Reinach-Leimbach
Wenn pflegende Angehörige an ihre Grenzen stossen, was dann?

Ein Dokumetarfilm zeigt Männer und Frauen, die kranke Angehörige pflegen und begleiten. Und er weist darauf hin, dass ebenso auf die Gesundheit der Pflegenden geachtet werden muss.

Peter Siegrist
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Erika Bleiker (l.) und Marianne Schlegel, Spitex Reinach-Leimbach. psi

Erika Bleiker (l.) und Marianne Schlegel, Spitex Reinach-Leimbach. psi

Peter Siegrist

In vielen Familien übernehmen Angehörige die Pflege und Begleitung von Familienmitgliedern. Chronisch Kranke, oder an Demenz erkrankte Menschen werden zu Hause betreut. Ehepartner sorgen für die erkrankte Partnerin, Töchter pflegen ihre alten Eltern und vermeiden damit den Eintritt in ein Pflegeheim.

Meist geschieht das aus eigenem Willen, aus Liebe; manchmal aber auch unter familiären Druck, etwa wegen abgegebener Versprechen.

«Was Angehörige da leisten geht ins Unermessliche», sagt Marianne Schlegel, die Stützpunktleiterin der Spitex Reinach-Leimbach. «Was da für die Gesellschaft geleistet wird ist unschätzbar.» Schlegel und ihre Mitarbeiterinnen treffen bei ihrer täglichen Arbeit auf Männer und Frauen, die zu Hause einen Teil der Pflege übernehmen.

«Wir werden regelmässig mit Situationen konfrontiert, wo wir erkennen, dass eine Ehefrau, ein Ehemann, eine Verwandte körperlich und psychisch an ihre Grenzen stossen», sagt Schlegel.

In solchen Situationen habe die Spitex die Möglichkeit, die Leute auf weitere Unterstützungsangebote hinzuweisen. Und Erika Bleiker, Präsidentin der Spitex Reinach-Leimbach, ergänzt: «Es ist ganz wichtig zu sehen, das Bitten um Unterstützung ist weder ein Zeichen der Schwäche noch ein Versagen gegenüber dem kranken Partner.»

Wer die Pflege übernehmen möchte, müsse sich der Arbeit und Belastung rund um die Uhr, sieben Tage die Woche vorher bewusst sein, sagen die Fachfrauen. Die Gefahr der Überforderung sei gross, und plötzlich seien im Haushalt zwei Krankenbetten nötig.

Unter dem Patronat des Gemeinnützigen Frauenvereins Reinach-Leimbach findet am nächsten Donnerstag im Breite-Schulhaus Reinach ein Film- und Diskussionsabend statt.

Gezeigt wird der Dokfilm «Zwischen Wunsch und Verpflichtung» der FFG-Videoproduktion (Regie Annemarie Friedli). von Cécile Malevez. Der Film sensibilisiert die Besucher auf das Thema der pflegenden Angehörigen und regt an, die persönliche Situation zu analysieren.

Er gewährt mit konkrete Beispielen Einblicke in vielfältige Pflege- und Betreuungssituationen. Fachpersonen erläutern im Film bestehende Angebote und Ständerätin Christine Egerszegi nimmt Stellung aus persönlicher Erfahrung und politischer Sicht.

Projektleiterin Cécile Malevez und Christine Egesrzegi sind an diesem Abend anwesend. Ebenso Vertreterinnen der Spitex, des Regionalen Besuchsdienstes, des Entlastungsdienstes Aargau, der Pro Senectute und der Tagesstätte Villa Herzog. Nach dem Film kommt es zu einer Fragerunde. Der Film ist als DVD erhältlich.

Donnerstag, 11. April, 19.30 Uhr, Aula Breiteschulhaus