Triengen
Windpark sorgt für Diskussionen im Luzernischen

Der Trienger Gemeinderat möchte den Windpark über dem Su(h)rental – Teile der Bevölkerung sind kritisch eingestellt. Dies zeigte sich an der dritten Informationsveranstaltung, welche dieses Mal auf Luzerner Boden stattfand.

Peter Weingartner
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Die CKW zeigt, was man von den Windrädern sehen kann.

Die CKW zeigt, was man von den Windrädern sehen kann.

wpo

Wie stehen die Trienger zum geplanten interkantonalen Windpark auf Kulmerauer und Kirchleerauer Boden? Die Meinungen gehen auseinander. «Mir ist der Anblick von vier Windrädern lieber als Gösgen», meinte Dorothea Steinmann. Fundamentalopposition äusserte Walter Frey. Er sieht in den Windrädern «Ungetüme», die abschreckten. Dies in einer «wunderschönen Wohngegend», die in 10, 20 Jahren noch mehr besiedelt sein werde: «Dann wird man es bedauern, sie aufgestellt zu haben.» Er stellte auch den Nutzen der vier Räder infrage.

Wanderung zum Windkraftwerk Lutersarni

In den letzten beiden Wochen hat die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW) in Kirchleerau, Schmiedrued und Triengen über den geplanten Windpark in Kirchleerau/Kulmerau informiert. Damit sich die Bevölkerung auch ein Bild vor Ort mache kann, lädt die CKW zu einer 2,5-stündigen Wanderung zum Windkraftwerk «Lutersarni» im Entlebuch ein. Diese findet am 28. Juni 2014, 10.00 Uhr, ab Finsterwald/LU, statt. Wer nicht wandern möchte, kann auch direkt auf die Alp Lutersarni kommen. Peter Suter, Leiter Neue Energien bei CKW, und ein weiterer Fachmann werden von 10 bis 15 Uhr vor Ort sein und Fragen beantworten. Die Anreise von Kirchleerau und Triengen bis Lutersarni dauert mit dem Auto etwa 50 Minuten, bis Finsterwald etwa 45 Minuten. Anmeldungen bis 21. Juni 2014 beim Wanderleiter. (az)

Peter Suter, Leiter Neue Energien bei den Centralschweizerischen Kraftwerken (CKW) stellte das Offensichtliche nicht in Abrede: «Windanlagen kann man nicht verstecken.» Doch könne man sich an den Anblick gewöhnen oder, wie die Entlebucher Touristiker, sie sogar in Prospekten zeigen.

Zudem seien Windräder nach 20, 25 Jahren Betrieb auch rückbaubar, falls man dannzumal bessere Lösungen habe, die durch den Ausstieg aus der Atomenergie entstehende Versorgungslücke zu stopfen. «Wir stehen als Gemeinderat hinter dem Projekt», sagte Gemeinderat Martin Ulrich. Der Gemeinderat ist bestrebt, als Energiestadt Zeichen zu setzen.

Das Windpark-Projekt in Triengen und Kirchleerau
7 Bilder
Ein Luftbild des Windkraft-Projekts in Triengen und Kirchleerau (Visualisierungsbild)
 (Visualisierung)
Die SIcht aus Winikon (Visualisierung)
Die Sicht aus Richtung Walde (Visualisierung)
Hochrüti (Visualisierung)
Kiesgrube (Visualisierung)

Das Windpark-Projekt in Triengen und Kirchleerau

Visualisierung/CKW

Im Portemonnaie spürbar?

Peter Willimann stellte die Frage nach dem handfesten pekuniären, nicht dem ideellen, Nutzen eines Windparks: Erhalten die Grundbesitzer Entschädigungen für Lärm und Schattenwurf? Was hat die Gemeinde von der Anlage? Peter Suter verwies auf das Risiko des Investors, der CKW, und die Kosten für Verzinsung und Amortisation einer solchen Anlage. Es könne keine Rede davon sein, dass die CKW sich eine goldene Nase verdiene.

«Akzeptanz ist nicht mit Geld abzugelten», sagte Suter. Martin Ulrich äusserte die Erwartung, dass das einheimische Gewerbe beim Bau nach Möglichkeit berücksichtigt werde. Suter stellte in Aussicht, dass sich interessierte Bürger an einem der vier Räder beteiligen könnten.

Warum Windparks in der Nähe bewohnter Gebiete? Weil es in der Schweiz kaum Gebiete gebe, die unbewohnt und geeignet seien, konterte Suter die Frage eines Votanten. Zudem müsse auch die Einspeisung der Energie gegeben sein, und der Verbrauch der Energie falle halt in bewohnten Gebieten an. Mehrfach wurde der grosse Trumpf der Windenergie betont: Windräder liefern am meisten Energie im Winter, wenn die Sonne schwächelt. Wind- und Solarenergie ergänzten sich ideal.

Josef und Rita Kaufmann von der Liegenschaft Risi oberhalb von Kulmerau, die zwischen den beiden geplanten Kirchleerauer und den Kulmerauer Windrädern liegt, bemängelten die mangelhafte Informationspolitik der CKW. «Tragisch, dass ich mich den Herren vorstellen muss», sagte Josef Kaufmann.

Sie haben aus den Medien vom Projekt erfahren und «hätten erwartet, dass man auf uns zukommt». Suter räumte ein, dass sie noch nicht mit allen Betroffenen das Gespräch hätten suchen können, bot ein solches aber an. Sie seien nicht grundsätzlich dagegen, meinte Rita Kaufmann, doch möchte sie keinen Mont Soleil. «Es besteht keine Absicht, mehr als vier Windräder aufzustellen», beruhigte Suter.

Zonenplanänderung nötig

In Triengen wie in Kirchleerau bedarf es einer Zonenplanänderung. Diese sollte im besten Fall 2015 vor die Gemeindeversammlungen kommen. 2016 – so der ambitionierte Plan der CKW – könnte das Baubewilligungsverfahren mit Einsprachemöglichkeiten laufen. Frühestens 2017 können die vier Räder gebaut und in Betrieb genommen werden.

Kaum Einsprache machen dürften Otto und Hanni Hunziker vom Karrenhof auf Schmiedrueder Boden. Dies, obwohl sie die nächsten Anwohner sind: 300 Meter Distanz. «Wollen wir zurück auf die Bäume?», fragte Otto Hunziker beim Apéro.

Er könne sehr gut damit leben, ein Windrad als Nachbar zu haben, sagt er. Auch andere Ruedertaler wollten sich in Triengen ein Bild machen. «Lieber Windräder im Blickfeld als AKWs im Nacken», meinte Josef Brunner.

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