Tipps der Kapo
Wie schützt man sich im Alter vor fiesen Dieben?

Senioren sind oft Opfer von Diebstahl. Sie können sich kaum wehren. Mit einfachen Tipps lassen sich Diebstahle vermeiden. Ein spannender Seniorennachmittag in Menziken mit Rolf Mohn, dem Berater der Kantonspolizei Aargau.

Peter Siegrist
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«Wohnungstüren sind grundsätzlich abzuschliessen und allenfalls mit einer Kette zu sichern. Viele Einbrüche geschehen tagsüber», sagt die Polizei.Fotolia

«Wohnungstüren sind grundsätzlich abzuschliessen und allenfalls mit einer Kette zu sichern. Viele Einbrüche geschehen tagsüber», sagt die Polizei.Fotolia

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Die 74-jährige Dame wollte nur kurz in der Migros einkaufen und anschliessende auf der Poststelle etwas erledigen. Ihre Tasche hängte sie wie gewohnt offen an den Einkaufswagen und durchquerte den Laden. Als sie an der Kasse bezahlen wollte, führte ihr Griff in die Tasche ins Leere, das Portemonnaie fehlte.

Weder auf dem Boden noch in der Jackentasche, nirgends war der Geldbeutel zu finden. Für die Frau gab es nur eine plausible Erklärung. Während sie im Kühlregal ein bestimmtes Produkt suchte, hatte wohl eine Diebin das Portemonnaie aus der Tasche gestohlen.

Das Schlimme an der Sache: Die Frau hatte viel Bargeld bei sich, um auf der Post Einzahlungen zu tätigen. Auch der herbeigerufene Geschäftsführer konnte nichts mehr ändern, ein Dieb wurde nie gefunden.

«Genau so läuft es häufig ab», erklärte Rolf Mohn von der Kantonspolizei Aargau, «ein klassisches Beispiel.» Mohn referierte in Menziken am Seniorennachmittag im Kirchgemeindehaus zur «Sicherheit im Alter».

Rolf Mohn von der Kapo referiert am Seniorennachmittag in Menziken zu «Sicherheit im Alter»

Rolf Mohn von der Kapo referiert am Seniorennachmittag in Menziken zu «Sicherheit im Alter»

Peter Siegrist

Ein vermeidbarer klassischer Fall

Der Polizist illustrierte den Fall mit weiteren Bildern, mit gestellten und mit solchen aus Überwachungskameras. Wieder liegt eine Handtasche offen im Einkaufswagen und von hinten nähern sich zwei Frauen. «Sehen Sie das Besondere?», fragte Mohn.

Ein Raunen ging durch die Reihen, eine Frau rief spontan: «Die haben weder Einkaufswagen noch Tasche bei sich, die wollen gar nicht einkaufen.»

Genau, so laufe es ab, sagte Mohn. Deshalb gelte es achtsam zu sein, sein Portemonnaie am besten in einer Innentasche zu tragen und nie aus den Händen zu legen. «Taschendiebe treten meist in Gruppen auf, lenken das Opfer ab und greifen zu.»

Rolf Mohn: «Hören Sie lieber einmal mehr auf den Bauch statt auf den Kopf»,

Rolf Mohn: «Hören Sie lieber einmal mehr auf den Bauch statt auf den Kopf»,

Peter Siegrist

Die Frauen in den gezeigten Beispielen hätten gleich zweimal unachtsam gehandelt. Immer wieder gäbe es Senioren, die auf der Bank das Geld für ihre Steuern in bar abheben würden, um nachher mit dem gelben Postquittungsbüchlein in der Hand am Postschalter einzuzahlen. «Viel zu gefährlich», so Mohn, «zahlen Sie bargeldlos mit der Postkarte, mit Zahlungsaufträgen oder online.» Das Nicken der Zuhörer zeigte an, Onlinebanking ist für viele Senioren kein Fremdwort mehr.

Netter junger Mann am Telefon

Auf grosses Interesse stiessen Mohns Ausführungen zu den «Enkel»-Betrügern. Ein Telefon, ein netter junger Mann erklärt der Seniorin, er sei ein Verwandter von ihr, sie wisse doch. «Wer hat so etwas schon erlebt?», fragte Mohn in die Runde. Ein Dame meldete sich: «Ein junger Mann rief mich an. Er tönte unglaublich nett und sympathisch, er erklärte mir, er sei in Not.» Dann sei sie misstrauisch geworden und habe gefragt: «Bist du Rüdiger?». Da habe der nette junge Mann das Gespräch abgebrochen und aufgehängt.

Nicht alle Menschen ahnten die Gefahr, so Mohn, immer wieder fielen ältere Menschen auf diese Betrüger herein. Mohn zeigte auf, wie gut diese Banden organisiert sind. Der Bandenchef sitze vielleicht in Polen und beschäftige seine sprachkundigen «Anrufer» in Deutschland, der Schweiz, oder Luxemburg etwa. Mittels des Telefonbuches würden gezielt Adressen gesucht. Die Anrufer erzählten den künftigen Opfern am Telefon ihre «Erbarmensgeschichten. «Liebe Tante, ich bin arbeitslos, meine Frau ist krank, das Kind im Spital und der Hund am Sterben, ich brauche Hilfe.» Beisse ein Opfer an, dann kämen die Logistiker ins Spiel, die das Abholen der Summe organisierten. Häufig würden ein «Anwalt» oder «Notar» vorgeschickt, weil der «Enkel» gerade verhindert sei. «Die Betrüger appellieren an die Hilfsbereitschaft», sagte Mohn. «Immer wieder gibt es Senioren, die auf der Bank von ihrem Ersparten abheben und es weitergeben. Was wäre zu tun? «Es gibt nur eines, wenn man Verdacht schöpft: die Polizei benachrichtigen, und zwar rasch.»

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Das Repertoire von Dieben und Betrügern sei gross, erklärte Mohn: Die Frau, die klingelt, Übelkeit vortäuscht und für ein Glas Wasser um Einlass bittet und dann Schmuck und Bargeld entwendet; der Mofafahrer, der es auf die Handtasche abgesehen hat und im Fahren zupackt; der traurige Sammler, der vor der Haustüre oder auf offener Strasse, Spenden erbettelt, und dessen Kontonummer ins Ausland führt. Und neu die Betrüger, die im Internet zum Beispiel Oldtimer oder antike Möbel anbieten, Bestellung und Geld kassieren, aber nie liefern.

Mohn erklärte seinen Zuhörern, es stimme zwar, dass viel geschehe und in den Medien auch viel darüber berichtet werde. Es gäbe Betrüger und Taschendiebe, «aber wir sind dennoch hier bei uns nicht von Verbrechern umzingelt.» Wichtig sei, immer aufmerksam und vorsichtig zu sein. Mohn wies auf die Bedeutung der Nachbarschaftshilfe hin. «Zeigen Sie Mitverantwortung für ihre Nachbarn. Wenn Nachbarn einander aushelfen, Garten und Haus hüten bei Abwesenheiten. Und wenn Sie Verdächtiges bemerken: sofort ein Telefon an die Polizei. Hören Sie lieber einmal mehr auf den Bauch statt auf den Kopf», schloss Mohn sein Referat.

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