Schöftland
Wie Jeanette Ruf sich Suppe um Suppe selbständig machte

Die Geschichte von Jeannette Ruf handelt nicht nur von einer guten Idee. Sie erzählt auch von Krankheit, Liebe und der Rückkehr in die Berufswelt. Ihre Suppe verkauft Jeanette Ruf gleich im Brot und wurde dafür sogar ausgezeichnet.

Aline Wüst
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Dann wird die Suppe in das Brötchen gefüllt
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Die Brötchen werden ausgehöhlt
Jeanette Ruf macht Suppe mit Brot
Und fertig ist die Kresänzli-Suppe von Jeanette Ruf
Jeanette Ruf mit ihrer Suppe im Brötchen

Dann wird die Suppe in das Brötchen gefüllt

Chris Iseli

Beginnen wir mit der guten Idee. Ruf sucht gern Pilze im Wald. Weil das immer weniger Menschen gern tun, leidet auch der Pilzverein Muhen an Mitgliederschwund. Am Kölliker Strohhausmarkt, sollten darum neue Mitglieder angeworben werden. Für die traditionellen Pilz-Pastetli fehlten allerdings die Pilze. Und weil ein Pilzverein ganz ohne Pilze eine triste Angelegenheit ist, bot sich Ruf an, eine Champignons Crèmesuppe zu kochen. Aber wie bloss serviert man eine Suppe zum Mitnehmen, ohne dass viel Abfall entsteht? Die Lösung ist bestechend einfach: Die Suppe wird ins Brötchen abgefüllt.

Das Brötchen mit spezieller Kruste ertüftelte die heute 44-jährige Ruf mit einer befreundeten Bäckerin. Das Brot, das sie beim Aushöhlen rausnimmt, verwertete sie in der Suppe. Alle Zutaten kommen vom Kleingewerbe aus der Region, bleibt etwas übrig, schenkt sie es dem regionalen Männerhaus. Eine runde Sache.

Die Auszeichnung

Seit einem Jahr verkauft Ruf ihre Suppe mit dem Namen «Kresänzli» an Märkten und sie übernimmt auch das Catering bei Anlässen. Ein bisschen war der Beginn von Kresänzli auch der Beginn eines neuen Lebens für Jeannette Ruf. Deren bisherige Krönung die Auszeichnung ihrer Geschäftsidee am Creativity Award von Idee Suisse in Basel war. «Ich als Arbeitslose stand da vorne und wurde dafür ausgezeichnet, dass ich ein Brötchen nehme, aushöhle und reinfülle, was gerade wächst», sagt Ruf bescheiden.

Der Zusammenbruch

Der Tiefpunkt ihres bisherigen Lebens war vor genau 10 Jahren. Ruf war damals alleinerziehend. Irgendwann wurde alles zu viel und Ruf lag zitternd am Boden ihrer Wohnung. Der Körper versagte. Alles, was sie vorher krampfhaft aufrechtzuerhalten versuchte, brach zusammen. Sie wies sich in eine Klinik ein. Diagnose: Erschöpfungsdepression. Sich das einzugestehen sei hart gewesen, sagt Ruf. Fünf Jahre brauchte sie, um wieder gesund zu werden.

Geholfen dabei hat ihr Hansueli Buchser. Getroffen hat sie ihn das erste Mal eineinhalb Jahre nach dem Zusammenbruch in Schöftland am Postomaten. Er gefiel ihr und sie fragte eine Freundin, wer das sei. «Ich fing regelrecht an, ihn zu beschatten.» Mit der Zeit wusste sie, wann er im Coop einkaufte und merkte, wer so einkauft, kann nur Single sein: kleine Portionen und nie irgendwelche Frauensachen. Eines Tages traute sie sich endlich, ihn anzusprechen. Vor zwei Jahren heirateten sie.

Doch je besser es Ruf ging, desto kränker wurde Buchser, der an multipler Sklerose leidet. Es gebe gute und schlechte Tage. «Wir geniessen die guten Tage.»

Seit Buchser nicht mehr arbeiten kann, unterstützt er seine Frau so gut es geht. Ruf hat während ihrer Krankheitszeit einen KV-Abschluss nachgeholt. Heute arbeitet sie 40 Prozent in diesem Bereich und lebt den Traum von der Suppe im Brot immer weiter. Ihr berufliches Comeback verdankt sie nicht zuletzt dem Amt für Wirtschaft und Arbeit.

Es bewilligte die Abrechnung ihrer Geschäfts im Zwischenverdienst und unterstützte sie im Weg in die Selbstständigkeit. Ihr Berater Lubomir Rachunek vom Amt für Wirtschaft und Arbeit, sagt: «Frau Ruf ist ein aussergewöhnlicher Mensch.» Sie sei eine echte Unternehmerin, die aus nichts eine gute Geschäftsidee aus dem Boden stampfe, die funktioniere und von der die Leute begeistert sind.