Unterkulm

Wenn die Freude an der Arbeit fehlt

Soziologe Ueli Mäder: «Gefährlich: je tiefer die Einkommen, desto höher die Gesundheitskosten.» – Unternehmer Kurt Härri: «Es darf nicht sein, dass Nichtstuer mehr Geld erhalten, als wer arbeitet.»

Soziologe Ueli Mäder: «Gefährlich: je tiefer die Einkommen, desto höher die Gesundheitskosten.» – Unternehmer Kurt Härri: «Es darf nicht sein, dass Nichtstuer mehr Geld erhalten, als wer arbeitet.»

Das 6. Pavillongespräch von Pfarrer Peter Müller brachte den Basler Soziologen Ueli Mäder (in Beinwil am See geboren) und Schindler-Manager Kurt Härri (aus Birrwil) nach Unterkulm. «Zu viel Monat am Ende des Zahltags?» lautete die Affiche des Abends.

Ein Exkurs auf die globale Ebene zeigte die Diskrepanz zwischen Reich und Arm: 20 Prozent der Bevölkerung brauchten 80 Prozent der Ressourcen, sagte Mäder und führt das auf die Zeit zurück, als 85 Prozent der Erde in europäischem Besitz waren. Härri, der vor allem in China tätig war, baute die Brücke zurück in die Schweiz.

Er redete dem freien Unternehmertum das Wort: «Ein soziales Land muss ein reiches Land sein.» Gleichzeitig kritisierte er die Finanzwelt, die teilweise auf kriminelle Art sich selbst zum Selbstzweck mache, statt Unternehmen Kapital zur Verfügung zu stellen.

Er mahnte, Sorge zu tragen zu den Werten der früheren Generationen: Fleiss, Tüchtigkeit. Eine gewisse Sattheit und ein Pochen auf Rechte zuerst, bevor etwas geleistet wird, stellt Mäder auch bei Studierenden fest: «Wie viele Credits erhalte ich, wenn ich dieses Buch lese?» Asiaten hätten einen grossen Ehrgeiz, sagt Härri.

Für Mäder hat der wirtschaftliche den politischen Liberalismus überlagert: Wirtschaft und Politik müssten Verbindlichkeiten aushandeln, sonst werde es gefährlich. Nun traten Gegensätze zutage.

Während Mäder die aktuelle Staatsquote alles andere als alarmierend findet, bringt Härri das Beispiel einer alleinerziehenden Mutter, die «vergnügt von Sozialleistungen lebt».

So werde die Motivation entzogen, etwas zu arbeiten: Fehler im System. Und es sei gleich nochmals falsch, wenn die Väter, welche die Alimente nicht bezahlten, mit einem Schulterzucken laufen gelassen würden.

Hektik kennzeichne die moderne Arbeitswelt, sagte ein Votant in der Diskussion. Das falle Härri auch auf, wenn er zurück in die Schweiz komme: Hamsterrad; das Menschliche fehle, die Freude an der Arbeit; man warte aufs Wochenende.

Er erzählt von Erfahrungen aus China: zufriedene Arbeiter dank gelebter Gemeinschaft. Nicht jeder Job mache Spass, sagte ein Mann. Er habe seine Arbeit an einen Ausländer verloren, der zum halben Lohn arbeite. Hier seien Schutzmassnahmen nötig, meinte Härri.

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