Kölliken
Wie auf dem Mond: Die Sondermüll-Deponie öffnete ihre Tore für Besucher

Der Sondermüll-Duft lag in der Luft. In Kölliken konnte die Bevölkerung einen Blick in die riesige Halle der SMDK werfen.

Urs Helbling
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Impressionen von der Sondermülldeponie Kölliken
8 Bilder
Impressionen von der Sondermülldeponie Kölliken
Impressionen von der Sondermülldeponie Kölliken
Impressionen von der Sondermülldeponie Kölliken
Impressionen von der Sondermülldeponie Kölliken
Impressionen von der Sondermülldeponie Kölliken
Impressionen von der Sondermülldeponie Kölliken
Impressionen von der Sondermülldeponie Kölliken

Impressionen von der Sondermülldeponie Kölliken

Luis Hartl

2007 wurde die Halle der Sondermülldeponie Kölliken (SMDK) gebaut. Seither sind Millionen von Automobilisten auf der A1 am imposanten Gebäude vorbeigefahren. Über 1500 Personen nutzten gestern am Tag der offenen Türen die Gelegenheit, den Bau einmal selber zu betreten. Zum Beispiel Daniel Cartier und sein Sohn Fabrice aus Gretzenbach SO. «Es ist schliesslich das letzte Mal, dass wir uns das ansehen können», sagt Papa Cartier.

Sondermülldeponie in Kölliken
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Rund 600'000 Tonnen Sondermüll wurden in acht Jahren ausgebaggert und entsorgt.
Die Sanierung der Altlast kostet knapp 900 Millionen Franken.
Messungen haben ergeben: Auch die Sandsteinschicht unter der ehemaligen Sondermülldeponie Kölliken ist verseucht.
Allerdings: Insgesamt müssen nicht 75'000 Tonnen, sondern nur 41'000 Tonnen Fels aus der Grube entfernt werden.
Von der felsigen Fläche müssen nun 20 Prozent ausgebaggert werden.
Im Februar 2016 sind neue Sondierbohrungen geplant.

Sondermülldeponie in Kölliken

Keystone

Daniel Brunner, Maurerlehrling aus Villmergen, ist überwältigt von den Dimensionen: «Mich beeindruckt die Grösse der stützenlosen Halle.» Der längste Träger hat eine Spannweite von 175 Metern. Alleine das Dach besteht aus 6500 Tonnen Stahl. Zählt man auch Armierungen dazu, wurde für die SMDK-Halle fast so viel Stahl verbaut wie für den Eiffelturm.

«Es het echli gschtunke»

Slavica und Willi Burger aus Beinwil am See machen, wie viele andere, ein Erinnerungsfoto auf der Passerelle, die über das Dach führt. Dort posiert auch Roberto Restuccio aus Safenwil: «Ich bin mit meiner Tochter Serena gekommen, weil ich ihr die Anlage einmal genau zeigen möchte.» Serena schildert ihre Eindrücke von der dunklen Abbauhalle: «Es het echli gschtunke.»

Martina Conrad (Kölliken) und Fabienne Huber (Holziken) haben Freunde, die in unmittelbarer Nähe der SMDK aufgewachsen sind. «Sie haben uns da hingeschleppt.» Die beiden Frauen nutzen die Möglichkeit, einmal im gepanzerten Raupenfahrzeug Probe zu sitzen. Es steht zum Verkauf.

Das 26 Tonnen schwere Monster hat eine autonome Atemluft-Versorgung (für vier bis sechs Stunden) und eine explosionsgeschützte Fahrerkabine, die laut SMDK nachweislich einer Explosion von 10 Kilogramm TNT (in vier Meter Distanz) widersteht. Die SMDK besitzt drei dieser Spezialfahrzeuge. Die ganze Flotte soll verkauft werden. Für eines der Fahrzeuge gab es gestern Nachmittag bereits ein erstes Angebot.

Endzeitstimmung

Auf dem Rundgang konnten die Besucher unschwer feststellen, dass in der SMDK nach dem Abtransport des Giftes und der Beendigung der ersten Demontage-Arbeiten bereits so etwas wie eine Endzeitstimmung herrscht – auch wenn es noch bis Ende 2022 dauern wird, bis die Halle weg und die ehemalige Grube wieder aufgefüllt und renaturiert ist.

Zurzeit hat die SMDK noch neun Angestellte. Bis im Frühling ist in der Halle nur das Tröpfeln des Wassers zu hören, das über dem Fels versprüht wird. Dann wird die Halle zur Hälfte mit Ausbruchmaterial des Eppenbergtunnels (SBB) aufgefüllt. Die Halle sorgt dabei für den Staubschutz. Anfang 2018 beginnt ihr Abbruch.