Schlossrued
Wie das Schloss fast zerstört und wieder ein Juwel wurde

Diese Woche wird die Sanierung von Schloss Rued abgeschlossen. Es dauerte lange, bis es soweit war: Acht Jahre lang wurde gebohrt, gehämmert und gestrichen. Der ehemalige Eigentümer hatte das Schloss völlig verwüstet.

Flurina Dünki
Merken
Drucken
Teilen
Das frisch Sanierte Schloss Rued.
8 Bilder
Das Schwimmbad – hier auf einem Foto aus dem Preiswerk-Archiv – hat die Erowa durch einen Brunnen ersetzt.
Schloss Rued am Ende der Strittmater-Ära Das Schloss Rued wurde am 20.10.06 betreibungsrechtlich versteigert. Eine Woche zuvor konnte man sich an einem Tag der offenen Tür ein Bild machen von der maroden Anlage.
Schloss Rued am Ende der Strittmater-Ära Das Schloss Rued wurde am 20.10.06 betreibungsrechtlich versteigert. Eine Woche zuvor konnte man sich an einem Tag der offenen Tür ein Bild machen von der maroden Anlage.
Schloss Rued am Ende der Strittmater-Ära Das Schloss Rued wurde am 20.10.06 betreibungsrechtlich versteigert. Eine Woche zuvor konnte man sich an einem Tag der offenen Tür ein Bild machen von der maroden Anlage.
Schloss Rued am Ende der Strittmater-Ära Das Schloss Rued wurde am 20.10.06 betreibungsrechtlich versteigert. Eine Woche zuvor konnte man sich an einem Tag der offenen Tür ein Bild machen von der maroden Anlage.
Schloss Rued am Ende der Strittmater-Ära Das Schloss Rued wurde am 20.10.06 betreibungsrechtlich versteigert. Eine Woche zuvor konnte man sich an einem Tag der offenen Tür ein Bild machen von der maroden Anlage.
Die Wandlung von Schloss Rued über die Jahrzehnte

Das frisch Sanierte Schloss Rued.

Sandra Ardizzone

In diesen Tagen strahlt das Schloss Rued von seiner Anhöhe auf Schlossrued herab. Kein Wunder: Seine acht Jahre dauernde Schönheitskur ist vollbracht. Keine Gerüste umhüllen es mehr, Kein Plastik schützt mehr die kunstvollen Kachelöfen und die Scharen von Handwerkern, die im Schloss hämmerten, bohrten und malten, sind abgezogen. Am Samstag wird es mit einem riesigen Fest für die Bevölkerung wiedereröffnet.

In aufwendiger Renovierungsarbeit wurde das Gebäude zum Seminar- und Kongresszentrum umgestaltet. Die Räume des Herrschaftshauses, das einst Wohnsitz der Familiendynastie May von Rued und später Sommerresidenz der Pharma-Adel-Familie Preiswerk war, dienen ab jetzt der Öffentlichkeit.

Statt des Echos eines Schlossherrn-Stocks wird das Stimmgewirr von Konferenzbesuchern durch das Haus hallen, statt auserwählten Aristokraten werden Hochzeitsgäste im Saal tafeln. Geheiratet werden kann zuvor auch gleich im Schloss – es ist seit Kurzem in der Auswahl der Standorte des Regionalen Zivilstandsamts Schöftland.

Schlossherren kamen und gingen

Könnte man den Schlossgeist befragen, er würde Bände erzählen über seine Beobachtungen im Schloss Rued. Etwa über den desaströsen Zustand der Räume, wie sie von Herbert A. Strittmatter, Eigentümer von 1989 bis 2006, hinterlassen worden waren. Das Ausmass der von ihm angerichteten Verwüstung kam erst nach der Zwangsversteigerung zum Vorschein.

Die Erowa AG, die Reinacher Firma des Ersteigerers Hans Hediger, entwickelt Werkzeuge und Fertigungstechnologien. Ein gutes Omen für das damals heruntergekommene Gebäude – und ans Werk, das machte sich die Erowa gründlich. Erst durch Evaluierung, welcher Zweck Schloss Rued in Zukunft zukommen soll, dann mit der Gesamtrenovierung.

Mit 73 Jahren noch kein Schlossgeist, aber mit fast demselben Wissensschatz ausgestattet ist Viktor Würgler. Während seiner Zeit als Schlossrueds Gemeindeschreiber zwischen 1966 und 2010 sah er mehrere Schlossherren und –damen kommen und gehen.

Als er sein Amt antrat, war Marcellina Preiswerk-Gams Eigentümerin von Schloss Rued. Sie hatte das Anwesen 1955 von ihrem Vater Anton Alphons Gams geerbt, der einst Direktor des Pharmaproduzenten Ciba war. Ihr Mann Eduard Preiswerk war Chemiker und hatte 1944 den Klebstoff Araldit miterfunden.

Nicht renovierungsfreudig

«Dr. Preiswerk war sehr distanziert», sagt Würgler über den Schlossherrn, der das Schloss mit seiner Frau und den drei Kindern als Sommerresidenz nutzte. Sei von den Kindern öfter mal eines ins Dorf runtergekommen, habe sich der Vater nicht volksnah gegeben. Am Schloss, das Ende des 18. Jahrhunderts nach einem Brand komplett neu aufgebaut wurde, hätten die Preiswerks praktisch keine Renovierungsarbeiten vorgenommen.

Anders deren Pächterfamilie Niklaus, die das Knappenhaus und die Hochstudscheune neben dem Schloss bewohnte. Sie betrieb Land-, Vieh- und Milchwirtschaft auf der riesigen, 18 Hektaren umfassenden Landwirtschaftsfläche um das Schloss. «Dank eines tiefen Pachtzinses konnten sie einige Arbeiten an ihren Wohnhäusern vornehmen», so Würgler.

Die dunkle Ära

An den Nachfolger der Preiswerks erinnert sich der pensionierte Gemeindeschreiber nur ungern. 1989 kaufte Herbert A. Strittmatter das Schloss. Ein Unternehmer mit vielen Mandaten – viele dieser Firmen gingen jedoch während seiner Zeit als Schlossbesitzer Konkurs.

«Die Gemeinde hätte das Schloss selbst gerne erworben», sagt Würgler, «wir sind eng mit dem Schloss verbunden und wollten es der Spekulation entziehen.» Trotz Kontaktaufnahme mit dem Kanton scheiterte der Kauf durch die Gemeinde an den Kosten, denn zum Kaufpreis wären horrende Renovationskosten hinzugekommen. Und dann sei er aufgetaucht: Strittmatter.

«Er hat auf verantwortungslose Art gewütet», fasst Würgler die Ära Strittmatter zusammen. Zwar startete er ein Sanierungsprojekt, stellte dafür aber keine Fachleute an, sondern habe billige Arbeiter aus Osteuropa einfliegen lassen. Bei der Ansicht des Resultats hätte sich Schlossherr Carl Friedrich Rudolf May von Rued wohl im Grabe umgedreht: Nicht nur verstanden die Arbeiter nichts von ihrem Handwerk, auch liess Strittmatter viele wertvolle Kunstschätze wie Original-Türen oder antike Öfen herausreissen und verkaufen. Ein Zeichen dafür, dass es mit seinen Firmen abwärts ging.

Würgler erinnert sich, dass sich Hans Hediger gleich nach der Ersteigerung auf die Suche nach den verkauften Objekten machte. «Er hatte Glück, konnte einige Käufer ausfindig machen und gewisse Stücke zurückkaufen.» Wozu nutzte Strittmatter überhaupt das Schloss? Würgler runzelt die Stirn und zitiert, wie Strittmatter die Nutzung umschrieb: «Ich funktioniere das Schloss um, denn das Unternehmen hat adäquate Business-Kundschaft, die adäquat beherbergt werden muss.»

Kauf durch Erowa

Irgendwann, so Würgler, sei nichts mehr gelaufen. Strittmatter liess es zur Zwangsversteigerung kommen. Dies jedoch erst, nachdem er eine Ausparzellierung vorgenommen hatte, die Schloss, Knappenhaus und Waschhaus beinhaltete.

Den grossen Rest des Grundstücks mit Scheune, Bauernhaus und Landwirtschaftsland verschenkte Strittmatter an seine Partnerin Barbara Mühlebach, der es noch heute gehört und die es durch Schlossrueder Bauern bewirtschaften lässt. Selbst der Herrenweg, der Zugangsweg zum Schloss, gehört nicht zur Schloss-Parzelle und ist nur dank eines Wegrechts durch Schlossbesucher begehbar.

Nach dem Versteigerungszuschlag an die Erowa verzogen sich die Wolken über dem Schloss. Der Tag des Kaufs sei ein Glückstag gewesen, sagt Würgler. Die Firma kaufte später auch das Restaurant Storchen und das Tanzhüsli und machte sich 2010 an die Renovierung des Schlosses. Zwar liessen gemäss einer Umfrage der AZ 2013 Bauverzögerungen bei der Bevölkerung zwischenzeitlich gewisse Befürchtungen und böse Erinnerungen an den Vorbesitzer aufkommen.

Doch der neue Schlossherr sollte Wort halten: Die Arbeiten wurden wieder aufgenommen und in enger Zusammenarbeit mit der Aargauer Denkmalpflege vollendet. Grosszügig hat sich diese bei der Zustimmung des Lifts gezeigt, der gehbehinderte Besucher in die oberen Stöcke führt. Ein wichtiges Element für die Wandlung vom Herrschaftsschloss zum Volksschloss.

Das Schloss Lenzburg zählt zu den bedeutendsten Höhenburgen der Schweiz.
38 Bilder
Nach der Eroberung des westlichen Aargaus durch die Stadt Bern 1415 diente das Schloss Lenzburg als Sitz der Berner Landvögte...
... bis es 1804 in den Besitz des Kantons Aargau gelangte.
Das Schloss Hallwyl ist eines der bedeutendsten Wasserschlösser der Schweiz.
Schloss Hallwyl befindet sich auf zwei Inseln im Aabach, nahe des Hallwilersees. Es liegt im Gemeindegebiet von Seengen
Seit 1925 ist es öffentlich zugänglich, seit 1994 im Besitz des Kantons.
Schloss Habsburg: Die um 1030 gegründete Doppelburg ist der namensgebende Stammsitz der Habsburger, die nach ihrem glänzendem Aufstieg im Spätmittelalter ein Weltreich beherrschten.
Heute beherbergt das Schloss Habsburg eine kleine Ausstellung zur Bau- und Siedlungsgeschichte und Räumlichkeiten für ein Restaurant.
Seit 1804 ist die Habsburg im Besitz des Kantons.
Schloss Wildegg steht rund achtzig Meter oberhalb von Wildegg.
Zuvor war es im Besitz der Familienkiste Effinger. Die Letzte der Linie, Julie von Effinger, starb 1912 ohne Nachkommen und vermachte das Schloss der Eidgenossenschaft.
Seit Anfang 2011 ist es im Besitz des Kanton Aargau.
Schloss Bellikon: Erbaut wurde es im 14. Jahrhundert. Es befindet sich in einer ausgedehnten Parkanlage, hoch über dem Reusstal auf einer Terrasse des Heitersbergs.
Schloss Hilfikon: 1290 wurde es erbaut. Es ist nur selten öffentlich zugänglich.
De Unternehmerin Louise Schellenberg kaufte das Schloss 1961. Ihr gehört es auch heute noch. (Archivbild)
Schloss Rued in Schlossrued steht nordöstlich des Dorfzentrums auf einer Hügelkuppe. Im Frühling 2018 wurde die jüngste Sanierung abgeschlossen.
Schloss Wildenstein ist das Wahrzeichen von Veltheim (Bezirk Brugg)
Schloss Wildenstein aus der Vogelperspektive – es liegt rund 1,5 Kilometer südlich des Dorfkerns.
Seit 2010 ist der Suhrer Unternehmer Samuel Wehrli Eigentümer von Schloss Wildenstein.
Der Hof von Schloss Wildenstein.
Wehrli liess das Schloss umfassend sanieren und will es der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Schloss Böttstein ist seit 1. Juli 2017 in Privatbesitz. Die Axpo hat es an Pearl Anthony Lauper verkauft.
Der bekannteste Schlossherr war National- und Ständerat Karl von Schmid
Schloss Klingnau festlich geschmückt. Das Schloss, einst eine Burg, wurde nach Gründung der Stadt (1239) erbaut. Beim grossen Städtlibrand 1586 brach das Feuer im Schloss aus und wurde auch zerstört.
Das Schloss wurde im 19. und 20. Jahrhundert zwischenzeitlich als Fabrik genutzt - auch ein Hochkamin stand hier. Auch italienische Gastarbeiter wohnten im 20. Jahrhundert zeitweise hier. Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts befand sich im Schloss der Polizeiposten.
Die feierlichen Räume im Schloss sind ein beliebter Ort für Hochzeiten, der Rittersaal bietet sich für die folgenden Feierlichkeiten an.
Schloss Zurzach im Oktober 2019: Da wurde bekannt, dass es das Bauunternehmen Birchmeier von der August-Deusser-Stiftung gekauft hat.
Nach einer Aussensanierung hat die Fassade eine andere Farbe auf diesem Archivbild. Der Park ist nicht öffentlich zugänglich.
Im Schloss wurden jahrelang Werke des deutschen Künstlers August Deusser ausgestellt.
Bis 2009 gab es noch ein Café im Schlosspark.
Das Schloss heisst auch Villa Zuberbühler oder Villa Himmelrych und wurde erbaut von 1899 bis 1904 vom Textilfabrikanten Jakob Zuberbühler.
Das Schloss Kasteln (Gemeinde Oberflachs) ist seit über 150 Jahren ein Heim für Kinder.
Die Stiftung etuna besitzt neben dem Schloss Kasteln auch den unmittelbar dahinter liegenden Bauernhof Kasteln, der verpachtet ist.
Die Bruchsteinmauern um das Schloss Kasteln sind das grösste Ensemble von Trockensteinmauern in der Deutschschweiz.
Hoch oben thront das Schulheim Schloss Kasteln.
Schloss Liebegg aus der Luft.
Am 22. März 2018 wurde hier das Hexenmuseums eröffnet.
Der Innenhof: Links liegt der Eingang des Hexenmuseums.

Das Schloss Lenzburg zählt zu den bedeutendsten Höhenburgen der Schweiz.

Chris Iseli/AZ