Uerkheim
Wie es zwei Automechs aus Uerkheim nach Uganda verschlug

Für die Sendung «Jobtausch» tauschen zwei Automechaniker aus Uerkheim ihren Job mit zwei Berufskollegen aus Uganda. Satt in einer Auto-Garage arbeiten Simon Räbmatter und Nicolai Wildi auf einem afrikanischen Schrott-Platz.

Mario Podzorski
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Simon Räbmatter (l.) und Nicolai Wild reparieren in Kampala mit einfachen Mitteln einen Motor.

Simon Räbmatter (l.) und Nicolai Wild reparieren in Kampala mit einfachen Mitteln einen Motor.

SRF

Als WC dient ein Loch im Boden, gegen die Fliegen schütten die Mechaniker Altöl über die Exkremente. Autowracks sind meterhoch aufeinandergestapelt, leere Flaschen und Plastiksäcke liegen auf dem Boden rum. Die Gabuayeri Waswa Garage in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, sieht eher aus wie ein Schrotthaufen als eine Werkstatt. Gearbeitet wird mittendrin auf der braunen, staubigen Erde, ein Dach gibt es nicht. «Frauen mit Kindern spazieren über den Platz, ab und zu zündet jemand einen Pneu an und kocht sich darauf etwas», erzählt Simon Räbmatter.

Für die Sendung «Jobtausch» arbeiteten die beiden Automechaniker Simon Räbmatter (23) und Nicolai Wild (26) eine Woche in der Gabuayeri Waswa Garage von Lule Kizito in Kampala, Uganda. Zwei Mechaniker von dort arbeiteten währenddessen in der Garage Urs Räbmatter, wo Räbmatter und Wild angestellt sind. Der Beruf war derselbe, die Bedingungen aber total anders. Die Reality-Soap «Jobtausch» von Schweizer Radio und Fernsehen SRF zeigt, wer sich im fremden Umfeld besser schlägt. Für die Sendung reisten schon Bäcker aus Altishausen nach Kampala, Wäschereimitarbeiter aus Bern nach Neu Delhi und Müllmänner aus Kriens nach Rio de Janeiro.

Jeder Motor wieder zum Laufen gebracht

«Die Chance ist klein, dass man eine solche Gelegenheit ein zweites Mal erhält», sagt Räbmatter. «Ich wollte etwas Neues sehen», erklärt Wild. Mit einem Kulturschock hatten sie gerechnet. Trotzdem: «So schlimm, wie es dann war, haben wir es uns aber nicht vorgestellt», fügt Räbmatter hinzu.

Eine Blechkiste mit ein paar Schraubschlüsseln und einer Zange, die nicht mehr richtig schloss, ausserdem etwas, das ein Schraubenzieher hätte sein sollen, und eine Einspritzdüse — mehr gab ihr Chef Kizito Räbmatter und Wild nicht. Für einen Kunden sollten sie so den Motor wieder zum Laufen bringen. Was die herumliegenden Autowracks an Ersatzteilen nicht mehr hergaben, besorgen sie sich auf dem Markt in der Nähe. Dort fanden die Automechaniker Kurbelwellen und Zündkerzen zwischen Bananen. «Wir haben jeden Motor wieder zum Laufen gebracht», sagt Wild. Trotz der ungewohnt bescheidenen Mittel.

Heuschrecken statt Rinderkopf

Nicht nur die Werkstatt, auch Land und Leute sollten die beiden Automechaniker kennenlernen. Aber beim Grillieren den Rinderkopf essen, das ging Räbmatter zu weit. Als die Gastgeber den Plastiksack mit dem Kopf darin öffneten, stob ein Schwarm dicker Fliegen davon; der Kopf landete auf dem Grill. «I’m Vegetarian», log Räbmatter. Aber die Heuschrecken würde er probieren, bot er seinem Chef und Gastgeber Kizito an. «Gar nicht so schlecht, sie schmeckten nach Haselnuss», fand Räbmatter.

Polizeischutz von früh bis spät

Drei Polizisten begleiteten die Automechaniker von früh bis spät, über Nacht wurde das Fenster zu ihrem Zimmer mit einem Seil zugebunden. Als Weisser, dazu mit Arbeitskleidung und robusten Schuhen, sei es in Kampala nicht ungefährlich, erklärt Wild. Beim Grillieren des Rinderkopfs stürmten gegen 50 Einheimische auf das Feuer zu und krallten sich das Fleisch. Der Grill stürzte um, die Kohle prasselte gegen Räbmatters Arbeitshose und -schuhe. Kaum war die Szene fertig gedreht, seien der Kameramann, er und Wild ins Auto gehüpft und davongerast, erzählt Räbmatter.

Nach einer Woche Polizeischutz und Kamera war Wild froh, wieder in die Schweiz fliegen zu können. Er nehme viele Eindrücke mit nach Hause, viel gelernt habe er aber nicht, sagt Räbmatter. «Aber wie man Heuschrecken zubereitet, das weiss ich jetzt», grinst er.

Die Sendung «Jobtausch» wird heute um 21 Uhr auf SF 1 ausgestrahlt.