang ist. Ba

Giuseppe und Heidi Canova posieren vor dem Panoramabild «Winter im Uerkental», das zehn Meter lang ist. Ba

Im Atelier «Il Carrozzone», auf Italienisch Zirkuswagen, ist es kühl und herbstlich bunt: Das Bild «Herbst im Uerkental» hängt an einer Wand. Es ist kein gewöhnliches Bild in einem gewöhnlichen Rahmen, sondern eine vielseitige Panoramalandschaft auf einer zehn Meter langen Leinwand. «Das ist das längste Mass einer Leinwand», sagt Kunstmaler Giuseppe Canova (86) mit einem Augenzwinkern.

So eigen wie ein «Carrozzone» als Atelier ist, so eigen ist die Lebensgeschichte des Künstlers aus der Toskana: Eines Tages begegnete er auf einem der sieben Hügel Roms seiner Liebe Heidi. Die Liebe war so gross, dass der attraktive, etwas reifere Mann den Süden hinter sich liess und zu seiner um viele Jahre jüngeren Frau nach Bottenwil zog. «Die Liebe hat bis heute angehalten», sagt Giuseppe Canova. Kein Wort Schweizerdeutsch spricht er, seine Frau übersetzt geduldig.

Landschaftsbild invier Ausführungen

Die Landschaft des Panoramabilds malte Canova viermal: im Winter, Frühling, Sommer und Herbst. Die Kulisse ist ebenfalls die gleiche, eine Rundsicht auf die Hügel und das Tal, in dem Bottenwil liegt. Auf Streifzügen mit seiner Frau landete Canova eines Tages auf dem Bottenwiler «Forehoger» und er wusste: Von hier aus soll die Panoramalandschaft «Vier Jahreszeiten im Uerkental» entstehen.

Um sich an diese Idee zu gewöhnen, malte er im nächsten Winter ein Bild von diesem unscheinbaren Hügel aus. «Der Schnee lag hoch, der Wind war eisig, und ich kehrte halb erfroren nach Hause zurück.» Doch das Gemälde wurde fertig und hängt heute in der Gemeindeverwaltung Bottenwil.

Für das Malen der vier Panoramen brauchte Giuseppe Canova um einiges länger als nur einen Winter lang: «Elf Jahre», zählt der Maler. 1977 begann er mit dem Winter, 1986 setzte er den letzten Pinselstrich auf das Sommerbild. Als Vorbereitung waren Hunderte von Skizzen und Diapositiven nötig, da Canova nicht im Freien und schon gar nicht im Winter eine Leinwand von zehn Metern aufstellen konnte. Die Rundsichten malte er in seinem Atelier.

Des Künstlers Lieblingsbild ist der Winter. Er sei fasziniert von Schatten und Licht. Doch auch die satten Farben der Sommerlandschaft, auf der man sogar einen Zipfel des Juras erhascht, gefällt ihm: «Nie habe ich geglaubt, solche Grüntöne hervorzubringen», erklärt Canova. «Ich habe keine einzige Tube Grün und in der Toskana kommt diese Farbe nie so intensiv vor.»

Der Clou der Panoramabilder ist, dass der Künstler sie beliebig auswechseln kann. Er hat dafür ein System erfunden: Mittels Seilwinde und Rollen zieht er die vier Bilder aus der Versenkung hoch und lässt sie wieder runter. Auf seine Erfindung ist er stolz: «Die Inspiration kommt aus der Toskana. Auf den Schiffen am Hafen gibt es die gleiche Konstruktion.»

Panoramawechsel Am Samstag, 4. Dezember, wird der «Winter im Uerkental» aufgezogen. Die Öffnungszeiten:
Fr, 3.12., 13–17 Uhr; Sa, 4.12.,13–17 Uhr
(16 Uhr Panoramawechsel mit Apéro); So, 5.12., 13–17 Uhr; 10.,11. und 12.12.,
jeweils 13–17 Uhr.

www.canovagiuseppe.ch