Muhen
Wenn nachts der Mähdrescher kommt

Die Müheler Bauern Beatrice und Anton Lüscher laden morgen zum «Tag der offenen Hoftüren».

Flurina Dünki
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Beatrice und Anton Lüscher vor ihrem ehemaligen Kuhstall, der heute ein Blumenladen ist.

Beatrice und Anton Lüscher vor ihrem ehemaligen Kuhstall, der heute ein Blumenladen ist.

Flurina Dünki

Das Fiirabigbänkli vor Beatrice und Anton Lüschers Hof in Muhen steht inmitten dutzender Blumentöpfe. Hat es hier eine Bäuerin mit dem Hausschmuck übertrieben? Nein, die 51-jährige Beatrice Lüscher ist gelehrte Gärtnerin und hat ihren Blumenladen im ehemaligen Kuhstall neben dem Wohnhaus eingerichtet. Die Kühe zogen um, nachdem die Lüschers hinter dem Haus einen modernen Stall gebaut hatten.

In den letzten Tagen wurden die Shabby-Chic-Möbel im Blumenladen besonders gut abgestaubt und der Vorplatz gründlich gewischt. Denn morgen erwarten das Bauernpaar und seine erwachsenen Söhne Mike und Jan gehörig Besucher. Im Rahmen des landesweiten Tags der offenen Hoftüren des Schweizer Bauernverbands darf jedermann morgen Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr mit Kind und Kegel den Betrieb besichtigen, Kühe und Pensionspferde streicheln, Traktoren mit mannshohen Rädern bewundern und sich durch das kulinarische Angebot der umliegenden Bauersfamilien essen.

Ackersurfing für Mutige

Hinter den «offenen Hoftüren» der Familie Lüscher stecken die vereinten Kräfte aus zehn weiteren Betrieben. «Der Zusammenhalt unter den Müheler Bauern ist einzigartig», sagt Beatrice Lüscher. Schon seit vier Jahren veranstalte man zusammen Aktivitäten für die Bevölkerung, erst auf Eigeninitiative unter dem Titel «mit em Buur dur d’Natur», dann im Rahmen der Bauernverband-Anlässe. Daher sind sie event-erprobt und sorgen selbst für Liebhaber des Abenteuersports vor: Ackersurfing funktioniert ein bisschen wie Wasserski, statt dem Motorboot zieht hier ein Traktor und die Waghalsigen stehen auf einer Blache.

Die Lüschers freuen sich über die Neugierde am Bauerntum. «Wir wollen die Landwirtschaft den Bewohnern näher bringen. Viele haben heutzutage weniger Bezug zum Ursprung der Lebensmittel», sagt der 52-jährige Anton Lüscher, der den Hof einst vom Vater übernommen hat. Heute halten er und seine Frau 24 Mutterkühe, einen Stier und 20 Kälber für die Natura-Beef-Produktion.

So können die beiden morgen etwa das Phänomen des Mähdreschers erklären, der spätabends durch seinen Lärm die Nachbarn irritiert. Schon manch ein Anwohner hätte deshalb zum Telefonhörer gegriffen, sagt Anton Lüscher. «Der Lohnunternehmer, der mit dem grossen Mähdrescher kommt, mäht vor einem Wetterumschlag gleich bei mehreren von uns – deshalb braucht er bis in die Nacht.»

Beide Söhne, sie sind um die 20, haben Interesse, den Hof weiterzuführen. Und dafür hatten sie schon vor geraumer Zeit klare Vorstellungen: «Ich möchte später nicht melken», habe einer der Söhne gesagt, so Beatrice Lüscher. Er drückte damit den Eltern gegenüber seine Sorge über den sinkenden Milchpreis aus. «Wegen der Preise haben wir auf Fleischproduktion umgesattelt», sagt Beatrice Lüscher. Vom neuen Stall nebenan können Mutterkühe und Kälber selbstständig auf die Wiese, ausserdem funkelt auf ihrem Dach seit Kurzem eine neue Photovoltaikanlage.

Heute pflückt die Maschine

Hightech-Hilfen wie die Solarinstallation auf dem Kuhstall, die sich nach Bauer Lüschers Schätzungen in etwa sieben Jahren auszahlen sollte, gehören heute zur Landwirtschaft. So erntet die Äpfel auf dem Nachbarsgrundstück allein die Maschine – die einheitliche Form der Säulenbäume macht das möglich.

Trotz dem Einzug der Maschinen haben Bauer und Bäuerin immer noch genug zu tun, wie Beatrice Lüscher sagt: «Gross ausruhen können wir uns nach dem Wochenende nicht. Gleich als Nächstes steht Heuen auf dem Programm.»

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