Schöftland
Wer von den Senioren fit ist, geht sicherer durch die Welt

Das Regionale Alterszentrum bietet ab Mitte September Fitnesstraining im Alter an. An vier Vormittagen können die Bewohnerinnen und Bewohner unter kundiger Anleitung Fitnessgeräte benutzen.

Peter Weingartner
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Das erste Ausprobieren der neuen Fitnessgeräte macht richtig Spass. wpo

Das erste Ausprobieren der neuen Fitnessgeräte macht richtig Spass. wpo

Peter Weingartner

«Ich spüre gar nichts mehr!», sagt Wally Schweizer, nachdem sie vom Fitnessgerät gestiegen ist. Dabei hatte sie vorher Knieschmerzen, Folgen einer Meniskusoperation vor drei Jahren. So schnell wirken Fitnessgeräte in der Regel nicht. Um messbare Fortschritte zu erzielen, muss man drei Monate trainieren. Seis drum: Wally Schweizer hat vor, beim Fitnesstraining im Alterszentrum Schöftland mitzumachen.

Am Dienstagabend informierte die Zentrumsleitung Bewohner und Angehörige über das Fitnesstraining im Alter. Ab Mitte September solls losgehen. Zentrumsleiter Thomas Zeller legt Wert darauf, dass man nicht irgendetwas anbietet: Das Training soll auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Und dafür ist Eva van het Reve, Doktorandin an der ETH, zuständig. Sie arbeitete mit 160 Probanden aus schweizerischen und deutschen Altersinstitutionen. Ihr Fazit überzeugte: signifikante Verbesserungen vor allem beim Gehen; hoher Spassfaktor, was sich in der sehr hohen Befolgungsquote niederschlägt. Auch der Einbezug kognitiver Aufgaben am Computer, zusätzlich zu den körperlichen an den Geräten, wirke sich erwiesenermassen positiv aus auf das Sturzrisiko. Positive Effekte seien zudem bei neurodegenerativen Erkrankungen (Alzheimer, Parkinson) festzustellen.

Die Bewegungswissenschaftlerin erklärte den normalen Leistungsabbau im Alter: Nachlassen der Muskelkraft, sinkende Beweglichkeit, schnellere Ermüdung. Das steigere die Sturzgefahr und das Risiko von Oberschenkelhalsbrüchen. Die Botschaft kam an, zumal mit Fitnessarbeit auch Beschwerden wie Herzkreislaufproblemen, Übergewicht, Bluthochdruck, aber auch psychischen Erkrankungen entgegen gewirkt werden kann. Ihre positive Botschaft: Man kann auch mit 90 Jahren noch beginnen. Ein Training pro Woche erhalte den Status Quo, derweil zwei Trainings zu je einen knappen Stunde messbare Fortschritte bewirkten. Es komme sogar vor, dass Personen ihren Rollator nicht mehr brauchten.

Was passiert nun in Schöftland? Zur Zeit wird das Betreuungspersonal, fünf Personen, auf ihre neue Zusatzaufgabe vorbereitet. Ein Training hat einen bestimmten Ablauf vom Aufwärmen über die Kraftarbeit, das Balance-Training bis zum Dehnen am Ende. Betreuung ist Thomas Zeller wichtig: Ein unbeaufsichtigter Gebrauch der Geräte ist nicht vorgesehen. Interessierte können sich eintragen; an vier Vormittagen soll je zweimal eine Gruppe mit maximal sieben Personen trainieren können. Auch Personen, die einen Rollator brauchen, können mitmachen. Für Bewohner des Alterszentrums ist das Angebot kostenlos; welchen Beitrag interessierte Senioren aus dem Dorf zu leisten haben, ist noch nicht bestimmt. Start soll Mitte September sein. «Je nach Nachfrage bieten wir Fitness auch noch an einem fünften Vormittag oder an einem Nachmittag an», sagt Thomas Zeller.

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