Wer alt und gebrechlich ist, kommt ins Altersheim. Das ist heute schon fast Normalität. Die Mitglieder der Lebensgemeinschaft wollen das nicht erleben. Sie wollen nicht im hohen Alter aus dem gewohnten Umfeld gerissen und mit jemandem in ein Zimmer gesteckt werden, den sie überhaupt nicht kennen.

Vielmehr wollen sie in Gemeinschaft mit Menschen leben, die sie schätzen und mit denen sie gut auskommen, auch in der zweiten Lebenshälfte. Deshalb haben die Gründer der Wohngenossenschaft Runa, Prisca Bruggisser und Richard Haberthür, ebendiese vor dreizehn Jahren in eine Lebensgemeinschaft umgewandelt.

Der Tee schmeckt süss und fruchtig, nach Blüten der Linde, die hinter dem Haus steht, getrocknetem Lavendel und Süssmost vom eigenen Apfelbaum. Auf dem Tisch im Gemeinschaftsraum stehen sieben Tassen, für jeden der anwesenden Runa-Bewohner eine.

Eigentlich seien sie zu neunt, sagt Prisca Bruggisser: Zwei Psychotherapeutinnen, eine ehemalige Köchin, ein Dozent für Erziehungswissenschaften, eine Ärztin, eine Kursleiterin, ein Uhrenverkäufer, eine Watsu-Therapeutin und eine Künstlerin, alle zwischen 50 und 77 Jahre alt. Sie leben zusammen am Belchenweg in Kölliken in drei Häusern und eigenen Wohnungen.

Alle vierzehn Tage kommen sie im Gemeinschaftsraum im Hauptgebäude zusammen. Sie diskutieren, wer welche Aufgabe im Haus übernimmt, erzählen, dass sie gerade Grossmutter geworden sind und planen gemeinsame Unternehmungen. Unter der Woche gehen sie zusammen ins Kino, besuchen Theater, schauen zusammen einen Film oder bleiben auch einfach mal für sich. «Es ist mehr, als wenn man sich am Wochenende mit Freunden zum Bräteln trifft», sagt Anton Beal. Er lebt seit eineinhalb Jahren in der Lebensgemeinschaft. Hier erlebe man Gemeinschaft und Zugehörigkeit.

Kein Altersheim

«Wenn ich erzähle, wo ich wohne, sind die Leute meistens begeistert von der Idee», sagt Eva Zingrich, die seit 2014 in der Gemeinschaft lebt. Schnell komme dann aber die Frage, ob sie mit ihren 62 Jahren nicht zu jung sei für ein Altersheim. «Ein Altersheim ist es überhaupt nicht!», sagt Ursula Gugelmann. Vielmehr seien sie Menschen, die zusammen bewusst die zweite Lebenshälfte leben möchten.

«Das Bedürfnis nach solchen Lebensformen wird immer grösser», sagt Richard Haberthür. Früher hätten die Verwandten für ältere Familienangehörige gesorgt. Als das nicht mehr funktioniert habe, habe man Altersheime gebaut. Dort seien die Menschen aber nicht sozialisiert und lebten trotzdem zusammen.

Um die Gemeinschaft zu fördern, veranstalten die Runa-Bewohner regelmässig Events für Freunde und Interessierte. Ausserdem meditieren sie zusammen, machen Qi-Gong und Yoga. Die Gruppe ist sich einig: Verbindliche Strukturen sind Ausdruck ihrer Verbundenheit. Natürlich sei die Wohngemeinschaft auch Herausforderungen. «Diese wollen wir im Gespräch lösen», sagt Eva Zingrich. In Runa setze man deshalb auf bewusste Kommunikation und Offenheit untereinander. Ausserdem entscheidet die Gruppe gemeinsam über die wichtigsten Veränderungen wie den Einzug eines neuen Mitbewohners.

Im Moment sind noch alle Runa-Bewohner busper. «Es ist wichtig, diesen Schritt zu wagen, bevor man ihn wirklich braucht», sagt Anton Beal. Ausserdem müsse man wegen der Menschen kommen und nicht, um endlich nicht mehr alleine zu sein.

Trotzdem mache sich die Gruppe natürlich Gedanken darüber, was in zehn Jahren sein wird. Was passiert, wenn sie beispielsweise einmal auf Pflege angewiesen sind. «Wenn wir zu zehnt hier wohnen, können wir gut ein oder zwei Pflege anstellen und es kommt immer noch günstiger, als wenn wir in ein Heim gehen» sagt Rosalie Fouché lachend. Die anderen der Gruppe nicken. «Bis dahin geht es aber hoffentlich noch eine Weile.»